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Tipps für den Umgang mit Internetkriminalität

Norbert Mottas, 12.04.2022 18:42

AMSTETTEN. Da in Banken mittlerweile so wenig Bargeld liegt, dass sich ein Bankraub nicht mehr lohnt, verlegen Kriminelle ihre Aktivität ins Internet. Adolf Hammerl, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amstetten, erklärt, mit welchen Tricks die Kriminellen arbeiten und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Adolf Hammerl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Amstetten, warnt vor Internetkriminalität. (Foto: Werner Jaeger)

Die Internetkriminalität nimmt immer größere Dimensionen an. „Allein in der Sparkasse Amstetten müssen wir bis zu 40 Fraud-Fälle (Betrugsversuche) pro Jahr abwehren“, erklärt Adolf Hammerl, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Amstetten.Die häufigste Methode, die Kriminelle anwenden, ist das sogenannte Phishing. Da bekommen Menschen gefälschte Mails, die scheinbar von einer seriösen Bank kommen. Da steht etwa, dass ein Sicherheitsproblem oder ein technisches Problem bestünde. Die Adressaten werden aufgefordert, einen Link zu öffnen und Login-Daten bekannt zu geben.

Niemals Geheimdaten bekanntgeben

Hammerl warnt davor, diese Links zu öffnen: „Eine Bank würde niemals Kunden per E-Mail oder per Telefon auffordern, Login-Daten bekanntzugeben!“ Die Kriminellen können mit diesen Daten auf Kosten des Opfers einkaufen oder gar das Konto leer räumen.Früher erkannte man die Phishing-Mails an ihrer plumpen Gestaltung und an den Rechtschreibfehlern. Doch mittlerweile gelingt es den Kriminellen, diese Mails derart professionell zu gestalten, dass sie echt erscheinen. Manchmal ist sogar das Foto des persönlichen Kundenbetreuers abgebildet.Manchmal kommen auch klassische Briefe, die vorgeben, von der Bank zu sein. Auch diese sind so professionell gestaltet, dass man sie für echt halten könnte. In diesen Briefen werden die Kunden ebenfalls aufgefordert, eine Internetseite zu öffnen und dort die Geheimdaten einzugeben.Hammerl empfiehlt, bevor man auf solche Briefe reagiert, sollte man unbedingt vorher den persönlichen Bankbetreuer anrufen und fragen, ob das Schreiben tatsächlich von der Bank kommt.Manchmal bekommt man auch Anrufe von falschen Microsoft-Angestellten, die erklären, dass es Online-Banking-Probleme gebe und man solle die Bankdaten bekannt geben, damit das Problem gelöst werden könne. Das ist natürlich Fake und ein Betrugsversuch und wieder gilt: niemals die Bankdaten preisgeben.

Kaum Chance, gestohlenes Geld zurückzubekommen

Sollte ein Kunde aber merken, dass sich Kriminelle an seinem Konto zu schaffen machen, gilt es, sofort bei der Bank anzurufen. Dann werden alle Konten gesperrt und die Kriminellen können sich nicht weiter bedienen.Allerdings das Geld, das bereits weg ist, bleibt weg. Die Kriminellen überweisen das Geld auf ein Konto im Ausland, beheben das Geld und schließen das Konto sofort wieder.Wegen der geringen Aussicht, sein Geld wieder zu bekommen, zeigen viele Geschädigte den Betrug nicht an. Daher geht Hammerl von einer großen Dunkelziffer aus.

Neffentrick & Co

Manchmal kommen Mails vom Account einer bekannten Person.Diese schreibt, sie sei gerade in einer Notlage und man möge ihr Geld überweisen. Oder vermeintliche Neffen rufen an und bitten um Geld. Hammerl empfiehlt, unbedingt bei der echten Person anzurufen, ob sie tatsächlich dieses Mail geschickt habe. In fast allen Fällen deuten derartige Mails oder Anrufe auf einen Betrugsversuch hin.Manche Kriminelle versuchen es sogar bei der Bank selbst. Sie rufen an, geben sich als Kunden aus und bitten, Transaktionen in ihrem Namen zu tätigen, da sie gerade unterwegs seien. Das machen Banken natürlich nie.

Erpressungsversuche

Es kursieren auch Mails, die man von seinem eigenen Account bekommt. Im Mail steht dann, dass man gehackt worden sei und beim Betrachten fragwürdiger Internetseiten gefilmt worden sei. Wenn man nicht wolle, dass die Videos an alle Menschen im Adressbuch des Opfers verschickt werden, müsse man einen gewissen Betrag in Kryptowährung zahlen. Die meisten Menschen wissen, dass das ein Betrugsversuch ist, denn sie haben diese Seiten nicht betrachtet und auch keine aktive Kamera am Computer.Aber auch Leuten, die sich da nicht sicher sind, rät Hammerl: „Niemals zahlen!“ Denn wenn man einmal zahlt, kommen immer wieder neue Forderungen.Und Zahlungen in Kryptowährungen sind nicht nachvollziehbar. Die werden über mehrere Konten oder Krypto-Handelsplattformen geschickt und so verschleiert. Letztendlich wird die Kryptowährung dann in reguläre Währung umgetauscht.

Online-Einkäufe bei Unbekannten

Hammerl rät auch zur Vorsicht bei Online-Einkäufen auf unbekannten Seiten. Scheinbar unschlagbar preisgünstige Angebote können Betrugsversuche sein. Der Kunde zahlt – aber die Ware kommt nie an. Und wenn man nachfragen will, wo denn die Ware bleibt, ist der Anbieter nicht mehr auffindbar. Hammerl: „Wenn etwas zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist es meistens auch nicht wahr.“ Hier sollte man niemals im Voraus zahlen und auf Zahlung per Rechnung bestehen.

Exekutive überfordert

Aufgrund der derart großen Zahl der Internet-Betrugsangriffe kann die Exekutive gar nicht mehr nachkommen, alle zu verfolgen. Die Anzahl der Betrügereien steht in keiner Relation zur Anzahl der Exekutivbeamten.

Hausverstand benützen

Hammerl rät zu einer gewissen Grundskepsis bei Online-Geschäften und dazu, den Hausverstand einzusetzen.


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