Als die Amerikaner in Haslach einmarschierten: Josef Engleders Erinnerungen ans Kriegsende
AUBERG. In seinem Buch „Eine Zeitreise im Mühlviertel“, das im Herbst 2018 erschienen ist, gibt Josef Engleder einen umfassenden Einblick in die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Darin schreibt er auch über das Kriegsende vor 75 Jahren.

Es war Februar 1945: Die Amerikaner waren in Bayern auf dem Vormarsch, die Russen in Wien. „Unser Cousin, Hanner Hansl genannt, hatte die Nase schon voll von lauter Kriegsführung, und peinigte während eines Genesungsurlaubes Vater so lange, bis er einwilligte, die vermeintlich kurze Spanne bis zur Besiegung Großdeutschlands bei uns zu Hause zu verstecken“, erinnert sich der Buchautor aus Auberg. Allerdings war das Haus samt Hofsstatt überbesetzt und die Kämpfe zogen sich länger hin, als gedacht. „Erst Anfang Mai konnte Hansl wieder aus seinem Versteck am Heuboden raus.“
Fast kampflose Übergabe
Der Krieg ging mit dem Einmarsch der Amerikaner zu Ende. „Einen Tag vorher gingen wir auf den Leitnerhügel und beobachteten die amerikanische Artillerie, die bei Getzing stand und nach Neufelden schoss. Hansl war dabei, er verließ vorzeitig sein Versteck. Die Reaktion des Personals war vielfältig, als sie Hansl sahen. 'Wo kommt der her?' Da wurde mir die Gefährlichkeit und Besorgnis des Vaters erst so richtig bewusst“, schreibt Josef Engleder.
Mit einer letzten Kriegshandlung sprengte eine abziehende Einheit der Deutschen die Brücke über die Große Mühl. Darauf schossen die Amerikaner, die am Bründlberg standen, nach Haslach rein. „Leichte Beschädigungen an Häusern entstanden, aber es war schnell vorbei, da eine Delegation mit den Amerikanern die kampflose Übergabe vereinbarten. Vater hatte die weiße Fahne auf unserem Hausstock rausgesteckt, um einer Beschießung zu entgehen.“ Der Markt Haslach überstand ohne größere Verluste diesen langjährigen Krieg.
Eier für die Amerikaner
Der heute 91-Jährige beobachtete die amerikanische Vortruppe mit den vielen Panzern. „Auf der Magerlmühl-Brücke war eine Panzersperre errichtet, die wir Buben überkletterten. Da fuhr ein amerikanischer Jeep mit aufgebautem Maschinengewehr zur Brücke und richtete das Gewehr auf uns. Ich griff in die Hosentasche und hatte zum Glück ein weißes Taschentuch und winkte damit, das war meine schnellste und richtige Handlung. Als der Amerikaner sah, dass es junge Buben waren, war er war sehr freundlich und sprach nur 'Eier'. Wir gingen zur Toni Loisi die dort wohnte. Sie übergab uns einige, die wir dem Amerikaner überreichten. Er verstaute diese behutsam in seinem Gefährt, salutierte und fuhr wieder zu seiner Truppe.“
Die amerikanische Einheit zog dann weiter Richtung Freistadt, wo sie mit ihren Verbündeten, den Russen, zusammentrafen.
Heimkehrende Soldaten auf dem Saxenhof
In seinem Buch schreibt Josef Engleder auch, wie es sein Bruder Schorl, der nach einem Genesungsurlaub in Niederösterreich im Einsatz war, nach Kriegsende nach Hause schaffte. „Meist marschierte er bei Dunkelheit, um einer militärischen Kontrolle zu entgehen, Richtung Westen, der Heimat zu. In Einzelgehöften bat er um Essen und erkundete, ob er auch die kürzeste Route nach Hause nahm. So traf er ein paar Tage nach Kriegsschluss wohlbehalten zu Hause ein.“ Ein Heer von Soldaten strömte damals gegen Westen Richtung Deutschland. Brücken waren gesprengt, das Überqueren der Großen Mühl schwierig. Die Soldaten zogen über den Leitnerhügel nahe des Elternhauses von Josef Engleder vorbei und hinterließen eine breite Straße im Korn. „Es wurde schon finster und es herrschte leichter Nieselregen. Da wir das letzte größere Anwesen vor dem Steg waren, strömte alles in unseren Hof, um hier einigermaßen geschützt die Nacht zu verbringen. So viele Soldaten auf beschränktem Platz wird der Saxenhof wohl so schnell nicht wieder erleben.“ Hier fanden die Heimkehrer neben einem trockenen Unterschlupf auch Verpflegung mit Erdäpfel, Sauerkraut und Speck.


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