Corona-Hotspot: Bezirkshauptmann warnt vor weiteren drastischen Maßnahmen

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Alexander Kobler Alexander Kobler, Tips Redaktion, 08.03.2021 10:35 Uhr

BEZIRK BRAUNAU. Der Bezirk ist seit Wochen trauriger Spitzenreiter bei den Corona-Zahlen in Oberösterreich. Derzeit liegt die 7-Tages-Inzidenz bei 311,7. Ab einem Wert von 400 drohen von der Regierung weitere drastische Maßnahmen. Bezirkshauptmann Gerald Kronberger appelliert an die Bevölkerung.

„Ich will keine Panik machen, aber man muss die Lage sehr ernst nehmen“, meint Braunaus Bezirkshauptmann Gerald Kronberger angesichts der hohen Corona-Zahlen im Bezirk. Am Montagvormittag, 8. März, lag die 7-Tages-Inzidenz bei 311,7 und die Zahl der aktuellen Corona-Fälle bei 382, beides mit Abstand traurige Höchstwerte in Oberösterreich, aber auch auf Bundesebene liegt der Bezirk derzeit schon auf Rang fünf, was den Inzidenzwert angeht.

Derzeit nur wenige Corona-Patienten im Braunauer Spital

Glücklicherweise spiegeln sich die hohen Zahlen zumindest derzeit noch nicht in einer erhöhten Auslastung im Braunauer Krankenhaus wider. Mit Redaktionsschluss wurden acht Personen auf der Normalstation behandelt, jedoch niemand auf der Intensivstation. „Die Zahl der Corona-Patienten war zuletzt auf einem relativ niedrigem Niveau, das kann sich aber natürlich auch schnell wieder ändern“, so Krankenhaus-Sprecher Christian Huber auf Tips-Anfrage.

Weitere Maßnahmen wie Ausreisetests drohen

Sollten die Inzidenzzahlen weiter so stark ansteigen wie zuletzt, drohen ab einem Wert von 400 auch für den Bezirk weitgehende einschränkende Maßnahmen, wie sie schon in Hermagor, dem Salzburger Pongau und Wiener Neustadt veranlasst wurden. „Um eben solche Maßnahmen, wie etwa die Ausreiche nur mit negativem, maximal 48 Stunden alten, Testergebnis für den Bezirk zu verhindern, ersuche ich die gesamte Bevölkerung um ihre Mithilfe und Unterstützung“, erklärt Bezirkshauptmann Kronberger. Er fürchtet zudem, dass der Bezirk aufgrund der aktuellen Lage bei weiteren geplanten Öffnungsschritten im Handel und im Gastgewerbe sonst nicht mit dabei sein wird. „Derzeit haben wir in 44 von 46 Gemeinden steigende Infektionszahlen, davon bereits in 21 Gemeinden zweistellige Werte, die Tendenz ist täglich steigend“, meint Kronberger. Einen größeren Cluster gibt es beispielsweise in Mattighofen, wo es eine Fallhäufung in einem Betrieb gab, der über 70 Infektionen verursacht hat.

Außerdem gibt es auch sehr viele Infektionsfälle in Großfamilien und Nachbarschaften in mehreren Landgemeinden. Die Streuung über die gesamt Region ist breitflächig. Laut Kronberger gebe es auch vermehrte Fälle in Schulen und Kindergärten sowie verstärkte Mutationsverdachtsfälle, die sich aber zumeist nicht bestätigt hätten. 

Viele Tests als Grund für hohe Zahlen zu wenig

„Wir testen zwar auch sehr viel an unseren Teststraßen, das ist aber als Begründung für die hohen Infektionszahlen zu wenig“, gibt der Bezirkshauptmann zu bedenken. Im Krisenstab arbeite man derzeit unter der Marschroute „Monitoren-Informieren-Testen-Nachverfolgen-Isolieren“ mit Hochdruck daran, die Infektionszahlen einzudämmen. Auch das Kontaktpersonen-Tracing seit nochmals ausgeweitet worden. Auch Betriebe mit Fallhäufungen werden hinsichtlich ihrer Hygienekonzepte geprüft. 

„Trotz aller Widrigkeiten und Herausforderungen haben wir das Infektionsgeschehen im Bezirk im Griff und die Absonderungsbescheide werden tagesaktuell versendet, um die Infektionsherde schnell einzugrenzen. Wir arbeiten seit mittlerweile einem Jahr im Krisenstab der BH Braunau sieben Tage die Woche von früh bis spät abends an der Kontaktpersonennachverfolgung, an der Abarbeitung von mehreren tausenden Absonderungsbescheiden und Entschädigungsanträgen, an den vielzähligen Grenzübertrittsauskünften , an dem Ausbau der Teststraßenangebote im Bezirk (vier fixe und sechs mobile Großteststandorte) und zeitgleich an den Auf- und Ausbau der Impfstraße in der Bezirkssporthalle Braunau für die Imfpung der über 80-Jährigen im Bezirk als ersten Schritt“ beschreibt Kronberger die umfangreiche Arbeit.

Verständnis für aufkeimenden Unmut durch lange Zeit der Pandemie

 „Ich persönlich kann daher auch den aufkeimenden Unmut über die lange Dauer der Corona-Pandemie verstehen, wir alle sind an der Grenze der Belastbarkeit und arbeiten seit einem Jahr auf Anschlag. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bei meinem gesamten Team der BH Braunau für den unermüdlichen Einsatz sehr herzlich bedanken. Aber auch bei allen jenen Bürgern im Bezirk möchte ich mich bedanken, die sich seit Monaten an die Maßnahmen halten und gemeinsam mithelfen, die Pandemie zu bekämpfen“, führt der Bezirkshauptmann in einer Stellungnahme weiter aus.

Demonstranten müssen sich an Gesetze halten

Kein Verständnis habe er jedoch für jene wöchentlichen Corona-Demonstranten, die vereinzelt auch nach mehrfacher Ermahnung durch die Polizei, keine Maske aufsetzen wollen und somit vorsätzlich die Gesundheit anderer Personen gefährden würden. „Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Rechtsgut beziehungsweise ein Grundrecht, das jeden Bürger auch in Pandemiezeiten zusteht. Aber auch Demonstrationsteilnehmer haben sich an Gesetze zu halten, daher werden Verstöße umgehend geahndet und ausnahmslos zur Anzeige gebracht.“

Auch für Zusammenkünfte und Feierlichkeiten in Stadl`n, Garagen oder Gartenhütten habe er in dieser kritischen Phase keinerlei Verständnis. In Gemeinden mit erhöhten Fallzahlen werde die Polizei dementsprechend ihre Kontrolltätigkeit verstärken.

Hoffnung durch Impfung

Hoffnung mache Kronberger derzeit vor allem das Voranschreiten der Impfungen im Bezirk. Er schwört die Bevölkerung nochmals darauf ein, gemeinsam die hohen Infektionszahlen wieder in den Griff zu bekommen. „Ich ersuche Sie: Halten wir jetzt in dieser kritischen Phase noch durch und helfen Sie bitte mit, die Infektionszahlen im Bezirk einzudämmen.“

Im Krankenhaus Braunau geht derweil auch die Impfkampagne voran. 900 von insgesamt knapp 1.000 Mitarbeitern wurden bereits geimpft. „Es gab bisher keine dramatischen Impfredaktionen, nur normale Nebenwirkungen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Müdigkeit“, berichtet Krankenhaus-Sprecher Christian Huber.

 

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Kommentare

  1. Achim
    Achim09.03.2021 16:14 Uhr

    Wo sind die kostenlosen Tests? - Es wird viel geredet, aber wenig unternommen! Kostenlose Test in der Apotheke ich lache mich tot, denn wenn man ihn geht haben sie keine da und wo sind eure Impfungen? Es wird schon so lange von den Impfung gequatscht aber die Impfzahlen sind einfach nur lächerlich.wenn das so weitergeht dann stirbt die Bevölkerung eher an Altersschwäche als dass sie durchgeimpft ist. Zu den Reisen muss ich sagen wer reisen will der soll fahren aber nimmer wiederkommen! Wer so wenig Verstand hat soll bleiben wo der Pfeffer wächst. Die Demos ohne Masken ist eine vorsätzliche Körperverletzung und sollte dementsprechend geahndet werden und nicht nur vom weiten zugeschaut. Man hat echt schon die Schnauze voll wir sind geduldig, die Leute die auch Verständnis für die Situation haben, auch die gehörten mal gelobt und nicht nur BH und Co! Ich selbst habe in sechs Monaten fünf Familienmitglieder verloren dabei meine Mutter und ich konnte nicht zu einer Beerdigung weil sie alle in Deutschland waren und dann muss man hier noch von Grenzverkehr hören und von Urlaubern und so weiter da platzt dann bald Kragen

  2. Franz
    Franz08.03.2021 19:33 Uhr

    Fälle im Amt - War es nicht auch do dass in der BH selbst im Frühjshr einen veritablen Cluster gab? Vielleicht sollte der Herr Bezirkshsuptmnn zuallererst vor seiner eigenen Haustür kehren?

  3. CoronaSchwurbler
    CoronaSchwurbler08.03.2021 15:50 Uhr

    Gibt eigentlich auch richtige Drohungen? - Da wird im Text groß von weiteren Einschränkungen geschrieben die es ab einer Inzidenz von 400 geben soll und davon, dass die Menschen doch bitte die Maßnahmen mittragen mögen wenn sie keine Konsequenzen erleben wollen. Und was ist dann das Beispiel? Ausreisetests aus dem Bezirk.. Es hat verdammt noch mal keiner zu reisen, der Bezirk ist groß genug damit dumme **** das Virus auch so verbreiten können. Da geht man ma Wochenende auf so eine Spreaderdemo, lässt laut seine Schlager*** laufen, sauft sich nieder und belästigt die Bürger die die nach einem Jahr fucking Pandemie die Schnauze voll davon haben eingesperrt zu sein, während irgendwelche Egoisten denken, sie müssen das Damonstrationsrecht dafür missbrauchen sich über die Regeln zu stellen. Die Maßnahmen sind ein Witz. Die Drohungen für hohe Inzidenzzahlen sind eine Frechheit. Und die Demos sind quasi eine Pandemiefreie Halligallizone. Am liebsten würd ich an dem Virus einfach verrecken, aber ich krieg ihn ja nicht wenn ich meine Wohnung nicht verlasse, so wie ES JEDER TUN SOLLTE.

    • Sabrina11.03.2021 10:49 Uhr

      Schulen in Salzburg - Ich habe mich an alle Vorgaben des letzten Jahres gehalten und nun werde ich bei der Grenze 400 immer einen Test machen müssen um überhaupt in die Schule zu können (Salzburg), wo ich dort auch einen machen muss?? Muss ich das verstehen?

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