Pfarrer verschuldete sich aus Hilfsbereitschaft mit 200.000 Euro
ALTMÜNSTER. Um einem jungen Mann in Finanznöten zu helfen, nahm Pfarrer Franz Benezeder einen Bankkredit auf, borgte sich Geld von Privatpersonen und verwendete einen Gehaltsvorschuss. 200.000 Euro Schulden waren die Folge.

Nun muss Benezeder diese zurückzahlen und in den nächsten Jahren mit dem Existenzminimum auskommen.
Gutgläubige Hilfe führte zu finanziellem Desaster
Vor vier Jahren war der Vater des jungen Mannes gestorben. Dieser geriet durch die schwierige Situation auf die schiefe Bahn. Alkoholprobleme und Gefängnisstrafen wegen Körperverletzung waren die Folge, „Ich wollte ihm helfen, wieder in die Normalität des Lebens zurückzufinden“, sagt Benezeder. Dies sei zunächst auch gelungen. Das geborgte Geld sei für Gerichtsverfahren und Schmerzensgeldzahlen verwendet worden. Der junge Mann habe eine Arbeit als Schlosser gefunden, ehe ihn ein Arbeitsunfall abermals in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Und vor allem seinen Unterstützer: „Ich weiß wie es Eltern geht, die ihre Kinder nicht fallen lassen wollen. Ich habe väterliche Gefühle entwickelt, die Kontrolle verloren und bin dadurch selbst in Schwierigkeiten geraten.“ Diese seien schlussendlich nicht mehr zu verheimlichen gewesen, eine Aussprache mit Pfarrgemeinderatsmitgliedern brachte die Finanztragödie ans Tageslicht.
Keine Spendengelder betroffen
„Die Untersuchung der Diözesanfinanzkammer gibt Gewissheit, dass keine Spendengelder betroffen sind und auch die Pfarrfinanzen in Ordnung sind“, sagt Karl Gstöttenmeier, Obmann des Pfarrgemeinderates. Dieser hat Benezeder mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen – unter der Voraussetzung, dass er alles lückenlos aufkläre und den Schaden wieder gut mache.
Professionelle Betreuung notwendig
Reumütig und erleichtert zeigt sich Benezeder: „Ich habe eine furchtbaren Fehler gemacht und weiß, dass ich Vertrauen gebrochen habe. In falschem Stolz habe ich keine Hilfe angenommen.“ Dies wird sich ändern. Der Pfarrer wird psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und eine Therapie beginnen. Zudem übernehmen der Obmann des Fachausschusses Finanzen und ein weiterer Mandatsträger die Pfarrfinanzen. Die Diözese hat einen Großteil der Schulden zunächst beglichen. Benezeders Gehalt wird nun auf das Existenzminimum gekürzt. „Der Heilige Franziskus entschied sich für ein Leben in Armut. Das werde ich jetzt auch tun“, so der Pfarrer.


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