Tips-Interview: „Sexualität ist in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert“

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Michaela Aichinger Tips Redaktion Michaela Aichinger, 24.05.2022 08:04 Uhr

MOSTVIERTEL. Angelika Datzberger ist österreichweit eine von zehn Personen, die als Sexological Bodyworkerin tätig ist. Worum es sich dabei handelt, hat Tips im Gespräch mit der Kollmitzbergerin herausgefunden.

Tips: Frau Datzberger, Sie sind als Sexological Bodyworkerin tätig. Ich muss zugeben, dass ich diese Berufsbezeichnung noch nie gehört habe – was darf man sich darunter vorstellen?

Angelika Datzberger: Als Sexolgocial Bodyworkerin begleite ich als Wissensvermittlerin und Impulsgeberin Personen, die hinsichtlich ihrer Sexualität mit Herausforderungen konfrontiert sind. Jedoch ist meine Tätigkeit als Sexological Bodyworkerin nur eine von vielen Kompetenzen, die ich über die Jahre erworben habe. Der Schwerpunkt meines Tätigkeitsbereichs befasst sich mit Emodiment, dem bewussten In-Verbindung-Treten mit dem eigenen Körper.

Tips: Wie sind Sie zu dieser Thematik gekommen? Auf Ihrer Homepage habe ich von einigen Reise-Erfahrungen gelesen …

Datzberger: Mein Werdegang in diesem Berufsfeld begann aus einer persönlichen Krise heraus, die mich veranlasste auf Reisen zu gehen. Unterwegs bin ich mir selbst nähergekommen und tief eingetaucht in verschiedenste Kulturen und deren Traditionen, wo ich auch mit Tantra in Berührung gekommen bin. Darauf aufbauend hat sich eines nach dem anderem gefügt und zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch mein Leben.

Tips: Wie hat Ihre Tätigkeit als Sexological Bodyworkerin/Körperbewusstseinstrainerin ihr eigenes Leben beeinflusst?

Datzberger: Aufgrund meines spannenden Berufsfelds lerne ich viele interessante Menschen kennen, wodurch ich immer noch mehr über mich selbst erfahre und über mich hinauswachse. Da das Thema Sexualität in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert ist und aufgrund mangelnder Bildung viele Menschen einen großen Leidensdruck verspüren, möchte ich konkret an der Wurzel des Problems tätig werden, um in Zukunft als Sexualpädagogin zu einem Wandel in unserer Gesellschaft beizutragen. Aufgrund dessen habe ich in meinem Beruf auch meine Berufung gefunden.

Tips: Das klingt perfekt! Nun zum Thema: Was versteht man eigentlich unter gelebter Weiblichkeit?

Datzberger: Bewusst gelebte Weiblichkeit bedeutet für mich als Frau, ein zyklusbewusstes Leben zu führen. Wenn sich Frauen dem Potential ihres weiblichen Zyklus bewusstwerden und die phasenspezifischen Stärken bewusst nutzen, anstatt dagegen anzukämpfen, um sich in unserer linearen Welt beweisen zu können, wird das Frau-Sein viel entspannter erlebt. Was wiederum dazu führt, dass eine Frau, die im Einklang mit ihrem Zyklus lebt, viel mehr in ihrem Leben erreichen und manifestieren kann, ohne Widerstand und Erschöpfung.

Tips: Zur Sexualität: Was unterscheidet weibliche von männlicher Sexualität und was versteht man unter achtsamer Sexualität?

Datzberger: Ihre erste Frage ist sehr komplex. Wenn ich sie in einem Satz zu beantworten versuche, würde ich es wie folgt beschreiben: Weibliche Sexualität öffnet sich vom Herzen und gipfelt dann in der Lust, bei der männlichen Sexualität beginnt es mit der Lust und geht erst danach ins Herz über. Achtsame Sexualität ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine energetische und spirituelle Erfahrung. Bewusst Zeit nehmen und sich auf die sexuelle Erfahrung mit allen Sinnen einlassen, weg von dem Klischee das Sexualität gleich Penetration ist. Emotionale Intimität ist eine Schlüsselkomponente von einer achtsam gelebten Sexualität.

Tips: Zum Thema Körperbewusstsein: Viele Frauen müssen im Alltag den Spagat zwischen verschiedenen Rollen und Verpflichtungen schaffen. Das Bewusstsein für den eigenen Körper, die eigene Weiblichkeit bleibt da oft auf der Strecke. Wie kann frau sich hier Raum schaffen?

Datzberger: Ich empfehle jeder Frau, kleine Rituale in ihren Alltag zu integrieren, die ihre Sinnlichkeit, Vitalität und Sexualität nähren. Sei es morgens den Tag mit einer Brust- oder Bauchmassage zu starten oder den Abend mit einer kurzen Yoga- oder Beckenbodeneinheit ausklingen zu lassen. Der Vielfalt an Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist jedoch, dass es Spaß macht und es sich gut anfühlt und dass frau dieses Ritual zu einer täglichen Routine werden lässt. Es ist viel nährender und effektiver, sich täglich zehn Minuten für sich und seine Weiblichkeit Zeit zu nehmen als einmal wöchentlich eine zweistündige Einheit hinter sich zu bringen.

Tips: Wie kann man Mädchen in der Pubertät am besten begleiten, sodass sie später als Frau gestärkt ihren Weg gehen können?

Datzberger: Genau für dieses Thema, dem Übergang vom Mädchen zur Frau oder vom Jungen zum Mann, brennt mein Herz. Bezogen auf Mädchen ist es sehr wichtig, dass wir einer jungen heranwachsenden Frau die Möglichkeit geben, ihren Zyklus erleben zu dürfen. Leider ist es heutzutage so, dass viele junge Frauen im zarten Alter von 15 Jahren bereits die Pille verschrieben bekommen. Die Gründe dafür sind nur sehr selten zum Zweck der Verhütung, sondern vielmehr wegen Akne, unregelmäßigen Zyklen, Endometriose und dergleichen. Als Beraterin für Natürliche Familienplanung sehe ich es als meine Verantwortung darauf hinzuweisen, dass der Menstruationszyklus erst im Alter von 20 Jahren vollständig ausgereift ist. Wenn man davor durch die Verwendung eines hormonellen Verhütungsmittels den natürlichen Zyklus unterbindet, kommen die Spätfolgen garantiert, insbesondere, wenn es davor ein zyklusbezogenes Beschwerdebild gab. Eine junge Frau, braucht reife Frauen an ihrer Seite, die ihr die Kraft und das Potenzial des weiblichen Zyklus näherbringen und sie in dieser spannenden Phase begleiten. Es ist wichtig, dass die Mädchen einen positiven Zugang zu ihrem sich veränderten Körper und ihrer Sexualität vermittelt bekommen. Zudem ist es von großer gesellschaftlicher Bedeutung, dass das Thema Sexualität enttabuisiert und Bildung und Aufklärung zu einem ganzheitlicheren Level angehoben wird. Und hier finde ich mich mit meiner Mission und Vision wieder: Zyklusbewusstes Frau-Sein, verkörperte Weiblichkeit und eine selbstbestimmte und selbstermächtige Sexualität sowie natürliches Fruchtbarkeitsmanagement.

Mehr erfahren auf:

www.fembodiment.at (für Frauen)

www.erosblossom.com (für Männer)

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