Zeitgeschichte-Tage geben Einblick in den Nachlass der Familie Wertheimer

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Theresa Senzenberger Tips Redaktion Theresa Senzenberger, 23.09.2022 19:04 Uhr

BRAUNAU. Bei den diesjährigen Braunauer Zeitgeschichte-Tagen am Wochenende von 30. September bis 1. Oktober können die Besucher mehr über den Nachlass der Familie Wertheimer erfahren. Dieses Jahr finden die Tage in einem neuen Format an unterschiedlichen Orten statt.

Seit einer Schenkung an den Verein für Zeitgeschichte befindet sich der Nachlass der Familie Wertheimer wieder in Braunau. Die Organisatoren der Zeitgeschichte-Tage stellen die besondere Hinterlassenschaft, die mit der Geschichte Braunaus eng verbunden ist, heuer in den Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe.

Der Journalist, Staatswissenschafter und Diplomat Egon Wertheimer stammt aus Ranshofen. Er wurde 1894 im Schloss geboren und ergänzte seinen Namen sogar während des Exils in den USA – in Erinnerung an seine Heimatgemeinde – zu Ranshofen-Wertheimer. Luciana, sein einziges Kind, erbte seine Dokumente und Gegenstände. Ihr war es ein besonderes Anliegen, diesen Nachlass nach Ranshofen zurückzugeben. Ihre Erben, ihre Nichte und ihr Neffe, wollten diesen Wunsch erfüllen. Das gestaltete sich allerdings als nicht einfach. Erst nach einem langwierigen Prozess konnte der Verein für Zeitgeschichte mit Unterstützung des Außenministeriums 2019 den Nachlass als Geschenk übernehmen.

Möbel, Bilder und persönliche Dokumente

Der Nachlass besteht zum einen aus Bildern, Möbeln, Tafelsilber und Geschirr aus dem ehemaligen Wertheimer’schen Besitz in Ranshofen. Aber auch persönliche Dokumente, Fotos, Bücher und andere Objekte sind Teil der Schenkung.

Bei den Zeitgeschichte-Tagen wird dieser Nachlass im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Diese wird am Freitag, 30. September, um 19 Uhr im Bezirksmuseum Herzogsburg eröffnet. Florian Kotanko, der Obmann des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, führt hier in die Werke ein. Nach dem Ende der Ausstellung übernimmt die Stadt Braunau die Objekte als Dauerleihgabe in ihre Obhut.

Im Zuge der Ausstellung beschäftigten sich die bildenden Künstlerinnen Katharina Mayrhofer und Helen E. Davy, eine Nachfahrin der Wertheimer, mit dem Thema: Wie kann vergangenes Unrecht sichtbar gemacht werden? Anhand eines zufällig gefundenen Tisches zeigen die beiden die sinngebende und vermittelnde Funktion von Restitution. Einst gehörte der Tisch zum Besitz der Familie Wertheimer und stammt vom Gut Ranshofen. Mayrhofers Vorfahren entwendeten das Möbelstück während der Zeit des Nationalsozialismus. Nun machten sich die Künstlerinnen zu einer gemeinsamen Identitätsrekonstruktion auf und wollen so dabei helfen, das Unrechtsbewusstsein für geraubte Gegenstände zu entwickeln. Nach der Ausstellung wird der Tisch Diana Jellinek, einer direkten Nachfahrin der Familie Wertheimer, stellvertretend für alle Familienmitglieder anvertraut.

Vortragsreihe zur Familie

Zusätzlich zu der Ausstellung lädt der Verein für Zeitgeschichte am Samstag, 1. Oktober, zu drei Vorträgen ein. Diese werden im Festsaal beziehungsweise Vortragssaal des Schlosses Ranshofen abgehalten und ergänzen thematisch die Ausstellung.

Nikolaus Schaffer reist dazu aus Salzburg an und erzählt von 9.30 bis 10.30 Uhr über die Salzburger Familie Junger im kulturgeschichtlichen Kontext von Salzburg um 1910. Josefine Junger war die Mutter von Mathilde, der ersten Ehefrau von Egon Ranshofen-Wertheimer. In Salzburg war die gesellige Frau beispielsweise eng mit Stefan Zweigs Ehefrau Friderike befreundet.

Von 11 bis 12 Uhr gibt Eva-Maria Muschik einen Einblick in den Übergang von der Welt der Kolonien hin zu einer Welt der Nationalstaaten. Die Assistenzprofessorin für Entwicklungsforschung an der Uni Wien beleuchtet dabei am Beispiel von Somalia die Rolle der Vereinten Nationen im Prozess der Dekolonisation.

Wer mehr Biographisches zu den Nachkommen der Familien Wertheimer und Junger erfahren möchte, sollte ab 14 Uhr in den Vortragssaal kommen. Florian Kotanko hält dazu bis 15 Uhr einen Vortrag. Als Gäste werden auch einige Nachkommen der weitverzweigten Familie anwesend sein, darunter die Nachlassgeberin Judith Holzner aus New York.

Führung durch das AMAG-Fabriksgelände

Das Fabriksgelände des Ranshofner Aluminiumkonzerns AMAG befand sich ehemals im Besitz der Familie Wertheimer. Daher bietet die AMAG zum Abschluss der Zeitgeschichte-Tage ab 15.30 Uhr eine Werksbesichtigung an. Die Teilnehmerzahl ist auf 120 Personen beschränkt. Daher wird um eine Anmeldung unter www.zeitgeschichte-braunau.at gebeten. Es gibt die Möglichkeit, einen Transfer vom Schloss Ranshofen zur AMAG und wieder zurück zu nutzen. Nach der Rückkehr werden gemeinsam das Schloss, die Kirche und der Friedhof in Ranshofen besichtigt.

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