Eveline Skarek: Mein Lebensmotto: „Folge der Freude “

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Norbert St. Mottas Norbert St. Mottas, Tips Redaktion, 04.02.2019 09:35 Uhr

AMSTETTEN. Eveline Skarek ist mit Musik aufgewachsen und entwickelte sich zur gefragten Sängerin und Gesangstherapeutin.

AMSTETTEN. Eveline Skarek wuchs in Klein-Pöchlarn auf. Schon als Kind zeigte sich, dass sie sehr musikalisch war. „Das habe ich wohl von meinem Vater geerbt, den ich nie kennen gelernt habe, da er vor meiner Geburt tödlich verunglückt ist.“ Evelines Vater war ein guter Geigenspieler.

In der Familie wurde immer viel gesungen und musiziert. „Das machte Spaß und kostete kein Geld“, erklärt Eveline. „Wir waren sechs Kinder und sangen gern mit unserer Mutter mehrstimmig.“

Erstes Instrument: Blockflöte

Im Alter von sechs Jahren bekam sie Blockflötenunterricht und bereits mit sieben spielte sie Klarinette in der Musikkapelle. Ihre großen Brüder hatten eine Band gegründet, die im Keller laute Bandproben abhielten. „Wenn es zu laut wurde, hat die Mama oben den Strom abgedreht.“

Eveline sang begeistert im Schulchor und spielte bis zum Alter von 17 in der Musikkapelle. Danach aber wuchs ihr revolutionärer Geist und es war ihr unmöglich, in einer Uniform zu musizieren. Außerdem eröffnete die Diskothek, damals Barbarella, in Klein-Pöchlarn.

Choreografie und Showtanz

DJ Peter und Bardame Eva studierten mit den Jugendlichen Tanz-Shows ein. „Wir hatten tolle Kostüme, viele Proben und auch Aufführungen. Manchmal wurden wir auch von anderen Discos gebucht. Das waren wertvolle erste Bühnenerfahrungen, wenn ich Choreografien entwickeln, solo oder in der Gruppe tanzten konnte.“

Aus der Zeit gibt es natürlich zahlreiche Anekdoten zu erzählen. Etwa von der gruseligen Dracula-Show: Der Dracula-Darsteller lag in seinem Sarg und sollte aufs Stichwort den Deckel heben und die Leute erschrecken. Allerdings war er im Sarg eingeschlafen und musste erst geweckt werden.

Damals hatte Eveline einen guten Freund, der ihr viele Jazz-Platten vorspielte. „Diese Musik trug dazu bei, meinen Geist zu öffnen und sie hat mir, als Mädchen vom Land, eine weltanschauliche Weite gezeigt, auch mit Gedichten und Poesie von Erich Fried und Bildern von Picasso.“

In der Zwischenzeit hatte Eveline von der „braven Klarinette zum cooleren Saxophon“ gewechselt. Mit diesem spielte sie Blues in verschiedenen Formationen, für diverse Anlässe – wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeste.

Tanz- und Gesangsunterricht

Mit 17 wollte Eveline dann Musical studieren. Heimlich ist sie deshalb regelmäßig nach Wien gefahren um Tanzunterricht zu nehmen. Schwierig war das Heimkommen, denn zwischen Pöchlarn und Klein-Pöchlarn verkehrte auf der Donau damals nur die Rollfähre, und die hatte nur bis 21 Uhr Betrieb. Sie lernte Jazzdance, Modern Dance, Ballett und Steptanz.

Die ersten privaten Gesangsstunden, die sie sich selbst hoffnungsvoll organisierte, wurden vom Gesangslehrer leider vereitelt. Sein Interesse lag nicht darin, die Gesangstechnik und Karriere von Eveline zu fördern. Die Aufnahmeprüfung zur Musicalschule war nun kein Thema mehr. Somit war der Traum erstmal zu Ende.

Sozialarbeit

Eveline entschied sich danach für das Studium an der Bundesakademie für Sozialarbeit in St. Pölten, die sie 1991 mit Auszeichnung abschloss. Anschließend setzte sie intensiv musisch-kreative Projekte in der Jugendarbeit, mit Autisten und psychiatrischen Patienten um und konzentrierte sich dabei auf die kreativen Begabungen, nicht auf die Defizite der ihr anvertrauten Menschen. Die Justizsozialarbeit mit straffälligen Männern erweiterte das Erfahrungsspektrum enorm.

Sinn und Berufung

Sieben Jahre lebte Eveline sehr asketisch und sie befasste sich mit ihrer persönlichen Berufung und Sinnfragen. So fand sie ihr Lebensmotto: „Folge der Freude“. Natürlich ist dieser Weg oft von Loslassen, Angst und Mut begleitet. Aber sie spürte deutlich: „Mein Wesen möchte singen und damit anderen Freude bringen. Ich möchte hilfreich sein und im Dienst einer inneren Berufung leben und arbeiten“. Sie reduzierte 2002 die Sozialarbeit von 40 auf 20 Stunden um Raum für mehr Musik und „lustvolle Tätigkeiten“ zu schaffen und 2011 machte sie sich überhaupt selbstständig. Ausgerechnet ein einfacher Karaoke-Wettbewerb in Klein-Pöchlarn, den sie mit dem Lied „My Way“ gewann, gab letztlich den Stein des Anstoßes für professionellen Gesangsunterricht. Und der Traum, der mit 17 zu Ende schien, war plötzlich wiederbelebt und prägte weitere große Schritte.

Say Yes and keep swinging

Eveline erarbeitete sich in Kommerzbands ein großes Repertoire und Bühnenerfahrung. Eines Tages wurde sie eingeladen, auf einer Hochzeit Flowerpower, Swing und Musik aus den 60er- und 70er- Jahren zu singen und so gründete sie einfach ihre eigene Band mit den Lehrern der Musikschule. Das war die Geburtsstunde von „Say Yes and keep swinging“, ihre geliebte Jazz- und Swingband.

2015 schloss sie ihr Doppelstudium am Privatkonservatorium Vienna Music Institute, für Jazzgesang und Instrumental- und Gesangspädagogik ab und 2016 erhielt sie ihr Diplom zur Multimedialen Kunsttherapeutin vom ÖAGG verliehen. In ihrer Hausarbeit „Was mir die Luft nimmt“ beschäftigte sie sich mit Atmung und Lungenpatienten.

Atem- und Gesangstherapie

Gemeinsam mit der Physiotherapeutin Petra Buchriegler entwickelte Eveline eine Atem- und Gesangstherapie für Lungenkranke, die sich im Reha Zentrum Weyer seit 2011 bis dato als sehr erfolgreich erweist. Als Patienten meinten, sie würden das gern in Wien, Amstetten und anderen Orten auch haben, installierte Eveline diese Gruppen auch in diesen Städten. Inzwischen verfügt sie über zwei Firmen: Die Band „Say Yes & keep swinging“ und das Institut für Kunst- und Gesangstherapie. Sie hält Vorträge in verschiedensten Orten, die von der Krankenkasse finanziert werden.

Einen Tag pro Woche widmet sie sich der Sozialarbeit: Da arbeitet sie im Kinderschutzzentrum Amstetten.

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