SPÖ Amstetten hat Petition für Mitarbeiter des Landesklinikums gestartet
AMSTETTEN. Laut SPÖ berichten Mitarbeiter von „unhaltbaren Zuständen im Landesklinikum Amstetten“. „Personalnot, Überlastungen und unzählige Überstunden“ seien nur einige der Probleme, die schon seit Jahren bestehen würden. Nun haben die Sozialdemokraten eine Petition gestartet. Auch ein Runder Tisch ist angedacht.

Die Amstettner SPÖ appelliert an den zuständigen VP-Landesrat Ludwig Schleritzko, „die Hilferufe aus der Belegschaft des Landesklinikums ernst zu nehmen“. „Es kann nicht sein, dass weiter weggeschaut wird, wenn die Mitarbeiter an ihre Belastungsgrenzen kommen und Teile von Stationen aufgrund des Personalmangels zeitweise gesperrt werden müssen. Die Verantwortlichen müssen die Hilfeschreie der Belegschaft hören und handeln. Schließlich sind es die hunderten engagierten Mitarbeiter im Landesklinikum, die den Betrieb am Laufen halten. (…)“, erklärt SP-Vizebürgermeister Gerhard Riegler.
SPÖ: „Rasches Handeln ist angesagt“
SP-Gesundheitsstadträtin Beate Hochstrasser betont, dass rasches Handeln angesagt sei, um die Situation für Mitarbeiter und Patienten zu verbessern: „Das Landesklinikum darf nicht zum Intensivpatienten werden. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass der Ärztemangel und der Pflegenotstand im öffentlichen Bereich bekämpft werden. Wie seit Jahren gefordert, muss endlich der längst überfällige regionale Strukturplan fertig gestellt und umgesetzt werden. Als Stadtpolitik werden wir deshalb auf den zuständigen Landesrat Schleritzko Druck machen und ihn auffordern, die nötigen Maßnahmen zu setzen.“
Hochstrasser: „Es muss auf mehreren Ebenen angesetzt werden“
Um die geschilderten Zustände schnellstmöglich zu überwinden, formuliert die Gesundheitsstadträtin konkrete Schritte. Hochstrasser: „Hier muss auf mehreren Ebenen angesetzt werden. Klar ist, dass es einen - wie schon früher und von unterschiedlichen Stellen geforderten - evidenzbasierten Pflegepersonalschlüssel braucht, der für einen ordentlichen Betrieb des Klinikums im Sinne der Mitarbeiter und Patienten notwendig ist. Außerdem muss der Pflegeberuf attraktiviert und deutlich besser entlohnt sowie ein Fokus auf die Pflegeausbildung gelegt werden. Um den Ärztemangel in den Krankenhäusern zu bekämpfen, muss die Politik dafür sorgen, dass der öffentliche Gesundheitssektor für Ärzte wieder erstrebenswert wird und nicht immer mehr Ärzte lediglich für Privatpatienten zur Verfügung stehen.“
SPÖ: „Stadt muss geschlossen hinter dem Klinikpersonal stehen“
Die Amstettner SPÖ hat eine „Unterschriftenaktion gegen den Gesundheitsnotstand“ gestartet und wird im Gemeinderat eine Resolution einbringen. Riegler: „In der Resolution werden wir als Stadtgemeinde Amstetten rasche Verbesserungen für die Mitarbeiter im Klinikum fordern. Die Stadt muss geschlossen hinter dem Klinikpersonal stehen. Deswegen erwarten wir, dass alle Fraktionen im Gemeinderat unsere Resolution unterstützen und sich Seite an Seite mit uns für die Beschäftigten einsetzen.“
Runder Tisch
Gesundheitsstadträtin Hochstrasser plant, die Geschäftsführung der Landesgesundheitsagentur, die Kollegiale Führung des Landesklinikums, die Betriebsräte sowie alle Fraktionen im Gemeinderat zum Runden Tisch einzuladen. „Ich will alle Beteiligten an einen Tisch bringen und gemeinsam über Lösungen für die unhaltbare Situation im Klinikum diskutieren. Schließlich sollte es im Interesse aller Beteiligten sein, die geschilderten Zustände so rasch wie möglich zu verbessern und eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Unsere gemeinsame Devise muss sein: Gemeinsam gegen den Gesundheitsnotstand“, erklärt die Stadträtin.
Statement der NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA)
Die NÖ Landesgesundheitsagentur ortet in dieser Angelegenheit „populistischen Alarmismus abseits jeglicher Fakten“. LGA-Sprecher Matthias Hofer: „In einer in vielerlei Hinsicht herausfordernden Zeit Öl ins Feuer zu gießen, um auf dem Rücken der Belegschaft kommunalpolitisches Kapital zu schlagen, ist sicher der falsche Weg. Auch das bewusste Übersehen einer Vielzahl von gesetzten Maßnahmen zeugt nicht von Interesse an Lösungen.“
17 Stellen aktuell unbesetzt
Aktuell seien im Landesklinikum Amstetten 17 Stellen bei Ärzten und beim Pflegepersonal unbesetzt. „Gemessen an den rund 1.200 Mitarbeitern des Klinikums entspricht das 1,4 Prozent“, so Hofer.
