AIGEN. Genau zehn Jahre ist es her, als Nicholas Treadwell im alten Bezirksgericht seine Galerie errichtete. Obwohl das Geschäft mit der Kunst in unseren Breitengraden oft nicht einfach ist, kann er hier sein, was er ist: Theatermann, Performancekünstler und ein Europäer im Mittelpunkt des Kontinents.
„Ich bin zwar nicht der Lieblingskunde meiner Bank, habe aber mit meiner Galerie den Bekanntheitsgrad der Region gestärkt“, erklärt Nick Treadwell den täglichen Spagat, dem sich ein Kunsthändler seines Formates in einer nicht allzu dicht besiedelten Region zu stellen hat. „Aigen ist Zentrum Europas“ Trotzdem ist Aigen für ihn der perfekte Ort: Erstens weil sich der 77-jährige Mann mit den pinken Haaren und dem auffallenden Kleidungsstil die Miete für eine Galerie in Wien oder London nicht leisten will und zweitens, weil für ihnAigen das Zentrum des Kontinentes ist. „Ich habe eine europäische Galerie und hier bin ich genau in der Mitte“, verrät er und legt nach: „Keine Galerie ist oder war so identisch wie die meine.“ Tatsächlich: In punkto Einzigartigkeit kommt ihm keiner so schnell nach. Alleine schon mit seinem Outfit sorgt der Brite mit der Bass-Stimme überall für viele Hingucker und gilt als auffällige Persönlichkeit, die polarisiert. Nichts für konservative Kunstgeschmäcker ist auch seine Kunst, die er verkauft: Skulpturen dicklicher Frauen, halbnackter Männer mit Bierbäuchen und viele skurrile Gemälde beherrschen das Bild im ehemaligen Bezirksgericht mit Gefängnis, das jetzt Pink Prison heißt. Auch ein Kinofilm über ihn mit dem Titel „Rose Colored Glasses“ wurde bereits gedreht. „Vielleicht wird er beim Crossing Europe-Filmfestival in Linz gezeigt“, hofft Treadwell, der die DVDs in seiner Galerie verkauft, denn: Auch Film ist Kunst.
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