Historische Spurensuche: Auf Römerpfaden durchs Mostviertel

Hits: 484
Seichte Wegereste kurz vor der heutigen A1 mit Blick Richtung Oed (Foto: Lehenbauer)
Seichte Wegereste kurz vor der heutigen A1 mit Blick Richtung Oed (Foto: Lehenbauer)
Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 29.05.2021 08:21 Uhr

MOSTVIERTEL. Harald Lehenbauer aus Wallsee ist begeisterter Hobbyhistoriker und Laienarchäologe. Die Erforschung der Mostviertler Geschichte liegt ihm besonders am Herzen. Derzeit beschäftigt er sich mit Römerpfaden in der Region.

 

„Eine der besonderen Leistungen der Römer war zweifelsohne die Anlage eines systematisch-effizienten Straßensystems. Die römische Staatspost (cursus publicus) war imstande, Nachrichten in einer äußerst geringen Zeitspanne quer durch das römische Reich zu transportieren“, berichtet Lehenbauer.

Das römische Straßenwesen

Das römische Straßenwesen war in mehrere Einheiten gegliedert. So gab es die viae publicae – dies waren Trassen „erster Ordnung“, die dem Fernverkehr dienten – und die viae vicinales. Bei Letzteren handelte es sich um Straßen „zweiter Ordnung“, die die römischen Gutshöfe (villae rusticae) und Siedlungen (vici) miteinander verbanden. „Daneben gab es auch noch viae militares: Hier haben wir es – wie der Name schon andeutet – mit Militärstraßen zu tun. Diese dienten zur schnellen Truppenverschiebung, Versorgungssicherstellung und Nachrichtenübermittlung“, so der Wallseer. In regelmäßigen Abständen – eine Tagesreise war 17 bis 21 Kilometer lang – wurden an diesen Straßen Raststationen eingerichtet, sogenannte mansiones (einfache Herbergen). Auch Pferdewechselstationen (mutationes) fanden sich an den Straßen, um die Pferde zu wechseln oder notwendig gewordene Reparaturen durchführen lassen zu können.

Antike Straßenverläufe noch heute sichtbar

„Durch das Mostviertel verliefen alle genannten Straßentypen. Teilweise sind die Verläufe noch im Gelände sichtbar, etwa als Hohlwege oder Feldwege. Vielfach finden wir an den Trassenverläufen auffällige Flur- und Hofnamen, die uns die alten – einst vielbegangenen und belebten – Verkehrswege anzeigen“, erklärt Lehenbauer und nennt hier „Alte Landstraß“ (Aschbach-Markt), „Steinstraß“ (Wallsee-Sindelburg), „Altstraß“ (Oed-Öhling), „Höfart“ (Wolfsbach) und „Hochstraß“ (Oed-Öhling und Weistrach).

Beispiel eines Römerpfades

Ein Beispiel einer antiken Wegverbindung stellt jene des Auxiliarkastells Wallsee mit der befestigten Straßenstation Mauer dar. Die einstige Trasse verlief wohl westlich von Mauer zum Hof „Großkienberg“ und durch den Haabergerwald. Dort sind die Hohlwegreste laut Lehenbauer sehr gut erhalten. „Hier wäre es wünschenswert, bei den Grundbesitzern eine Sensibilität zu schaffen, um eine Verfüllung der Hohlwege zu verhindern und so diese über 2000 Jahre alten Verkehrsrelikte für die Nachwelt zu erhalten“, macht der Wallseer aufmerksam. Die Trasse wird in alten Kirchenbüchern der Pfarre Sindelburg bereits um 1660 als „Altstraß“ erwähnt.

