Ich bin überzeugt, dass Musik die Welt verbessern kann
ASCHBACH/ARDAGGER. Peter Hofmayer ist Indendant des Zoafestivals in Ardagger und Obmann des Kulturvereins 361 Grad in Aschbach. Tips Redakteur Norbert Mottas befragte ihn zum Stellenwert der Kultur.

Tips: Das diesjährige Zoafestival war äußerst bemerkenswert. Was von diesem Festival wirkt sieben Wochen danach noch nach?
Hofmayer: Natürlich die Konzerte – und das Zusammenkommen von Besucherinnen und Besuchern und Musikerinnen und Musikern aus allen Richtungen.
Tips: Ein besonderer Aspekt war das Zusammenführen der Menschen durch Musik, besonders ausgeprägt beim Auftritt des ukrainisch-russischen Trios Talisman. Kann Musik etwas zum Frieden in der Welt beitragen?
Hofmayer: Vielleicht ist es naiv, das zu glauben. Aber ich bin dennoch überzeugt davon, dass Musik, ihre Ästhetik oder Kultur im Allgemeinen die Welt verbessern kann. Jedenfalls fand ich es einfach ein wunderschönes Statement, dass russische und ukrainische Musiker gemeinsam auf der Bühne standen. Aber auch das Solo-Intro des ukrainischen Geigers Oleksandr Klimas hatte eine große Kraft.
Tips: Das Doppelkonzert „Alpen & Glühen“ kam beim Publikum sehr gut an. Planst du für die kommenden Zoafestivals ebenfalls neue Formate?
Hofmayer: Das Konzert kam vor allem deshalb sehr gut an, weil das einfach ein fantastisches Projekt ist. Nicht nur Thomas Gansch und Herbert Pixner, alle acht Musikerinnen und Musiker sind absolute Stars der Szene. Da standen mehrere potentielle ZOA-Acts gleichzeitig auf der Bühne. Dass diese Stars innerhalb weniger Tage, die sie da im Mai auf Tour waren, zu einer echten Band zusammengewachsen sind, war einfach wunderschön. Der lässige Groove innerhalb der Band war bei jedem einzelnen Stück spürbar. Aber ja, wir haben dieses „Jubiläumskonzert“ erstmals mit zwei Sets geplant – wir sind für die Zukunft flexibler geworden. Und das ist gut. Das ZOA entwickelt sich stetig weiter – vielleicht künftig auch mit neuen Formaten.
Tips: Hast du schon besondere Bands im Visier?
Hofmayer: Für mich sind alle Bands, die am ZOA spielen, besonders
Tips: Du bist nicht nur aktiver Musiker und Intendant des Zoafestivals sondern auch Obmann des Kulturvereins 361 Grad in Aschbach. Nach welchen Kriterien veranstaltet ihr kulturelle Events?
Hofmayer: Unser Anspruch sowohl bei ZOA als auch bei 361 Grad ist immer: Es darf niemals belanglos werden! Wir haben – egal bei welcher Art von Event – sehr hohe Ansprüche an uns selber. Mir persönlich ist das Zuhören so wichtig. Es ist einerseits die Wertschätzung, die ich dadurch den Künstlerinnen und Künstlern entgegenbringe, und andererseits kann ich erst durch aktives Zuhören voll und ganz in die Materie eintauchen.
Tips: In der aktuellen Ausgabe des 361 Grad-Magazins, geht ihr der Frage nach „Was tun, wenn es regnet?“ und zählt allfällige Störfaktoren bei Open Airs auf. Mit welchen weiteren Risikofaktoren müssen Veranstalter aktuell rechnen?
Hofmayer: Naja das war nicht ganz ernst gemeint – hahaha. Aber wir wurden in den letzten Tagen vor unserem Pfarrgarten-Open-Air ständig nach der Schlechtwetter-Variante gefragt, deshalb haben wir uns damit leicht ironisch auseinandergesetzt. Das Konsumverhalten unseres Publikums hat sich in den letzten zwei Jahren völlig verändert. Viele Veranstalter-Kollegen klagen über eine mäßige Kartennachfrage. Erst dieses Wochenende bestätigten mir auch Stermann & Grissemann: „In der Wiener Kulturszene heißt es mittlerweile: Zwei Drittel voll ist das neue ausverkauft“. Gründe dafür gibt es natürlich viele: Corona und seine Nachwirkungen, das Nachholen zahlreicher privater Feiern, der Krieg und nicht zuletzt die Teuerung, auf die wir in den nächsten Monaten wohl noch verstärkt zusteuern.
Tips: Warum tut man sich das an?
Hofmayer: Ich kann nicht anders. Wie schon vorhin erwähnt: Ich glaube daran, dass Kultur uns erst zur Menschheit macht und somit die Welt verbessern kann. Und solange ich nur ein Promille dazu beitragen kann, werde ich mir das antun.
Tips: Wie beurteilst du den Stellenwert, den die Politik der Kultur beimisst? Und hast du Wünsche an die Politik?
Hofmayer: In den vergangenen zwei Jahren ist viel passiert. Wir wurden als Gesellschaft getrennt – nicht zuletzt auch aufgrund von Kommunikationsfehlern seitens der Politik. Das Land NÖ, das puncto Kulturförderung wirklich vorbildlich ist, hat beispielsweise gerade das Kulturbudget gekürzt, was für mich gerade jetzt das falsche Zeichen ist. Eigentlich sollte es erhöht werden, denn Kultur kann uns als Menschheit wieder ein Stück weit zusammenbringen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Umgekehrt finde ich es einfach innovativ, dass in einer Gemeinde mit der Größe von Aschbach gerade jetzt ein Kulturbudget beschlossen wurde. Und dass die Gemeinde unseren Verein 361°Grad beauftragt hat, mit diesem Budget zu arbeiten!


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden