Jakob Ruckendorfer: „Rolle der Medien im Dopingskandal hat mich erschreckt“
BAD LEONFELDEN: Biathlet Jakob Ruckendorfer gehört zu den erfolgreichsten Sportlern in Urfahr-Umgebung. Der Top-Athlet hält nichts von Doping und nimmt sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund.

Tips: Die Nordischen Ski Weltmeisterschaften in Seefeld standen im Schatten von Doping. Wie sehen Sie die Situation?
Ruckendorfer: Die WM hat meiner Meinung nach super begonnen, auch aus österreichischer Sicht. Die Zuschauerzahlen passten, das Wetter war wie aus dem Bilderbuch und auch die Medaillenbilanz war oder ist äußerst zufriedenstellend. Doch dann kam eben dieser eine Tag, der alles andere in den Schatten rückte. Traurigerweise dominierte von dem Tag an nur mehr das Thema Doping die Geschehnisse in Seefeld.
Tips: Treten dabei nicht die sportlichen Leistungen in den Hintergrund?
Ruckendorfer: Wie eben angesprochen, das Thema Doping stellte alles in den Hintergrund. Kaum einer schien sich mehr um die wahre Sache, den Sport, zu kümmern. Vor allem nicht die Medien, die sich wie wild auf diese Schlagzeilen stürzten. Auch nachdem weitere Medaillen für Österreich geholt wurden, hatte man immer die Dopingvorfälle im Hinterkopf, welche man auch in einigen Jahren mit der WM in Seefeld verbinden wird.
Tips: Warum ist es immer wieder der Langlauf/Biathlon, der von Doping betroffen ist?
Ruckendorfer: In Österreich hat es im Biathlonbereich zum Glück schon länger keinen Dopingfall mehr gegeben, wieso es den Langlauf immer wieder erwischt, kann ich leider nicht beurteilen. Aber immer nur auf die beiden Sportarten zu schauen und deren Dopingfälle hervorzuheben finde ich auch falsch, da es in genügend anderen Sportarten ebenso zu Verstößen kommt. Fakt ist jedoch, dass gerade der Biathlonsport in Europa einen extremen Zuwachs erlebt hat, populärer wurde, was auch mit den Fernsehübertragungen zusammenhängt. Außerdem ist die Dichte der Athleten, welche ein Rennen für sich entscheiden können, äußerst gestiegen, da können auch die Alpinen nicht mithalten. Leider sehen immer wieder Athleten keine andere Chance, als durch Doping ihre Leistungen zu verbessern.
Tips: Hat man als Spitzensportler zwangsläufig mit dem Thema zu tun?
Ruckendorfer: Das Thema Doping bekomme ich hauptsächlich durch die Anti-Dopingprävention mit. Vom ÖSV werden gewisse Online-Kurse, welche uns über Doping aufklären, gefordert, um in den ÖSV-Kader aufgenommen zu werden oder um bei Großveranstaltungen starten zu dürfen. Die ganzen Dopingfälle bekomme ich auch nur über die Medien mit.
Grundlegende Gedanken
Tips: Wurden Sie schon einmal kontaktiert, zu dopen?
Ruckendorfer: Nein, zum Glück noch nie. Aber ich kann es auch niemanden raten, mich deswegen zu kontaktieren. Da sollte er sich lieber bei der Polizei melden.
Tips: Was sollte mit Doping-Sündern geschehen?
Ruckendorfer: Ich finde, in Österreich wird gut gegen diese Personen vorgegangen. Dopingsünder haben im Spitzensport nichts verloren, gehören von der Sportwelt ausgeschlossen und dementsprechend bestraft.
Tips: Ist Spitzensport – auf dem heutigen Niveau – ohne Doping überhaupt möglich?
Ruckendorfer: Ich denke oder hoffe schon, ansonsten würde ich den Biathlonsport nicht mit diesem Zeitaufwand ausüben, um vielleicht auch einmal an die Spitze zu kommen. Natürlich beginnt man durch die Dopingfälle auch über die Sinnhaftigkeit des Sports nachzudenken. Sollte sich jedoch für mich herausstellen, dass der Weg an die Spitze ohne Doping nicht mehr möglich ist, so werde ich mich sicher nicht zum Dopen verleiten lassen und meine Karriere als aktiver Athlet beenden.
Tips: Wie sehen Sie die Rolle der Medien?
Ruckendorfer: Die Rolle der Medien im Dopingskandal hat mich eigentlich geschreckt. Biathlon und Langlauf kommen gerade in Oberösterreich nicht so oft und schon gar nicht in diesem Ausmaß in die Zeitungen. Auch wenn gute Erfolge auf internationaler Ebene eingefahren werden, ist der Erfolg einigen Medien nur ein paar Zeilen wert. Doch plötzlich eine riesen Story mit einem Dopingskandal. Dopingskandal am Titelblatt und dahinter eine seitenlange Geschichte, welche den eigentlich sonst so „uninteressanten“ Sport völlig schlecht macht und alle Langläufer, Betreuer und Funktionäre als Dopingsünder darstellt. Und das mit einer Geilheit und Freude, über die ich mich ehrlich gesagt wirklich geschreckt habe.


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