Alte Hohlwegspur

Nach der Durchquerung des Waldes stößt die Trasse auf Höhe des Feuerwehrhauses Oed auf die B1 und quert diese, um über Windpassing nach Teufelsberg zu ziehen, wo kurz vor den beiden Teufelsberger-Höfen westlich der modernen Straße die alte Hohlwegspur an der Baumzeile erkennbar ist. Von dort zweigt sie von der heutigen Straße auf einen uralten Pilgerweg ab, um vorbei an der 2018 entdeckten römischen Ziegelei Witzmannsdorf nach Tanzberg zu führen, von wo sie zur Tanzberger Brücke zieht. Zuletzt führt die Straße von der Brücke über Groppenberg zur Kirche Sindelburg, wobei etwa 170 Meter vor der Kirche, am Anstieg von Hofing südwestlich der modernen Straße, Hohlwegreste zu erkennen sind, die jedoch in ihrem Bestand stark gefährdet sind.

Wissenschaftliche Bestätigung steht noch aus

„Zum Schluss sei noch angemerkt, dass die wissenschaftliche Bestätigung dieser Trassenführung noch aussteht, diese aber nur durch Grabungen erzielt werden kann. Die Linienführung, die Flurnamen und die alten Wegereste machen aber eine römische Zeitstellung wahrscheinlich“, erklärt Lehenbauer.

 

Seit 2015 ist Harald Lehenbauer Mitglied beim Verein VEMOG (Verein zur Erforschung der Mostviertler Geschichte). Er hat in der Vergangenheit rund 30 historische Aufsätze und Beiträge zu Ortschroniken verfasst, die teilweise in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.

Zukünftig werden in der Tips Amstetten weitere markante, noch sichtbare Trassenverläufe vorgestellt. Nächstes Thema: „Die römische Staatspost auf ihrem Weg durch das Mostviertel“

Kommentar verfassen



SKU Amstetten freut sich über dritten Saisonsieg

AMSTETTEN. Beim Heimspiel gegen den FC Blau-Weiss Linz siegte der SKU Ertl Glas Amstetten 1:0 (1:0). In einer über die gesamte Spielzeit spannende Partie hatte der SKU das bessere Ende für sich. Peter ...

Bio Austria lädt zu Pilgerwanderung auf den Sonntagberg ein

SEITENSTETTEN. Die Bio Austria-Bäuerinnen und Bauern des Mostviertels laden unter dem Motto „Wir schauen auf‘s Ganze“ zu einer Pilgerwanderung auf den Sonntagberg ein.

SCU Ardagger bleibt auch gegen den Tabellenführer ohne Gegentreffer

BEZIRK AMSTETTEN. Im Spitzenspiel der 6. Runde in der 1. Landesliga traf mit dem SCU Ardagger die beste Defensive auf das Team mit der besten Offensive - den SC Krems.

Udo Jürgens-Show in der Johann Pölz-Halle Amstetten

AMSTETTEN. In der Johann Pölz-Halle geht Anfang Oktober die Show „Udo Jürgens – Die Story“ über die Bühne.

Mobilitätstag 2021 – Eine Fahrt zahlen, ganztägig fahren

AMSTETTEN. Anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche gilt am 22. September in Wien, Niederösterreich und Burgenland die Regelung „Einzelkarte als Tageskarte“.

A-cappella-Konzert mit zwo3wir in Neustadtl/Donau
 VIDEO

A-cappella-Konzert mit „zwo3wir“ in Neustadtl/Donau

NEUSTADTL/DONAU. Das A-cappella-Quintett zwo3wir ist mit seinem Programm „Königin sein“ in der Gemeinde zu Gast.

Bildungsmeile-Stundenpläne verteilt

EURATSFELD. Die Bildungsmeile ist mitten in den Vorbereitungen für die diesjährigen Aktionstage im November.

Reinhold Messner mit „Weltberge - Die 4. Dimension“ in Amstetten zu Gast

AMSTETTEN. „Weltberge – Die 4. Dimension“ ist Reinhold Messners neuester und zugleich bildgewaltigster Vortrag. Er zeigt dreizehn ausgewählte Weltberge, an denen Ge­schichte geschrieben wurde auf ...