Durstiger Dieb stahl Bier und Semmeln
ANTIESENHOFEN/ANDORF. Seine Rundfahrt als Zeitungsausträger in Antiesenhofen und Andorf verband ein 36-jähriger Mann aus dem Bezirk Ried zugleich mit einer Diebestour. Wo auch immer sich die Gelegenheit bot, die ja bekanntlich Diebe macht, stahl der Mann immer wieder aus Garagen oder Kühlschränken zwei bis drei Bierflaschen. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten kamen so einige Kisten Bier den Bestohlenen abhanden.

„Was haben Sie mit den Flaschen gemacht?“, will Richterin Claudia Lechner wissen. „Meistens habe ich sie gleich hintereinander getrunken oder als Vorrat mit nach Hause genommen“, erklärt der 36-Jährige, „das kam darauf an, wie viel Durst ich hatte.“ Neben Bier stahl der Mann auch Geld aus Sackerln, die die Hausbewohner für den Bäcker an die Haustür hängten. Er konnte so einmal zehn und einmal acht Euro „erbeuten“. „Was haben Sie mit dem Geld gemacht?“, fragt die Richterin. „Ich habe mir davon Bier gekauft“, erklärt der Mann. Aus einem Feuerwehrhaus stahl der 36-Jährige Limo- und Bierflaschen im Wert von 150 Euro. Dieser Schaden sei aber bereits zum Teil wieder gut gemacht, er habe zumindest das Leergebinde der Feuerwehr wieder zurückgegeben. „In einem Geschäft in Wels haben Sie auch Süßigkeiten und eine Wurstsemmel gestohlen“, wirft die Richterin dem Mann vor. „Stimmt nicht! Das war eine Schinkensemmel und keine Wurstsemmel, das habe ich der Polizei auch schon gesagt“, kontert dieser. Eine Gelegenheit bot sich dem 36-Jährigen auch während des Wahlkampfes im vergangenen September, wo Geschenkstaschen mit Semmeln, Joghurt oder Äpfeln an die Haushalte verteilt wurden. Bei seiner Runde sammelte der Mann die Sackerl, die meist an der Türschnalle hingen oder in Kisten vor Mehrparteienhäusern standen, wieder ein. 132 solcher Parteitaschen wurden beim Angeklagten zu Hause gefunden. Die Frage nach dem „Warum“ stellt sich auch hier. „Weil Lebensmittel heutzutage eh schon so teuer sind und ein kleiner Vorrat nie schadet“, erklärt der 36-Jährige. „Ja aber Semmeln werden hart und Äpfel doch auch mal schimmelig“, meint Staatsanwalt Alois Ebner. „Naja, wenn man sie gleich einfriert, nicht“, erklärt der Mann. Seiner Schwester und deren Lebensgefährten, die ebenfalls als vermeintliche Mittäter auf der Anklagebank sitzen, kann keine Mitschuld nachgewiesen werden. Sie werden freigesprochen. Der Mann, der nach eigenen Angaben ein Alkoholproblem hat und bereits seit mehreren Jahren immer wieder wegen seiner Diebestouren straffällig wurde, wird erneut zu vier Monaten unbedingter Haft verurteilt. Er werde nun einen Alkoholentzug versuchen, gibt der 36-Jährige an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.


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