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Schwangerschaft: Beziehung von Mutter und Kind bereits vor der Geburt stärken

Michaela Aichinger, 07.11.2020 08:22

AMSTETTEN. Die Amstettner Psychotherapeutin Dr. Katrin Hofer unterstützt werdende Eltern, sich auf eine tiefe, emotionale Beziehung zu ihrem ungeborenen Kind einzulassen.

Psychotherapeutin Dr. Katrin Hofer unterstützt werdende Eltern. Foto: Dominik Stixenberger
  1 / 2   Psychotherapeutin Dr. Katrin Hofer unterstützt werdende Eltern. Foto: Dominik Stixenberger

Die Anfänge des Lebens im Mutterleib stehen im Zentrum vieler wissenschaftlicher Forschungen. Eines ist sicher: Die allerersten vorgeburtlichen Erfahrungen prägen Menschen, denn Babys werden über die Nabelschnur und die Plazenta nicht nur mit der Nahrung der Mutter versorgt: Auch deren Gefühle werden auf den Nachwuchs übertragen.

Mutter-Kind-Beziehung

In der vorgeburtlichen Beziehungsförderung unterstützt Psychotherapeutin Katrin Hofer werdende Eltern, sich auf eine tiefe, emotionale Beziehung zu ihrem ungeborenen Kind einzulassen. „Ich wende dafür die sogenannte Bindungsanalyse an. Dabei handelt es sich nicht um eine Therapieform, sondern um eine präventive Methode zur Förderung der frühen Mutter-Kind-Beziehung“, erklärt Hofer. Ziel sei, dass sich die werdende Mutter ihrer eigenen Gefühle, Erfahrungen, Sorgen klar wird und die Gefühle des Babys wahrnimmt.

Emotionaler Stress

„Babys sind bereits vor der Geburt dem emotionalen Stress der Mutter ausgesetzt – besonders, wenn es sich um chronischen Stress wie etwa Mobbing im Beruf oder die Trennung vom Partner handelt. In der Bindungsanalyse entsteht ein Raum, in dem sich Mütter über die eigenen Gefühle klar werden und diese vom Baby abgrenzen“, so die Psychotherapeutin.

Gespräche und Entspannungsreisen

In einer Anamnese würden die aktuelle Situation sowie frühere Erfahrungen beleuchtet. „Danach werden die Mütter mittels Gesprächen und Entspannungsreisen angeleitet, in tiefen Kontakt mit sich selbst und dem Baby zu kommen. Ich arbeite auch sehr gerne mit Träumen“, erklärt Hofer.

Babys werden auch seelisch geboren

Dass die vorgeburtliche Beziehungsförderung auch positive Auswirkungen auf die Geburt hat, steht für die Psychotherapeutin außer Frage: „Das Ziel ist ja, dass das Baby nicht nur körperlich, sondern auch seelisch geboren und von Beginn an wahrgenommen wird. Es gibt tausende Erfahrungsberichte, die zeigen, dass bei einer Bindungsanalyse während der Schwangerschaft sowohl die Frühgeburten- als auch die Kaiserschnittrate niedriger ist. Ich gebe den Müttern auch einen „Geburtskoffer“ mit auf den Weg, der ihnen zeigt, wie sie emotional gut durch die Geburt kommen können“, informiert Hofer.

Frauen werden umfassend begleitet

Abgesehen von einem stimmigeren Geburtsverlauf gebe es nach einer vorgeburtlichen Mutter-Kind-Bindungsanalyse keine Fälle von postnataler Depression. „Dies liegt daran, dass die Frau in der Bindungsanalyse umfassend begleitet wird. Sie setzt sich mit Wünschen, Sorgen und Ängsten auseinander, lässt diese zu, überträgt sie aber nicht auf das Kind, welches somit unbelasteter ins Leben starten kann“, so Hofer. Von manchen Eltern habe sie auch das Feedback erhalten, dass die Kinder in der Nacht besser schlafen und weniger weinen würden.

Nie zu spät, nie zu früh

Grundsätzlich ist eine Mutter-Kind-Bindungsanalyse laut Hofer etwa ab der 15. bis 20. Schwangerschaftswoche zu empfehlen. „Es ist aber nie zu spät und nie zu früh, mit der Bindungsanalyse zu beginnen. Auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sind herzlich willkommen. Die Bindungsanalyse ist für alle Mütter und auch Väter geeignet, die in tiefen Kontakt zum Baby und zu sich selbst treten möchten. Empfehlenswert ist sie besonders nach Fehl- oder Totgeburt(en), nach Frühgeburten, bei früheren Schwangerschaftsabbrüchen, nach künstlicher Befruchtung, bei allgemeinen Ängsten oder etwa bei Konflikten in der Partnerschaft. Grundsätzlich ist jedoch kein großer Leidensdruck als Voraussetzung für eine Bindungsanalyse erforderlich“, so Hofer.

„Jede Schwangerschaft hat mit Ambivalenzen zu tun“

Ganz allgemein sei es für eine vorgeburtliche Mutter-Kind-Beziehung wichtig, sich in den eigenen Körper hineinzuspüren, sich seiner Sorgen bewusst zu werden und einen Raum dafür zu schaffen. „Jede Schwangerschaft hat mit Ambivalenzen zu tun. Gefühle wie Vorfreude, Angst und Sorgen sind ganz normal“, erklärt Hofer. In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft gehe es oft darum, die Schwangerschaft anzunehmen. „Im zweiten Trimester ist das Kind angenommen, der Bauch wächst. Viele Frauen genießen diese Phase, die aber oft als zu kurz wahrgenommen wird, denn in den letzten drei Monaten geht es schon Richtung Geburt. Mütter genießen dann diesen bewussten Raum der Bindungsanalyse“, so Hofer.

Corona-Pandemie schafft Ängste

Die Corona-Pandemie ist derzeit ebenfalls Thema in Hofers Analyse-Einheiten. „Ängste sind auf jeden Fall da – vor allem vor Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Aufgrund der Schutzmaßnahmen ist es schon vorgekommen, dass Väter bei und nach einer Frühgeburt nicht ins Krankenhaus durften. Das ist natürlich problematisch. Manche Mütter fühlen sich auch durch die Absage von Babygruppen oder Veranstaltungen isoliert“, so Hofer.

Bindungsanalyse derzeit via Telefon und Skype

Doch es gebe auch positive Faktoren: „Durch die Corona-Pandemie sind weniger Besuche vor und nach der Geburt möglich. Mütter stehen somit weniger unter Druck und werden von den vermeintlich gut gemeinten Ratschlägen weniger gestresst“, ergänzt Hofer. Übrigens: In der aktuellen Corona-Situation werden Bindungsanalysen via Telefon und Skype durchgeführt.


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