Dennoch würden im Rahmen einer Post-Covid-Analyse nun sämtliche Abteilungen und Stationen des Landesklinikums im Hinblick auf Überstunden und mögliche Überlastungen überprüft, „um einen klaren Blick auf die Ist-Situation zu haben“.
„Sehr viele Überstunden“
„Bedingt durch die Pandemie wurden gerade im Gesundheitsbereich sehr viele Überstunden aufgebaut. Auch mit Abklingen der Pandemie war es schwierig, Stunden abzubauen, da elektive Operationen nachgeholt werden mussten. Mittlerweile sind wir bei den Operationen wieder im ‚Normalbetrieb‘ angekommen. Aktuell werden viele Operationen so durchgeführt, dass sich die Aufenthaltsdauer der Patienten verkürzt, was jedoch zur Folge hat, dass sich der Arbeitsaufwand für unsere Mitarbeiter verdichtet. Seitens der LGA wird alles unternommen, damit unsere Mitarbeiter ihre Überstunden abbauen können oder diese ausbezahlt werden“, erklärt Hofer.
„Vielzahl an Maßnahmen“
Klar sei, dass es mitunter krankenstandsbedingte Engpässe geben könne. „Das ist in jedem anderen Beruf auch so. Allerdings trägt eine Vielzahl an Maßnahmen, wie etwa bezahlte Ruhe- und Mittagspausen sowie Umkleidezeiten, dazu bei, die Attraktivität des Landesklinikums als Arbeitgeber zu unterstreichen“, führt Hofer an und verweist darauf, dass Niederösterreichs Kliniken aktuell „einen historischen Höchststand beim Personal“ verzeichnen. Hofer: „Nie haben mehr Personen in den Spitälern des Landes gearbeitet, als zurzeit.“
Herausforderungen
Dennoch gelte es Herausforderungen zu meistern: Dem Trend der Zeit folgend steige auch unter den Beschäftigten der Kliniken und Pflegezentren der Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung: „Mehr als 53 Prozent der Ärzte, Pflegekräfte und anderer Berufsgruppen in der NÖ LGA arbeiten bereits Teilzeit. Insgesamt lässt sich sagen, dass die NÖ LGA nicht nur für das Gewinnen neuer Mitarbeiter arbeitet, sondern auch bemüht ist, bestehenden Kollegen das bestmögliche Job-Umfeld zu bieten“, so Hofer.
Das geschehe „in enger Abstimmung“ mit der Belegschaftsvertretung. Dazu zählen Hofer zufolge etwa Verbesserungen im Dienstrecht und bei Gehältern, bei Nachtdiensten und der Altersteilzeit.
Verbesserungen der Dienstplanstabilität & Co.
„Intensiv gearbeitet“ werde an Verbesserungen bei der Dienstplanstabilität und an Modellen für ein lebensphasenorientiertes Arbeiten. Darüber hinaus sei ein völlig neues System der Personalbedarfsberechnung im Entstehen.
Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder (Grüne): „Personalmangel im Landesklinikum Amstetten nur ein Beispiel von vielen“
Auch Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder (Grüne) äußerte sich zum Thema: „Leider ist der Personalmangel nicht nur im Krankenhaus Amstetten spürbar, sondern auch in anderen Kranken- und Pflegeeinrichtungen in Niederösterreich. Die Auswirkungen sind erheblich: Es kommt zu Bettensperren und somit zu einem schlechteren Angebot an ärztlicher Versorgung für die Patienten. Das vorhandene Personal muss ein wesentlich höheres Arbeitspensum bewältigen, was langfristig nicht zumutbar ist. Das Pflegepersonal hat seine Grenzen erreicht und die letzten Jahre waren äußerst herausfordernd.“
“Sehenden Auges in Krise geschlittert“
Was die Grünen in Niederösterreich besonders ärgere, sei die Verwunderung aller Seiten über die bestehenden Probleme. Hörlezeder: „Diese sind nicht plötzlich entstanden, sondern das Ergebnis einer fehlgeleiteten Politik von ÖVP und SPÖ, die abwechselnd das Gesundheitsministerium leiteten und in Niederösterreich regierten. Diejenigen, die sich jetzt als 'Aufdecker' darstellen oder sich hinter Durchhalteparolen verstecken, tragen die Verantwortung für das Desaster. Wie im Bildungsbereich ist auch im Pflegebereich seit Jahrzehnten bekannt, dass wir einen Arbeitskräftemangel haben werden, da viele geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen. Wir sind sehenden Auges in diese Krise geschlittert, ohne rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.“
“Zuwanderung von Fachkräften“
Es helfe nicht, die demografischen Gegebenheiten als Ausrede vorzuschieben. „Was das Gesundheitssystem dringend benötigt, ist eine rechtzeitige Entschärfung der Situation durch gezielte Zuwanderung von Fachkräften. Dafür ist eine positive Atmosphäre im Land notwendig, die ausländischen Fachkräften signalisiert, dass sie willkommen sind. Ich bezweifle jedoch, dass die derzeitige schwarz-blaue Landesregierung ihre Politik in dieser Hinsicht ändern wird. Es mangelt FPÖ und ÖVP an Weitsicht und Weltoffenheit“, schließt Hörlezeder.


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