Die Rolle von Religion in einer modernen Gesellschaft
BRAUNAU. Die 26. Braunauer Zeitgeschichte-Tage beschäftigen sich heuer mit dem Thema „Religion und Moderne“. Neben Expertenvorträgen und einer Ausstellung beinhaltet das Programm die Verleihung des Egon Ranshofen-Wertheimer Preises.

Bereits zum 26. Mal finden die Braunauer Zeitgeschichte-Tage statt und beschäftigen sich von 22. bis 24. September mit der Rolle von Religion(en) in der gegenwärtigen modernen Gesellschaft. Das Prinzip der „Säkularität“, in welcher sich das heutige Selbstverständnis zumindest in „westlich“ orientierten Staaten ausdrückt, hat sich nach und nach im Zuge der Aufklärung des 18. Jahrhunderts entwickelt. Im säkulären Staatsgefüge gilt: Neutralität des Staates gegenüber allen Religionsgemeinschaften, gleicher Abstand zu allen religiösen Gruppierungen und Respektierung ihrer inneren Autonomie. Gleichzeitig bestimmen diese Regeln den Verzicht und das Verbot für religiöse Meinungsbildner auf direkte politische Einflussnahme.
Religionsfrage als politisches Instrument
Unter dem Eindruck der neuen multikulturellen Realitäten werden jedoch Grundsätze des „westlichen“ säkulären Staates, in dem Menschen inmitten konkurrierender Überzeugungen, Werte und Lebensstile leben, zunehmend in Frage gestellt und die Religionsfrage immer mehr politisch ins-trumentalisiert.
Dieses Spannungsfeld werden Referenten der diesjährigen Zeitgeschichte-Tage in ihren Vorträgen behandeln. Sie betrachten dabei dessen Entwicklung, den aktuellen Ist-Zustand und geben Ausblicksvarianten.
Preisverleihung
Im Rahmen der Tagung wird der Egon Ranshofen-Wertheimer Preis verliehen. Mit diesem würdigen die Stadt Braunau und der Verein für Zeitgeschichte seit 2007 Personen und Personengruppen für ihre Verdienste um das Ansehen der Republik Österreich im Ausland. Heuer geht der Preis an den ehemaligen Botschafter in Chile Paul Leifer.
PROGRAMM
Freitag, 22. September
> 19.30 Uhr Eröffnung
Eröffnungsvortrag: „Das Jahrhundert der Religionen“ von Heiner Boberski, Journalist und Autor
Samstag, 23. September
> 9 Uhr
Stadtrundgang
> 10.30 bis 11.30 Uhr
„Das Verhältnis von Religion und Politik in Österreich und Europa. Die Idee des säkulären Staates“ von Hans Köchler, Universität Innsbruck/Wien
> 11.30 bis 12.30 Uhr
„Formen des religiösen Nationalsozialismus“ von Klaus Vondung, Universität Siegen
> 14 bis 15 Uhr
„Ideologisierung des Islam und politisches Sektierertum“ von Moussa Al-Hassan, Pädag. Hochschule Linz
> 15 bis 16 Uhr
„Christlicher Fundamentalismus“ von Hansjörg Hemminger, ehem. Beauftragter für Weltanschauungsfragen der ev. Landeskirche Württemberg
> 16.30 bis 17.30 Uhr
„Kolonialismus und Religion“ von Frieder Ludwig, Fachschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg
> 19.30 Uhr
Verleihung des Egon Ranshofen-Wertheimer Preises an Botschafter Paul Leifer
Sonntag, 24. September
> 10 bis 11 Uhr
„Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ von Edith Riether, Präsidentin der Initiative Weltethos Österreich
> 11.15 bis 12.15 Uhr
„Religion in postsäkularer Gesellschaft“ von Franz Gmainer-Pranzl, Universität Salzburg
Ausstellung
Parallel zur Tagung ist eine Ausstellung in der Gugg-Galerie gestaltet. Die Ausstellung illustriert die interkulturellen und interreligiösen Ansätze der „Stiftung Weltethos“.
Gugg Kulturhaus, Braunau
Eintritt frei


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