Start-up: Eine Revolution für das stille Örtchen
ZWETTL. „Ich mache den Toilettengang in Zukunft angenehmer“, verspricht der gebürtige Zwettler Roland Moser. Denn er vermisste seit geraumer Zeit ein wesentliches Utensil am „stillen Örtchen“, vor über drei Jahren begann er selbst mit der Umsetzung – „Toicube„ war geboren. Der Weg von der Idee bis zur Umsetzung war allerdings keineswegs ein leichter.

„Die Idee entsprang sprichwörtlich aus der eigenen Not heraus“, schmunzelt Roland Moser. Beim Hausbau vor über zehn Jahren legte er Wert auf tolles Design und eine moderne Optik. Im Zuge der Ausstattung der Sanitäranlagen suchte er vergeblich nach einem multifunktionellen Klopapierhalter: es schwebte ihm einer vor, der auch mit einem berührungslosen Feuchtpapierspender punktet.
Denn die Problematiken in diesem Bereich sind keine unbekannten: Meistens liegen die Feuchttücher irgendwo am Spülkasten oder am Fensterbrett herum, nicht selten bleiben sie offen und trocknen aus, zudem brauche man wiederum zwei Hände, um sie der Verwendung zuzuführen. „All das nervt mich seit vielen Jahren“, so Moser. Zwar bot der Markt damals Feuchttuchspender, allerdings mussten diese wieder mechanisch betätigt werden, zudem seien sie optisch nicht ansprechend gewesen. „Mein Schwager setzte mir dann den Floh ins Ohr, es selbst umzusetzen“, lacht Moser. Das war der Anfang eines lehrreichen aber auch steinigen Weges.
Auftritt im TV
Eine Vorstellung in seinem Kopf über das letztendliche Produkt existierte: Es sollte ein kombinierter Klopapierhalter werden, der zusätzlich über einen berührungslosen Feuchtpapierspender verfügt. Letzterer sollte über einen Sensor automatisch gesteuert werden, also öffnen und wieder schließen. Entwürfe folgten, ein Metallbauer wurde mit der Umsetzung beauftragt - was allerdings gründlich misslang - Förderanträge geschrieben und ein Patentverfahren angemeldet.
Nach vielen schlaflosen Nächten war endlich der erste Prototyp geboren, diesen präsentierte Roland Moser im April 2016 erstmals bei einer TV Start-up-Show. Die Freude über diese Chance war groß. „Schließlich geht dem ein langwieriger Aufnahmeprozess mit Castings voraus, nur handverlesene Start-ups dürfen ihre Erfindungen in der Show präsentieren“, weiß Moser.
Die Investoren zeigten sich begeistert vom Gründer, und beschrieben seine Erfindung unter anderem als „eine grenzgeniale Idee, auf die die Welt gewartet hat“. Das damals noch nicht erteilte Patent war mitunter ausschlaggebend, dass Moser zwar mit viel wertvollem Feedback allerdings ohne einen Deal in der Tasche nach Hause ging. „Während der Ausstrahlung bekam ich hunderte Nachrichten, auch wenn ich keine Finanzspritze bekam, war das Marktfeedback unglaublich toll“, freut sich Moser. Daher entschied er sich, in Serienproduktion zu gehen.
Knifflige Angelegenheit
Ein auf den ersten Blick simples Produkt erweist sich als knifflig. „Die verschiedensten Komponenten müssen alle zusammenspielen, die Platine wurde komplett selbst entwickelt - für die Steuerung brauchte es eine eigene Software“, erläutert Moser. Die Zusammenarbeit mit seinem Elektronikentwickler entpuppte sich als wenig produktiv, so fing Moser nach dessen Rausschmiss wieder von vorne an. Dienstleister oder Zulieferer vertrösteten ihn monatelang, um ihm dann mitzuteilen, dass sie den Auftrag doch nicht erfüllen können.
Als Moser schließlich kurz vor der Auslieferung der ersten Serie stand, stellten sich die angelieferten Gehäuse als nicht funktionstüchtig heraus: der Hersteller verwendete dafür ein anderes Material, welches das Infrarotsignal für den Sensor nicht durchließ. „Hunderte Liefertermine mussten verschoben werden“, erinnerte sich Moser. Anfang 2017 gingen endlich die ersten fertigen Toicubes über den Tresen.
Stolz auf sein „Baby“, hat er bereits die nächsten Visionen im Hinterkopf, wie etwa Kooperationen, die günstigere Auflagen in größeren Mengen ermöglichen sollen.
Von Knüllern und Faltern
Viel leichter hätte er sich anfangs die Umsetzung seiner Idee vorgestellt. Dennoch ist Roland Moser heute um wertvolle Erfahrungen reicher - schließlich hat der gelernte Vermessungstechniker von der Konstruktion bis zum Aufbau einer Marke den Weg nahezu alleine gemeistert. Nicht zuletzt hat Moser viel über das WC-Verhalten erfahren. So gibt es tatsächlich Studien über die Falter von Toilettenpapier, die eher in Mitteleuropa wohnen sowie über die Knüller, die vermehrt im englischsprachigen Raum sowie in Südeuropa zuhause sind.
Heute ist das Thema Berührungslosigkeit am WC nicht mehr wegzudenken, auch die Verwendung von Feuchttüchern steigt kontinuierlich.
Und obwohl seine Mama, die selbst eine Greißlerei in Zwettl führte, ihn immer davor warnte, sich ja nicht selbstständig zu machen ist es für Roland Moser, der sich selbst als Optimist bezeichnet, ein Traum, für den es sich hoffentlich lohnt so viel zu geben.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden