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Herzgruppe Braunau: „Gesundheitsversorgung im Akutfall muss selbstverständlich sein“

Theresa Senzenberger, 18.04.2023 18:14

BRAUNAU. Seit zehn Jahren unterstützt die Braunauer Herzgruppe Herzkranke, Angehörige und gesundheitsbewusste Menschen dabei, etwas Gutes für ihr Herz zu tun. Eines ihrer großen Anliegen ist die Rückkehr der Möglichkeit eines Herzkatheters in Braunau.

  1 / 2   Bei der Jubiläumsfeier: Heidi Kasper (v. l.), Rainer Dejaco, Anita Hofbauer, Gabriele Knauseder und Wolfgang Zillig, Präsident des OÖ Herzverbandes (Foto: Herzgruppe/Peterlechner/Knauseder)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit. Ist ein Herz erkrankt, verändert es ganz deutlich das Leben der Betroffenen. Dabei tauchen oft viele Fragen auf – auch für die Angehörigen. Herzgruppen bieten die Möglichkeit, sich auszutauschen, zu informieren und gegenseitig zu unterstützen.

Heidi Kasper, die heutige Herzgruppenleiterin, war vor zehn Jahren als Herzpatientin auf der Suche nach Unterstützungsangeboten in der Region. „Beim Durchblättern des OÖ Herzverband-Folders in der Gesundheitskasse habe ich gesehen, dass Braunau ein weißer Fleck ist. Davon erzählte ich meiner Freundin und Leidensgenossin Anita Hofbauer“, berichtet Kasper. Daraufhin wurden die beiden aktiv.

Unter anderem wendete sich Kasper an Rainer Dejaco, dem damaligen Präsidenten der Herzgruppen in Oberösterreich. Dieser meinte: „Einfach eine Gruppe gründen und wir helfen dabei.“ Gesagt, getan – Kasper und Hofbauer riefen die Herzgruppe Braunau ins Leben und wurden bei ihrer Arbeit in den letzten zehn Jahren tatkräftig unterstützt.

Gesellige Treffen

Ihr Ziel war es, mit der Herzgruppe einen Treffpunkt zu schaffen. Das Angebot richtet sich nicht nur an Herzkranke, sondern auch an Angehörige oder Menschen, die ein wöchentliches Koronartraining besuchen oder an den vielen weiteren Aktivitäten der Gruppe teilnehmen möchten. Mittlerweile umfasst die Herzgruppe 67 Mitglieder, die aus dem Bezirk Braunau und dem benachbarten Deutschland kommen.

Für Kasper gab es in den letzten Jahren mit der Herzgruppe viele Höhepunkte. Besonders schöne Erinnerungen hat sie an den ersten Tag der Selbsthilfegruppe im Krankenhaus oder den ersten Vereinsausflug zum Schiederweiher. Auch dass die Herzgruppe beim Braunauer Wochenmarkt und der Frühjahrsmesse mit Infoständen vertreten war und Defischulungen veranstaltete, freut die Leiterin.

Koronartraining, smovey, Lachyoga und Co.

Das Angebot der Herzgruppe ist vielfältig. Jeden Mittwoch, mit Ausnahme der Ferien, findet in der Volksschule Neustadt ein Koronartraining statt. Dabei handelt es sich um ein Herz-Kreislauftraining, gekoppelt mit Gehirn- und Motorikübungen. Dieses wird von 17.30 bis 18.30 Uhr unter der Anleitung der Physiotherapeutin Samira Mujezinovic durchgeführt. Abwechselnd dazu bietet Kasper ein Training mit smovey-Ringen an.

Auch Lachyoga, Entspannungs- und Outdoorübungen, kleine Wanderungen in den Motorikpark oder Fahrten zu den Outdoor-Fitness-Geräten in Hochburg-Ach stehen auf dem Programm. „Für Braunau wären diese Geräte ein Hit“, sagt Kasper.

Zusätzlich dazu gibt es auch monatliche und jährliche Termine. Jeden ersten Montag im Monat wird ab 10 Uhr das Herzcafe im Café Sailer veranstaltet. Jeden letzten Donnerstag im Monat ist ab 18 Uhr der Herzgruppen-Stammtisch abwechselnd im Obergut und im Schüdlbauer’s. Bei diesen geselligen Treffen können sich Mitglieder und Interessierte austauschen.

Experten-Vorträge

Immer wieder werden diverse Vorträge veranstaltet. Dabei geben namhafte Ärzte, wie Primar Johann Auer, ein Notar, die Naturheilpraxis Prillhofer oder Apotheker ihr Wissen weiter und gehen auf neue Erkenntnisse in Bezug auf die Herzgesundheit ein. So rückten in den letzten Jahren immer mehr die Vererbung und der Unterschied zwischen Mann und Frau in den Fokus der Medizin. Einer der nächsten Vorträge der Herzgruppe befasst sich damit, welche Auswirkungen die Interaktion mit Hunden auf das Herz haben kann.

Einmal jährlich findet ein Ausflug statt. Heuer begeben sich die Mitglieder am 1. September in Rosenheim auf die Spuren der Rosenheim-Cops. Viermal jährlich wird das Herzblatt, das Magazin der Herzgruppe, veröffentlicht.

In all den Jahren konnte sich Kasper viel Wissen rund um die Herzgesundheit aneignen. Ihre besten Tipps für ein gesundes Herz sind: „Mit dem Rauchen aufhören, mediterrane Ernährung, Bewegung, psychische Stabilität sowie regelmäßige Gesunden- und Kontrolluntersuchungen.“

Das Thema Herzgesundheit wird in verschiedenen Ländern oft unterschiedlich gehandhabt. „Zum Beispiel wird nach einem Herzinfarkt in Österreich von einem Saunabesuch eher abgeraten, in Deutschland nicht. Man sollte sich daher immer mit seinem Kardiologen kurzschließen“, rät Kasper.

Herzkatheter in Braunau

Für Braunau wünscht sich die Herzgruppenleiterin nicht nur Outdoortrainingsgeräte für die Allgemeinheit und eine weitere Vernetzung der Selbsthilfegruppen, sondern auch die Möglichkeit eines Herzkatheter-Eingriffs. „Eigentlich bräuchte man dazu nichts sagen, eine schnelle Gesundheitsversorgung im Akutfall muss selbstverständlich sein“, sagt Kasper.

Wird ein Herzinfarkt diagnostiziert, sollte die Fahrzeit bis zum Herzkatheter im Krankenhaus nur 120 Minuten dauern. Im Innviertel betrug die Fahrzeit 2019 laut Primar Johann Auer vom Krankenhaus Braunau allerdings 269 Minuten.

Dass es die Hilfeleistung eines Herzkatheters in Braunau nicht mehr gibt, kann Kasper daher nicht verstehen. „Ein Herzkatheter hat mir 2008 das Leben gerettet. Es wird immer nur von Zahlen gesprochen und nie von den Patienten, die in der Angst leben, nicht rechtzeitig behandelt zu werden. Ich als Betroffene und zahlreiche Herzpatienten können davon ein Lied singen und für viele war es leider schon zu spät. Ich kann nur hoffen, dass die Politik endlich einsieht, dass man diese Region nicht einfach im Stich lassen kann.“


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Ing. T.
Ing. T.
19.04.2023 15:52

Wann gibt's endlich wieder Herzkatheder Eingriffe in Braunau

Als Betroffener hat mir die damalige Herzkatheder Station in Braunau/Simbach vermutlich das Leben gerettet. Bis heute habe ich nicht verstanden wie man so eine lebensrettende Einrichtung einfach einstellen kann. Die damaligen und auch die jetzigen Landespolitiker sollten über dies mal nachdenken. Das war, und ist nur ein politisches Hick-Hack auf Kosten der Menschen, die hier leben.