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ASCHBACH. Mit dem Verein 361 Grad erhält das kulturelle Leben in Aschbach eine weitere Bereicherung. Tips-Redakteur Norbert Mottas bat die beiden künstlerischen Leiter, Obmann Peter Hofmayer und Obmann-Stellvertreter Alois Aichberger, zum Interview.

Die künstlerischen Leiter Alois Aichberger und Peter Hofmayer Foto: Werner Brunnbauer
Die künstlerischen Leiter Alois Aichberger und Peter Hofmayer Foto: Werner Brunnbauer

Tips: Braucht es Mut, in Zeiten des kulturellen Ausnahmezustands einen Kulturverein zu gründen?

Aichberger: Ich habe keine Ahnung, ob es Mut braucht, was es definitiv braucht, ist Leidenschaft und davon haben wir mehr als genug. Wahrscheinlich ist es die einzige Möglichkeit, im kulturellen Ausnahmezustand einen Schritt in Richtung Öffnung zu gehen. Wir, die Kulturschaffenden, Künstler und vor allem das Publikum, lechzen nach kultureller Nahrung.

Hofmayer: Diese Situation ist nicht nur für uns Kulturschaffende unerträglich. Es braucht da keinen Mut. Wir konnten gar nicht mehr anders, als wieder eine kulturelle Perspektive zu schaffen – auch für uns persönlich und unsere Psyche.

Tips: Kam die Idee von euch oder von den politischen Entscheidungsträgern?

Aichberger: Die Entscheidung, einen Kulturverein zu gründen, ist lange gereift und fiel erst vor einem halben Jahr. Nach mehrjährigen Diskussionen, Kulturstammtischen, Workshops und unzähligen Sitzungen haben sich die politischen Verantwortlichen und wir für eine Vereinsform entschieden. Die Politik war von Anfang an dabei und geht diesen Weg mit uns gemeinsam, ein starkes Zeichen für die Region und darüber hinaus.

Tips: Wie kam es zum Namen 361 Grad?

Hofmayer: Die Namensfindung war mitunter sehr schwierig. Von Beginn an war es uns sehr wichtig, die Aschbacher Bevölkerung mit unserem Feuer zu begeistern, daher wollten wir einen Aschbach-Bezug im Vereinsnamen haben. Dabei kamen wir auch auf die Postleitzahl 3361. Der Titel beschreibt aber zudem eine Sinnlichkeit, denn 360° ergeben einen Kreis, und wenn man einen Kulturkreis bilden möchte, so wäre dieser geschlossen. 361° aber eröffnen ihn neu, denn das eine, erste Grad beginnt den Zyklus auf ein weiteres Mal. Weil Tradition und Kultur nicht endlich sind, darf dieser Zirkel nicht enden. Er erneuert sich stets und im ersten Grad nach jeder Umdrehung.

Tips: Seid ihr mit den bestehenden Kulturvereinen (Musikvereine, Bühne Aschbach) in Kontakt?

Hofmayer: Selbstverständlich. Die gewachsenen Strukturen in unserer Gemeinde sind uns sehr wichtig. Wir werden bestimmt auch Projekte gemeinsam mit diesen Vereinen anstreben. Ich bin ja selbst Mitglied der Musikkapelle. In diesen Zeiten das Einende im Gemeindeleben hervorzuheben, ist wichtiger denn je. Im kulturellen Austausch untereinander können wir voneinander nur profitieren.

Tips: Der Verein 361 Grad hat sich auch der kulturellen Bildung verschrieben. Was habt ihr in dieser Hinsicht geplant?

