„Clevere Straße“ schützt vor Überschwemmung und Hitze

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Michaela Aichinger Tips Redaktion Michaela Aichinger, 23.06.2022 08:17 Uhr

STRENGBERG. Regenwasser auffangen, direkt versickern lassen und für Bäume erreichbar speichern: Das kann die neue Siedlungsstraße „Sunseitn“.

Die Siedlungsstraße „Sunseitn“ in der Marktgemeinde Strengberg wurde so angelegt, dass das Oberflächenwasser bei Regen direkt in den Grünflächen versickert und nicht über einen Kanal abgeleitet werden muss. Dafür kam sogenanntes DrainGarden-Substrat zum Einsatz. Es kann das Wasser schnell aufnehmen und lange Zeit für Pflanzen verfügbar halten.

Das DrainGarden-Prinzip

„Der DrainGarden-Körper, eine Mischung aus Erde und speziellem Granulat (Perlit), kann doppelt so viel Wasser aufnehmen wie normaler Untergrund und speichert es auch sehr lange. So kommen die Pflanzen ganz ohne Gießen durch die Dürreperioden“, erklärt Martin Kaltenbrunner, Geschäftsführer der Planungsfirma IKW.

Perlit

Der mineralische Grundstoff Perlit zeichne sich durch einen sehr hohen Porenanteil und in Folge durch eine hohe Speicherkapazität von Wasser aus. „Oberflächenwasser kann rasch in das Material einsickern und steht dann den Pflanzen langfristig zur Verfügung. Darüber hinaus weist das DrainGarden-Konzept mit Perlit eine nachgewiesene Reinigungswirkung auf, was bei Straßenwasser wichtig ist. Die wesentlichen Vorteile sind hier also die große Speichermöglichkeit und die Rückhaltefunktion von Wasser sowie auch die Reinigungswirkung“, informiert Kaltenbrunner.

Drainage an Unterseite

An der Unterseite eines DrainGarden-Elements sei zudem auch eine Drainage angebracht. Falls bei immensen Starkregen-Ereignissen das System das Wasser nicht mehr aufnehmen könne, werde es auf diesem Weg in den Regenwasserkanal abgeleitet.

Kanal nicht überlasten

Strengbergs Bürgermeister Johann Bruckner (ÖVP): „Besonders an Hanglagen wie in der Sunseitn-Siedlung ist es wichtig, das Oberflächenwasser rasch versickern zu lassen, damit der Kanal nicht überlastet wird. So bewahren wir Häuser vor Schäden und auch das Kanalnetz wird entlastet“. In der DrainGarden-Siedlungsstraße bringe man 23.000 Liter Wasser unter. Ein zweites derartiges Projekt sei in der Gemeinde bereits im Laufen.

Extreme ausgleichen

„Extremwetterereignisse werden durch den Klimawandel immer mehr. Einmal ist es tagelang heiß und trocken, dann regnet es in kurzer Zeit wieder so viel, dass Überflutungen drohen. Wir müssen uns daran anpassen und Systeme wie dieses anwenden, um Extreme auszugleichen“, so VP-Landtagsabgeordneter Bürgermeister Anton Kasser als Obmann des GDA, der die Umsetzung dieses Projektes begleitete. Kasser selbst hat seit vier Jahren ein DrainGarden-Projekt in seiner Gemeinde Allhartsberg am Laufen und ist von diesem System überzeugt.

Bäume als „kostenlose Klimaanlagen“

Zum Gesamtkonzept von DrainGarden gehört auch eine angepasste, klimafitte Bepflanzung mit einem Baum je Grüninsel − in der Siedlungsstraße „Sunseitn“ sind dies Französischer Ahorn und Chinesischer Birnbaum. Wie wichtig Bäume in Siedlungsstraßen sind, betont auch Landschaftsarchitekt Alois Graf, der das Bepflanzungskonzept entwickelte: „Bäume sind kostenlose Klimaanlagen. Durch Schatten und Verdunstung senken sie die Umgebungstemperatur und machen es auch an den heißesten Tagen erträglich“.

Um die Pflanzung und Pflege der Bäume und um die Begrünung kümmert sich die Firma Haas. Geschäftsführer Martin Haas: „Oft werden wir Gärtner geholt, wenn es zu spät ist. Doch Bäume, die verdurstet sind, können auch wir nicht wiederbeleben. Die Gemeinden können sich viel Aufwand und Geld sparen, wenn sie einen ordentlichen Untergrund für die Bäume schaffen“.

Förderung

Das Projekt „DrainGarden-Sunseitn“ wurde von einer KLAR!-Expertenjury als innovatives Projekt zum Wassermanagement und Hitzeschutz ausgewählt und konnte so mit der Investitionsförderung der Klimawandel-Anpassungsmodellregionen aus dem Klima- und Energiefonds der Bundesregierung unterstützt werden.

Die Klimawandel-Anpassungsmodellregion Amstetten Nord (KLAR!) ist von zunehmender Versiegelung betroffen. Die Dichte von Betrieben oder Gewerbestandorten ist höher als im NÖ-Vergleich. Die Region ist eine Zuzugsregion, wie die Einwohnerzahlen belegen. Dies bedingt den Ausbau von Infrastruktur. Darunter fallen neue Parkflächen und Siedlungszonen, aber auch Vereine erweitern ihre Anlagen. Der Versiegelungsgrad ist seit 2001 in Österreich um 24 Prozent gestiegen. 2015 bis 2017 wurden in Österreich täglich 12,9 Hektar Boden neu verbaut.

Bei der Versiegelung geht vor allem die biologische Funktion des Bodens verloren. Neben den ökologischen Auswirkungen hat die wachsende Bodenversiegelung auch wirtschaftliche Negativfolgen wie geringere Lebensmittelversorgungssicherheit.

Die Versiegelung, die geänderte landwirtschaftliche Bewirtschaftung sowie Veränderungen der klimatischen Verhältnisse begünstigen das Auftreten von kleinräumigen Überschwemmungen zum Beispiel von Unterführungen und Straßen. Der Boden ist oft nicht in der Lage, die kurzzeitigen Starkregenereignisse aufzunehmen oder es herrscht kaum eine Retentionsmöglichkeit vor.

In einem KLAR!-Maßnahmenpaket sollen Lösungsansätze für Gemeinden entwickelt und somit ein Problembewusstsein geschaffen werden.

Mehr auf gda.gv.at/klar-projekte

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