Die Zukunft der Handwerksmühlen liegt an der Entscheidung der Konsumenten
ST. PETER IN DER AU. Die Rosenfellner Mühle hat 2021 mit weiteren Handwerksmühlen das Immaterielle Kulturerbe um das Wissen der Handwerksmühlen eingereicht. Im Herbst 2021 wurde die Eintragung bestätigt. Im Juli wurde den Handwerksmühlen die Urkunde in einem sehr feierlichen Rahmen in Leogang beim Bergbaumuseum verliehen. Tips Redakteur Norbert Mottas bat die Müllermeisterin Monika Rosenfellner zum Interview.

Tips: Das Wissen der Handwerksmühlen wurde in das Österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Was bedeutet das für Sie?Rosenfellner: Das Immaterielle Kulturerbe beschäftigt sich mit Traditionen verschiedenster Art. Das Schöne am Immateriellen Kulturerbe des Wissens um die Handwerksmühlen ist, dass es ein lebensnotwendiges Handwerk ist und die Versorgungssicherheit gewährleistet.
Tips: Wird die Aufnahme als Immaterielles Kulturerbe die Zukunft der Handwerksmühlen sichern?Rosenfellner: Bedauerlicherweise nein. Die Zukunft der Handwerksmühlen liegt an der Entscheidung der Konsumenten, wo sie die Getreide- und Mahlerzeugnisse einkaufen.
Tips: Worin besteht für Sie die Faszination des Müllerinnen-Gewerbes?Rosenfellner: Das gibt es viele. Einseits das Arbeiten mit der Natur, Beginnend beim Getreide und der Kraft des Wassers, woraus Strom für die Vermahlung gewonnen wird. Jedes Jahr, wenn das erste frische Getreide in die Mühle kommt ist das für mich ein ganz besonderes Ereignis. Dass muss man erlebt haben. Frisches Getreide hat einen ganz besonderen Geruch. Es braucht schon eine ganz besonders feine Nase und Erfahrung, um Unterschiede zu erkennen und das macht Freude.Tips:In Ihrem Buch „Brot von daheim“ brechen Sie eine Lanze für alte Getreidesorten. Welche liegt Ihnen besonders am Herzen?Rosenfellner: Im Buch beschreibe ich viele regionale Getreidesorten. Es ist nicht eine einzelne Getreideart, die mir am Herzen liegt, ich finde es großartig, wie unterschiedlich die Getreidearten schmecken und unsere Gesundheit in dieser vielfältigen Form unterstützen.
Tips:Wie steht es niederösterreichweit um den Nachwuchs der Müllerzunft?Rosenfellner: Da kann ich sagen „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Es ist wichtig, laufend Lehrlinge auszubilden, vor allem das Wissen weiterzugeben wie Getreide am besten zu Verarbeiten ist, damit gutes Brot, Gebäck, und die vielen Back- und Kocharten hergestellt werden können.
Tips:Bilden Sie Lehrlinge aus?Rosenfellner: Ja, wir bilden Lehrlinge aus und auch jetzt können sich Interessierte dafür bei uns melden. Der Beruf ist mittlerweile für Mädchen und Burschen geeignet.
Tips:Welche Frage wird Ihnen bei Mühlenführungen am öftesten gestellt?Rosenfellner: Oft sind es Fragen zu Getreide und Getreidearten. Z.B. Was ist Grünkern? Wo kommt das Getreide her?
Tips:Die Ukraine wurde als Kornkammer Europas bezeichnet. Wirkt sich der Ausfall der Getreideexporte aus der Ukraine auf die Mühlen Österreichs aus?Rosenfellner: Auf unsere Lebensmittelversorgung hat es keine Auswirkung. Österreich ist ebenso eine Kornkammer. Das hab sogar ich in der Schule gelernt. Die Frage ist, welche Qualität wofür angebaut wird. Zum Beispiel: Wird der Weizen für die Herstellung von Treibstoff, zum Verheizen oder für die Lebensmittelversorgung angebaut? Daraus stellt sich die Frage, wer entscheidet das? Es ist eine Mischung aus Landwirt seitens des Anbaus und – mehrheitlich- die Entscheidung der Konsumenten.
Tips:Sie betreiben ein eigenes Kraftwerk für die Rosenfellner Mühle und sind weitgehend energieunabhängig. Aber welchen Einfluss hat die Verteuerung der Energie auf die Mühlenprodukte allgemein?Rosenfellner: Ja, da sitzen wir alle im gleichen Boot. Die Energie hat nicht nur direkt eine Auswirkung auf die Mühlenprodukte, sondern auch auf das Getreide selbst. Das bedeutet, dass auch die Kosten für die gesamte Getreideproduktion steigt, die Kosten in der Mühle und die Kosten beim Backen. Aus diesem Grund gewinnt auch immer mehr die Regionalität an Bedeutung und kurze Wege sind auch nachhaltiger, das wiederum unserem Klima gut tut.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden