Kundgebung am Amstettner Hauptplatz gegen Gewalt an Frauen
AMSTETTEN. Anlässlich der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ luden Opferschutzeinrichtungen zur Fahnen-Aktion „Frei leben ohne Gewalt“ am Hauptplatz ein.

Am 25. November startet jedes Jahr mit dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ eine 16 Tage andauernde Kampagne gegen Gewalt und Diskriminierung von Frauen. Den Abschluss bildet der “Internationale Tag für Menschenrechte“ am 10. Dezember.
„Gewalt ist gerade sehr präsent“
„Wir haben wegen des Lockdowns überlegt, die Veranstaltung abzusagen. Gewalt ist jedoch gerade so präsent, dass wir die Kundgebung mit den nötigen Corona-Schutzmaßnahmen durchführen wollten“, so Sonja Mille von der Frauenberatung Mostviertel. Dort habe es 2020 beinahe doppelt so viele Beratungen als zuvor gegeben, zum Thema Gewalt seien die Beratungen um 25 Prozent gestiegen.
Verunsicherung, Verärgerung, Überforderung
„Gewalt begegnet uns im Moment nicht nur in unserer Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen immer häufiger. Viele Menschen sind wegen der Corona-Situation verunsichert, verärgert, verängstigt und überfordert. Ein Anstieg an aggressivem Verhalten in Familien, Freundeskreisen, in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien ist für uns alle spürbar. Wir alle erleben gerade gewaltige Eingriffe in unser Leben. Die Antwort darauf muss Zusammenhalt sein und nicht Gewalt. Bleiben wir solidarisch und treten wir gemeinsam gegen jede Form von Gewalt auf!“, appelliert Sonja Mille.
Erschütternde Zahlen
Wie nötig es ist, das Thema vor den Vorhang zu holen, zeigen die erschütternden Zahlen: Alleine 2021 wurden in Österreich 28 Femizide und 51 Mordversuche an Frauen verübt. Irene Negl vom Gewaltschutzzentrum NÖ: „Das Gewaltschutzzentrum hat bisher 3.178 Personen beraten und unterstützt. In ganz Niederösterreich wurden von der Polizei 2.110 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. 91 im Bezirk Amstetten, 36 in Waidhofen/Ybbs“.
Jeder kann etwas beitragen
Es braucht laut Negl nicht nur eine „enge Zusammenarbeit zwischen Exekutive, Justiz und Opferschutzeinrichtungen“ - „jeder kann etwas dazu beitragen, (häusliche) Gewalt im sozialen Nahraum zu verhindern“. „Drehen Sie den Fernseher leiser und hören Sie hin, wenn Schreie und Poltern aus der Wohnung nebenan zu hören sind. Klingeln Sie an der Türe und fragen Sie, ob Sie ein Aufladegerät für Ihr Handy ausleihen können - so unterbrechen Sie die Gewalthandlung. Rufen Sie die Polizei, um die Gewalt zu stoppen. Geben Sie betroffenen Frauen und Kindern wichtige Notrufnummern oder Infofolder von Opferschutzeinrichtungen. bieten Sie Frauen und Kindern kurzfristig Unterschlupf an“, rät Negl.
Herausfordernde Zeiten verstärken Dynamik
Abhängigkeiten, Gewaltdynamiken und Belastungslagen von gewaltbetroffenen Personen können sich laut Negl in herausfordernden, einschränkenden und belastenden Zeiten wie diesen noch verstärken. „Schauen Sie nicht weg! Jeder Mensch kann von Männergewalt betroffen sein und hat ein Recht auf ein gewaltfreies Leben“, so Negl abschließend.


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