Esterbauer: „Multiple Sklerose bedeutet nicht gleich Rollstuhl“

Baumann Michelle Tips Redaktion Baumann Michelle, 03.04.2023 15:47 Uhr

GERETSBERG. Bianca Esterbauer lief trotz der Krankheit Multiple Sklerose (MS) den Frankfurter Halbmarathon. Sie spricht mit Tips über ihre Erkrankung, Fehlschläge und Erfolge.

Tips: Was war das für ein Gefühl, als du durch die Ziellinie deines ersten Halbmarathons gelaufen bist?

Bianca Esterbauer: Unbeschreiblich. Das Training von meinem Lauftrainer Sepp Hartl war sehr intensiv und hart. Aber es hat sich gelohnt, der Zieleinlauf war ein unbeschreibliches Gefühl, obwohl ich mittendrunter die Gedanken hatte aufzuhören, bin ich weitergelaufen. Ich habe 21,1 Kilometer in 2 Stunden und 46 Sekunden geschafft.

Tips: Welche ersten Erfolge konntest du noch feiern?

Bianca: Ich habe noch nie einen Lauf oder einen Pokal gewonnen. Für viele ist das dann kein Erfolg. Aber ich sehe mich bei jedem Lauf als Siegerin, denn vor drei Jahren konnte ich aufgrund der MS nicht mal mehr gehen. Für mich ist es ein Erfolgserlebnis, überhaupt mitlaufen zu können.

Tips: Was ist MS?

Bianca: Multiple Sklerose (kurz MS) ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. MS verläuft meist in Schüben und kann unterschiedliche Verlaufsformen haben. Vorübergehende Empfindungsstörungen, Sehstörungen und Muskellähmungen sind die häufigsten Frühzeichen.

Tips: Wie hast du bemerkt, dass du MS hast?

Bianca: Ich hatte zwei Tage vor meiner Diagnose ein Taubheitsgefühl, zuerst in den Beinen, da dachte ich noch, ich habe mir beim Laufen einen Nerv eingezwickt. Als das Taubheitsgefühl dann in den Oberkörper wanderte, wusste ich da stimmt was nicht. Ich ging zum Neurologen und ins Krankenhaus, da bekam ich dann am 2. Oktober 2019 mit 28 Jahren die Diagnose MS.

Tips: Warst du vor der Diagnose schon aktive Läuferin?

Bianca: Ja, ich habe Mitte 2018 mit dem Laufen begonnen. Als Ausgleich zum Alltag und nach den Kindern, damit die Kilos wieder purzeln. Mit meiner Schwägerin nahm ich im Oktober 2018 beim „St. Wolfgangseelauf“ teil. Wir haben 5,2 Kilometer geschafft. Das war für uns damals schon ein großer Erfolg. Also haben wir bei weiteren Bewerben mitgemacht. Eine Woche vor meiner Diagnose nahm ich das letzte Mal als gesunder Mensch am „Schlösserlauf“ in Frauenstein teil. Das war dann auch der letzte Lauf für eine lange Zeit.

Tips: Wie hast du es geschafft von „nicht mehr gehen können“ zu einer Halbmarathonläuferin?

Bianca: Neun Monate dauerte es, bis ich den Alltag wieder so meistern konnte wie davor. Mein Gleichgewicht und meine Tiefensensibilität waren weg. Das Lauftraining war somit vergessen, ich musste erst schauen, wie ich mich um mich und um meine zwei kleinen Kinder wieder kümmern kann, und das war wichtiger. Ich habe alles gemacht, was angeboten wurde, Therapien, Ergo, Physio und vier Wochen war ich auf Reha. Nach meinem ersten Schub dachte ich, ich habe das alles ganz gut verarbeitet. Aber als ich bei meinem zweiten Schub beim rechten Auge die Sehleistung fast zur Gänze verloren habe, holte es mich ein. Ich hatte so Angst, dass das beim zweiten Auge auch passiert, also habe ich eine Psychotherapie begonnen, um das alles aufzuarbeiten. Bis ich wieder ans Laufen denken konnte, verging also eine ganze Weile, losgelassen hat es mich aber nie. Dann an meinem Geburtstag, am 4. April 2022, bin ich ganz spontan mit meinem Mann laufen gegangen. Da hat mich mein Ehrgeiz wieder gepackt und ich habe Sepp Hartl, der Lauftrainer ist, angerufen und habe mit seiner Unterstützung wieder angefangen zu trainieren.

Tips: Was war deine Motivation? Hattest du Unterstützung?

Bianca: Meine größte Motivation waren meine Kinder. Man muss wieder funktionieren, und man will auch. Meine Motivation war auch die MS selbst. Ich wollte nicht das die Krankheit mein Leben bestimmt. Ich habe ein Jahr gebraucht, die MS nicht mehr als Feind zu sehen, sondern als einen Teil von mir. Sie sorgt dafür, dass ich besser auf meinen Körper höre, der mir Grenzen setzt. Ich hatte die beste Unterstützung der Familie und meines Ehemannes Reini, die mir geholfen haben, meinen Alltag zu bewältigen. Und auch der Verein MS-moves.

Tips: Was ist MS-moves?

Bianca: Das ist ein Verein für MS Betroffene, wir wollen damit auf die Krankheit aufmerksam machen und Betroffenen zeigen, dass MS nicht gleich Rollstuhl oder Behinderung bedeutet und ihnen Mut machen, dass es sich lohnt weiter zu machen. Wir glauben, man hat das selbst in der Hand, mit Ernährung, Bewegung und Stressreduktion. Man kann ein Leben mit MS sehr wohl selbst bestimmend und positiv leben.

Tips: Hattest du ein schlimmes Erlebnis als MS-Betroffene in der Öffentlichkeit?

Bianca: Ja, ich wartete im Krankhaus, mein Name wurde aufgerufen und ich machte mich langsam auf dem Weg, ich konnte ja auch nicht schneller. Da rief eine Ärztin: „Wo bleibt denn endlich die Frau Esterbauer? Geht das nicht schneller?“. Ich hätte mir mehr Verständnis gewünscht, schließlich kann man das Handicap MS nicht sehen, so wie einen gebrochenen Fuß.

Tips: Hast du ein nächstes Ziel?

Bianca: Einen Halbmarathon unter zwei Stunden zu schaffen, wäre schon noch toll. Auch einen Marathon zu laufen, wäre ein großes Ziel, aber da warte ich noch, bis die Kinder größer sind, denn das Training ist ziemlich zeitintensiv.

Tips: Was möchtest du den Lesern oder anderen MS Betroffenen noch mitteilen?

Bianca: Nicht aufgeben, es zahlt sich immer wieder aus aufzustehen. Mutig sein und weitermachen. Von der Krankheit nicht dominieren lassen und nicht dagegen ankämpfen. Ich lebe damit sehr gut, der MS den Platz zu geben den sie braucht. MS steht für mich für Mutig und Stark. Die MS hat mir auch viel Positives gebracht, zum Beispiel sehe ich viele Sachen nun entspannter. Ich höre mehr auf mich und meinen Körper. Wochen vor der Diagnose hatte ich schon so ein komisches Gefühl, dass irgendetwas nicht passt und ich habe es gekonnt ignoriert. Das habe ich nun gelernt.

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