Zu sich selbst stehen, genießen lernen: Was hilft, Essstörungen zu vermeiden
BAD ISCHL. Essstörungen spielen vor allem bei Mädchen und Frauen eine immer größere Rolle. Vorbeugung ist in diesem Bereich besonders wichtig, betont die Klinische- und Gesundheitspsychologin Martina Schweiger von der Frauenberatungsstelle Inneres Salzkammergut.

Eltern können das Risiko eines Ausbruchs einer Essstörung verringern: „Lassen sie ihre Kinder in dem Gefühl aufwachsen, dass das Aussehen nur ein Aspekt unter vielen ist und hüten sie sich vor negativen Aussagen über das Aussehen ihrer Kinder“, rät Schweiger.
Kindern Mut machen, zu sich selbst zu stehen
Besonders wichtig ist die Stärkung des Selbstwertgefühls: Stärken aufzubauen, Fähigkeiten und Eigenschaften zu loben und dem Kind Mut zu machen zu sich selbst zu stehen. „Kinder dürfen ihren eigenen Weg finden und auch gehen – auch wenn er von den Vorstellungen der Eltern abweicht.“
Grenzen setzen
Auch das Sprechen über Gefühle, das Thematisieren von Konflikten und das Setzen von Grenzen sind wertvolles „Handwerkszeug“ zur Vorbeugung gegen Essstörungen.
Vorbildwirkung der Eltern
Wichtig als Vorbeugung ist beispielsweise auch, dass die Eltern ein gesundes Essverhalten vorleben. Das Einhalten von regelmäßigen Mahlzeiten und das Vermeiden von latenten Diäten können hierbei als wichtige Aspekte genannt werden. „Es ist überdies wissenschaftlich bewiesen, dass Diäten das Auftreten von Essstörungen begünstigen können – das andauernde gedankliche Beschäftigen mit Essen und Nicht-Essen kann hierbei ihren Anfang nehmen.“
Perfektion ist nicht gesund
Viele Menschen, deren Essverhalten gestört ist, legen eine hohe Leistungsorientierung an den Tag. Darum wäre es wichtig, dass Eltern das Augenmerk nicht zu sehr auf Leistung legen und, dem Kind, Jugendlichen zu vermitteln, dass Perfektionismus „nicht gesund“ ist. „Den Fokus auf die schönen Dinge des Lebens zu lenken, die einfach nur Spaß machen oder entspannen, dies gehört in den Alltag integriert –in der heutigen Leistungsgesellschaft wichtiger denn je“, so Schweiger. Ein weiterer zentraler Aspekt ist, dem Kind, dem Jugendlichen zu lernen das Essen, gemeinsame Mahlzeiten zu genießen.
Hilfe, wenn eine Essstörung ausgebrochen ist
Wenn Eltern jedoch den Verdacht haben, dass bei ihrem Kind eine Essstörung vorliegt, sollten sie dies offen und einfühlsam aussprechen und dabei eine klare Haltung an den Tag legen. „Zeigen Sie offen Ihre Sorge, sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der wertschätzende Umgang ist sehr wichtig. Haben Sie Geduld wenn der oder die Betroffene sich die Essstörung anfangs nicht eingesteht.“
Bestätigt sich der Verdacht, sollte Unterstützung angeboten werden. „Es ist von hoher Wichtigkeit die Essstörung nicht zu bagatellisieren.“ Mit professioneller Unterstützung ist eine Rückkehr zu einem normalen und genussvollem Essverhalten möglich, betont Schweiger.
Frauenberatungsstelle informiert und unterstützt
Diese Unterstützung findet man bei Klinischen- und Gesundheitspsychologen, Psychotherapeutinnen oder in Psychosomatischen Kliniken. Auch die Frauenberatungsstelle Inneres Salzkammergut steht Betroffenen und Angehörigen als Anlaufstelle zur Verfügung: Terminvereinbarung unter 06132/21331


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