Hofmayer: Also besonders stolz sind wir, dass Kinder unter 15 alle Veranstaltungen kostenlos besuchen können. Aber es geht natürlich um kulturelle Bildung ganz allgemein. Die Lesung mit Karim El Gawhary kommenden Herbst setzt diesbezüglich schon einmal Akzente in diese Richtung. Wir haben da die einmalige Chance, die arabische Welt genauer kennen und verstehen zu lernen – nicht nur anhand von 90-Sekunden-Beiträgen im Fernsehen. Wir wollen mehr Verständnis schaffen für Menschen aus anderen Kulturen. Dazu ist es notwendig, sich darüber zu informieren und zu bilden. Kultureller Austausch ist ja ganz global betrachtet eine der Grundvoraussetzungen für ein friedvolles Miteinander. Grundsätzlich reizt es mich, dem Publikum Neues schmackhaft zu machen. Durch ein Liveerlebnis erreicht man das Publikum leichter. Ich durfte zum Beispiel beim ZOA Festival schon mehrmals erleben, wie begeistert Konzertbesucher nach dem Hören einer ihnen völlig unbekannten Musikrichtung waren. Also Neugier und Interesse wecken, um zu offenem und freiem Denken anzuregen. Auch das ist kulturelle Bildung für uns.

Tips: Wie kann man kulturell nicht Interessierte oder sehr eingeschränkt Interessierte für Kultur gewinnen?

Aichberger: Durch die Weitergabe des Feuers. Man kann Menschen nur begeistern, wenn man selber für eine Sache brennt. Ich glaube, dass wir ein breitgefächertes Programm anbieten und so hoffentlich viele für die Kultur begeistern können. Kultur ist Lebensqualität und das brauchen wir ALLE.

Tips: Wo zieht ihr die Grenze zwischen Kultur und Kommerz?

Aichberger: Eine sehr schwierige Frage, da ich mir mit Grenzen grundsätzlich schwertue. Die Frage, was ist Kultur oder Kommerz, ist so individuell, dass es keine klare Antwort gibt. Mit dem Namen Mozart wird viel Geld verdient, also sehr kommerziell, aber mit seiner Musik fasziniert Wolfgang Amadeus bis heute.

Tips: Ihr habt bereits eine sehr informative und gekonnt gestaltete Website und bringt darüber hinaus zweimal im Jahr das „361° das Magazin“ heraus. Wie wichtig ist Kommunikation mit der Bevölkerung?

Hofmayer: Sehr. Mit unserem Magazin möchten wir etwas in die Tiefe gehen – mehr als nur ein Programmheft anbieten. Wie schon gesagt, wollen wir möglichst viele Aschbacher und Aschbacherinnen erreichen – zum Beispiel indem wir mehr von unserer Begeisterung und Motivation erzählen. Begleitend soll das Magazin auch auf die Veranstaltungen vorbereiten und einstimmen. Es wird ein wirklich cooles Kulturmedium – einfach überraschen lassen.

Tips: Die ersten fixierten Veranstaltungen sind bereits sehr hochkarätig. Schon das Herbert Pixner Projekt als Auftakt lässt ein erstklassiges Konzert erwarten. Geht es im Jahr 2022 auf diesem Niveau weiter?

Hofmayer: Uns war schon wichtig, mit einem großen Namen zu starten – um von Beginn an Begeisterung zu wecken. Das wird es auch in Zukunft immer wieder geben. Unser Kulturverein definiert sich aber nicht nur über Konzerte bekannter Künstler. Wir werden auch Kleinkunst fördern, Literatur, bildende Kunst, auch provozierenden Künstlern einmal Platz verschaffen – und nicht zuletzt jungen Künstlern eine Bühne bieten – etwa unserer durchaus vorhandenen Bandszene in Aschbach.

Tips: Seid ihr noch auf der Suche nach weiteren Vereinsmitgliedern?

Aichberger: Der Verein 361° ist ein gemeinnütziger Verein und steht jedem offen. Wir sind jetzt schon ein Team von mehreren Aschbacherinnen und Aschbachern, die sich mit ihrem Knowhow in den unterschiedlichen Bereichen einbringen. Über eine klassische Mitgliedschaft haben wir aber noch gar nicht im Detail nachgedacht. Was wir möchten, ist, dass ein „Wir-Gefühl“ entsteht und sich möglichst viele Menschen für Kultur aller Art interessieren. Wir sind nicht auf der Jagd nach Mitgliedsbeiträgen, sondern für uns ist Kultur ein Lebenselixier. Kultur ist mehr als nur Brauchtum, Tradition oder Vereinsleben: Sie ist ein Grundbedürfnis der Menschheit!


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