80 Jahre bei der Feuerwehr: Amstettens ältester Feuerwehrmann geehrt
AMSTETTEN. Beim Amstettner Abschnittsfeuerwehrtag wurde der 94-jährige Franz Gerlinger als Amstettens ältester Feuerwehrmann geehrt.

Am 2. Mai 1944 trat Franz Gerlinger der Feuerwehr Amstetten bei, mit seinen 94 Jahren ist er unter den 653 Feuerwehr-Leuten des Abschnitts Amstetten-Stadt das älteste Feuerwehrmitglied.
„Franz Gerlinger erlebte die Stunde Null der Feuerwehr Amstetten bis zu ihrer Etablierung als hochmoderne Feuerwehr“, verdeutlicht Abschnittsfeuerwehrkommandant Stefan Schaub.
Laut Gerlinger beschlagnahmten die russischen Besatzer in der Nachkriegszeit sämtliche Fahrzeuge; daher stand zum Löschen anfangs nur die Eimerkette zur Verfügung – Männer und Frauen, die sich Wasserkübeln weiterreichen.
Der 94-Jährige erinnert sich noch gut an die Löscharbeiten am Bahnhof und in der Pfarre Amstetten Herz Jesu. Eines der ersten Fahrzeuge, die Gerlinger fuhr, war ein englisches: Es sei „doch sehr ungewohnt gewesen, dass das Lenkrad auf der rechten Fahrzeugseite war“.
Bekanntes Schuhgeschäft
Gerlinger führte jahrzehntelang das bekannte Schuh- und Orthopädiegeschäft in Amstetten. Schaub schmunzelt: „Renommierte Feuerwehrfamilien haben offensichtlich einen Hintergrund in diesem Bereich; auch mein Vorgänger als Abschnittsfeuerehrkommandant, Johann Furtlehner, führt in Hausmening ein Schuh- und Orthopädie-Fachgeschäft.“
Bei Gerlinger stehe es auf jeden Fall symbolisch dafür, dass er viele große Fußspuren hinterlassen habe, so Stefan Schaub.
Teil der Löschmannschaften
Bei zahlreichen Einsätzen war Amstettens ältestes Feuerwehrmitglied Teil der Löschmannschaften. Eine große Freundschaft verbindet Gerlinger mit seinem Feuerwehrkameraden und späteren Kommandanten Helfried Blutsch Sen., der ebenfalls Teil der Feuerwehr-Familie ist.
Vieles habe man zusammen an Fahrzeugen und anderen Gerätschaften umgebaut und herumgebastelt. Immer wieder erwähnt Gerlinger den Rauscher-Brand in den 1960er-Jahren. Aus eigener Erfahrung weiß er aber auch um die kraftraubenden Einsätze bei Hochwasser.
Als leidenschaftlicher Zillenfahrer hat Gerlinger gemeinsam mit Franz Hinterberger, dem späteren Bezirksfeuerwehrkommandanten, einige Wasserdienstleistungsbewerbe bestritten.
Auch die Einsätze auf der damals neu gebauten Autobahn waren prägend. Beim tödlichen Unfall eines Kameraden während eines Einsatzes war er ebenfalls dabei. Gerlinger, der es bis zum Hauptbrandmeister schaffte, erlitt auch einmal eine Rauchgasvergiftung, die ihn ein Jahr lang beeinträchtigte.
Auch eine andere Episode ist Gerlinger lebhaft in Erinnerung geblieben: Bei einem Brand im Bahnhofsbereich löschte er seinen Durst mit dem Wasser aus dem Strahlrohr. „Das war keine gute Idee, das Wasser entstammt einem Bombentrichter und war voll mit Fäkalien und ich erkrankte an der Ruhr!“
Familie trug Engagement mit
Auch Gerlingers Gattin trug dessen Engagement mit. Tochter Susi hat ebenfalls gute Erfahrungen, verbrachte sie doch viele schöne Stunden mit der Feuerwehrfamilie. Allerdings verriet ein Feuerwehreinsatz auch, dass sie von einer Ballnacht noch nicht zuhause war, lacht sie: „Das Piepserl hat zum Einsatz gerufen und da entdeckten meine Eltern, dass ich noch nicht im Bett, sondern offensichtlich noch unterwegs war.“
Franz Gerlinger ermutigt die Jugend, der Feuerwehr beizutreten: „Man bekommt viele Möglichkeiten Gutes zu tun. Und es ist eine tolle Gemeinschaft!“ Gerne besucht er das Feuerwehrhaus Amstetten und hält sich auf dem Laufenden. Denn im Feuerwehrwesen bewegt sich immer viel, weiß er aus 80-jähriger eigener Erfahrung. „Es hält jung, sich mit jungen Leuten zu unterhalten!“
Das große Interesse der Jugend an der Feuerwehr erfülle ihn mit Freude. Gerlinger betonte beim Feuerwehrtag auch den Wert des Ehrenamtes, „ohne dem vieles in der Gesellschaft nicht möglich wäre“. Für ihn war „Hilfsbereitschaft immer normal, aber es kann auch hart sein!“
Abschnittsfeuerwehrkommandant Stefan Schaub dankte Franz Gerlinger: „Es lohnt sich im Feuerwehrwesen immer, generationenübergreifend im Gespräch zu sein. Alle können ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen.“


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