Der Pflegenotstand macht sich im Bezirk immer deutlicher bemerkbar
BEZIRK BRAUNAU. Der Sozialhilfeverband des Bezirks Braunau zog bei einer Pressekonferenz Bilanz über das Jahr 2018. Der Mangel an Pflegekräften ist weiter ein großes Problem und wird sich in den nächsten Jahren nochmals verschärfen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Bezirksseniorenheim Braunau zog der Braunauer Sozialhilfeverband (SHV) Bilanz über das vergangene Jahr. Das Budget lag 2018 bei 77 Millionen Euro. Der dickste Anteil und gleichzeitig das größte Problemfeld, das wurde mehr als deutlich, ist weiterhin der Bereich Pflege. Die Personalnot ist groß, sowohl in den stationären Einrichtungen als auch im mobilen Bereich. Neben einer Stärkung des generellen Berufsimages will man mit einer Karikaturen-Kampagne zweier bekannter FAZ-Karikaturisten für den Pflegebereich werben. Ein weiterer Schritt ist das Projekt junge Pflege. Hier startet in Ried im Herbst ein erster Lehrgang, bei dem man bereits mit 16 Jahren in den Pflegebereich starten kann. Im Anschluss sollen Schärding und Braunau folgen.
Situtation wird sich weiter verschärfen
Die Situation wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des demographischen Wandels und vieler Pensionierungen von Pflegekräften noch weiter verschärfen. Liegt der Anteil der Braunauer, die über 80 Jahre alt sind, aktuell bei 5,5 Prozent, wird er im Jahr 2030 bereits bei 7,5 Prozent liegen.
Lange Wartelisten
In den fünf Seniorenzentren im Bezirk Braunau gibt es insgesamt 562 Betten. Etwa 80 davon sind derzeit nicht belegt. Rund 70 Personen stehen auf der Warteliste, können aber, aufgrund des enormen Mangels an Pflegepersonal, gar nicht erst aufgenommen werden. Eine Nachbelegung ist momentan nur in Braunau und Altheim möglich, in Ostermiething, Mattighofen und Eggelsberg dagegen nicht. Eine Rolle spielt hier für die Mitglieder des SHV auch der Pflegeregress, der eine Aufnahme generell schwieriger gemacht hat. SHV-Geschäftsführerin Karin Altmüller sieht daher ein weiteres Problem: „In Gesprächen mit dem AMS argumentieren wir teilweise schon damit, dass wir die Arbeitslosigkeit fördern, weil Menschen für die Pflege von Angehörigen teilweise sogar die eigene Arbeit aufgeben müssen.“ Aus diesem Grund arbeitet der SHV sehr eng mit dem AMS zusammen, um mehr Leute für einen Beruf in der Pflege zu gewinnen.
Mitarbeiter in der Pflege aus über zehn Nationen
Viele der 491 Mitarbeiter in den Bezirksseniorenzentren haben einen Migrationshintergrund. Aus über zehn Nationen stammen die Angestellten, die ihren Beruf mit Herzblut ausüben. Neben Initiativen wie der jungen Pflege will man auch durch Aktionen an Schulen, wie den landwirtschaftlichen Einrichtungen, Nachwuchs für die Pflege gewinnen. Ein weiterer wichtiger Schritt wäre für den SHV, dass Pflegeassistenten künftig auch in Heimen eingesetzt werden können. Um die Zahl der derzeit 860 Kräfte, die aktuell insgesamt im Bereich der Pflege tätig sind, zu steigern, brachte Ferdinand Tiefnig den Vorschlag, zudem Personen mit ins Boot zu holen, deren Tätigkeit aufgrund von Automatisierungsprozessen, wie an Registrierkassen, künftig wegfallen könnte.
Auch Mobile Dienste ausgelastet
Auch die Mobilen Dienste sind häufig ausgelastet. 1.450 Menschen wurden hier im Bezirk im vergangenen Jahr versorgt. Für den SHV-Obmann und Bezirkshauptmann Georg Wojak gilt auch weiterhin der Grundsatz: „Mobil vor stationär“, um den Betroffenen ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Wie Karin Altmüller berichtete, werden auch die Tagesbetreuung und Kurzzeitpflege sehr gut angenommen. Hier wird von Seiten des SHV versucht, die Menschen vollständig in den Alltag in den Pflegeheimen zu integrieren und dadurch vor allem auch die pflegenden Angehörigen kurzzeitig zu entlasten.


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