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BÄRNKOPF. Darf man vorstellen? Herbert Lackner, wohnhaft in Bärnkopf, vormals Lehrer in Wien, stets leidenschaftlicher Radsportler, mehrfacher Weltmeister, erfolgreiche Teilnahme beim Race Across America 2014, 75 Jahre. Noch nie von einem Athleten in diesem Alter gehört? Kein Wunder, denn die sportlichen Aktivitäten der Senioren werden hierzulande völlig außer Acht gelassen, kritisiert Lackner. Er setzt sich dafür ein, dem Seniorensport mehr Anerkennung zu verschaffen.

  1 / 4   Race Across America: 4800 Kilometer nonstop durch vier Zeitzonen und massive Temperaturen von über 40 Grad bis hin zu Eiseskälte.

„Ich habe sehr rasch festgestellt, dass sich um einen Sportler in meinem Alter – und da kann man noch so viel trainieren – kein Mensch kümmert, man hört in den Medien nichts davon, alles passiert unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit“, ärgert sich Herbert Lackner, der in der Pension nochmals zum Rad griff und durchstartete. Dieser Sport war schon seit jeher „seins“, mit 16 bekam er sein erstes Rennrad, danach war er zehn Jahre lang aktiver Radrennsportler. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte er aber die Ausbildung zum Lehrer, unterrichtete Sport und Geografie in Wien.

Beamter auf Abwegen

Ein Beamter mit Leib und Seele wurde er trotzdem nie, das umtriebige Herz schlug für den Sport und für viele neue Ideen. So rief er die Wiener Schulmeisterschaft im Orientierungslauf ins Leben, eröffnete das erste Fitnesscenter Österreichs, war als Skilehrer – im Zuge von Expeditionen – in den Staaten unterwegs, machte schließlich eine Langlaufschule in Bärnkopf auf und organisierte ein Zwölf-Stunden-Rennen, ein über Jahre renommiertes Event. Dazu kamen später noch eine eigene Gaststätte und ein Jugendgästehaus. Letztendlich hängte er seinen Lehrerberuf an den Nagel und zog ganz ins Waldviertel.

In der Pension geht“s los

„Das war immer mein Gedanke,  in der Pension, wenn ich dann Zeit habe zu trainieren, starte ich durch“, schmunzelt der 75-Jährige. Mit eigenen Ärzten, Trainern und einer Stange Geld gestaltete er das sehr professionell, bis er ernüchternd feststellt, dass es nahezu keinen interessiert, Seniorensport hat derzeit kaum Platz neben den dominierenden Stars der Sportszene. „Die gesamte Sportgesetzgebung – von den Verbänden bis hin zum olympischen Komitee – ist nur auf die Jungen ausgerichtet, das ist heute absolut nicht mehr zeitgemäß und diskriminierend“, ärgert sich Herbert Lackner. Das wäre vielleicht bei der Austragung der ersten olympischen Sommerspiele 1896 noch angemessen gewesen – da hätte man wohl niemanden in seinem Alter mehr auf ein Rennrad gesetzt, galt zu diesen Zeiten doch ein 70-Jähriger schon als alt und mehr dem Tode nahe.

Aber de facto steigt die Lebenserwartung, die ältere Generation wird fitter und leistungsfähiger. In absehbarer Zeit wird ein wesentlicher Teil der Bevölkerung, nämlich jeder dritte Österreicher, über 60 Jahre alt sein (2050) und knapp 45 Prozent über 50 Jahre (2030), so die Prognosen. „Laut Statuten der Bundessportorganisation gilt die Förderung des Leistungssports für 100 Prozent der Österreicher, dazu gehöre ich genauso!“ In der Praxis würde dies nicht umgesetzt und in der Öffentlichkeit bzw. Medienarbeit nicht zur Kenntnis genommen, „oder ist Ihnen etwa ein Seniorensportmagazin bekannt?“, fragt Lackner. Er erzählt von der Mountainbike-Orientierung-Weltmeisterschaft 2012 in Ungarn, wo neben den Elitefahrern auch die Junioren und die Masters, also die Senioren, teilnahmen. „Es gab eine tolle Eröffnungsfeier, einen Einzug der Junioren und der Elitesportler in ihren Dressen mit Fahnen und Trompeten und wir – die Masters – saßen auf den Plätzen und schauten dem Treiben zu, obwohl es eigentlich genauso auch unsere Eröffnung war“, meint der rüstige Senior. „Aber keinen von meinen Kollegen ist das bewusst geworden, keiner denkt daran, keiner kümmert sich darum und jeder akzeptiert das, das ist das Komische“, berichtet der Bärnkopfer, der diesbezüglich an ein Umdenken appelliert.

Präventiv aktiv zu sein

Das Projekt „Aufwertung des Seniorensports“ trägt erste Früchte, so setzte sich Lackner seit seinem sportlichen Neustart für die Einführung von dementsprechenden Altersklassen bei Radmarathons ein. Mit einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit wurde er von einigen Veranstaltern erhört, auch gründete er den Consul Cup, eigens für Senioren – und das Feedback war äußerst positiv. Jede Altersgruppe brauche ihre Vorbilder, so auch diese Generation. Dies soll kein 20- oder 30-Jähriger sein, sondern realistischerweise Sportler aus den eigenen Reihen. Zwar könne man nicht von jedem erwarten, dass er sich ein Rennrad zulegt oder am Race Across America teilnimmt, aber es solle ein Anreiz sein, um selbst (leistungssportlich) aktiv zu werden. Dies bringt in weiterer Folge viele positive Aspekte mit sich: Förderung der Gesundheit und damit auch Einsparung bei ärztlichen Behandlungskosten, ist Lackner überzeugt.

Große Ziele

Geht es nach dem Bärnkopfer, ist in sportlicher Hinsicht noch lange nicht Schluss. So steht eine Teilnahme am Race Across America 2018 im Raum und zuvor der Start beim Race Around Austria.“Ich hatte stets große Ziele vor Augen. Als ich angefangen habe, nahm ich mir vor, österreichischer Meister zu werden und bei der WM auf das Podest zu fahren, was damals noch in weiter Ferne war, ist beides geschafft“, schmunzelt der 75-Jährige, der die Goldmedaille im Kriterium bei der Seniorenolympiade in Turin als seinen wichtigsten Sieg erachtet.

Und auch eine sportliche Vision möchte er durchsetzen: den „Master of the Year“, gleichbedeutend mit Seniorensportler des Jahres. Neben der Wahl zum Sportler des Jahres in sämtlichen Kategorien ist dieser nämlich noch ausständig. Der erste Weg dazu ist bereits geebnet und wer weiß, vielleicht hört man ja bald von einem Master of the Year!


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