Seit 20 Jahren hilft die Delogierungsprävention Innviertel bei drohender Wohungslosigkeit
INNVIERTEL. Steigende Wohn- und Energiekosten bringen immer mehr Menschen in finanzielle Bedrängnis. Seit 20 Jahren hilft die Caritas in Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich im Innviertel dabei, drohende Wohnungsverluste zu verhindern. Rund 4.700 Haushalte wurden seither unterstützt.

Was 2006 als Angebot zur Delogierungsprävention begann, ist heute ein wichtiges soziales Sicherheitsnetz. An den drei Standorten Braunau, Ried und Schärding unterstützt das von der Caritas getragene und vom Land Oberösterreich finanzierte Netzwerk Wohnungssicherung Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht. In rund 80 Prozent der Fälle gelingt es, die bestehende Wohnung zu sichern oder rechtzeitig einen geordneten Wohnungswechsel zu ermöglichen.
Teuerung verschärft die Situation
Die Gründe für drohende Wohnungslosigkeit haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während früher vor allem Arbeitslosigkeit, Trennungen oder Erkrankungen zu finanziellen Schwierigkeiten führten, geraten mittlerweile zunehmend auch Menschen mit regelmäßigem Einkommen in Bedrängnis.
Dabei zeigen sich innerhalb des Innviertels regionale Unterschiede. In den Bezirken Braunau und Schärding spielen die zahlreichen Grenzgänger eine besondere Rolle. Im Bezirk Ried suchen hingegen vermehrt Menschen Unterstützung, die trotz Erwerbstätigkeit ihre Wohnkosten nicht mehr bewältigen können. Sozialhilfeempfänger machen im Innviertel generell nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Betroffenen aus.
Besonders stark trifft die Teuerung auch Pensionisten mit niedrigen Bezügen sowie Alleinerziehende. Vor allem die gestiegenen Energiekosten haben die finanzielle Situation vieler älterer Menschen verschärft.
„Wohnungslosigkeit beginnt nicht erst mit dem Leben auf der Straße. Oft geht ihr eine lange Zeit finanzieller Not voraus, in der Miete, Energie und Lebensmittel kaum noch leistbar sind“, erklärt Caritas-Vorstandsmitglied Marion Huber. Die wirksamste Hilfe müsse deshalb bereits einsetzen, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren.
Hilfe möglichst früh suchen
Wie wichtig frühzeitige Unterstützung ist, zeigen die Zahlen: Beim ersten Kontakt mit der Caritas haben Betroffene häufig bereits Mietrückstände zwischen 1.500 und 3.500 Euro angehäuft. Ist ein Gerichtsverfahren anhängig, können weitere 500 bis 1.000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten hinzukommen.
Die Sozialarbeiter helfen bei der Klärung der finanziellen Situation, vermitteln Unterstützungsleistungen und suchen gemeinsam mit Vermietern nach Lösungen. Die Beratung ist freiwillig. Gerade im ländlichen Raum führt jedoch häufig Scham dazu, dass sich Betroffene erst sehr spät Hilfe holen.
Nicht jede Beratung führt zum Erfolg
In rund 80 Prozent der Fälle gelingt es, die bestehende Wohnung zu sichern oder rechtzeitig einen geordneten Wohnungswechsel zu ermöglichen. Auch Soziallandesrat Christian Dörfel unterstreicht die Bedeutung der frühzeitigen Unterstützung: „Ein Zuhause ist mehr als nur vier Wände – es gibt Menschen Sicherheit und Halt.“ Oberösterreich habe bereits 2006 als erstes Bundesland die Delogierungsprävention gesetzlich verankert. Die Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre würden zeigen, dass dieser Weg richtig gewesen sei.
In rund 20 Prozent der Fälle kann die Wohnungssicherung beziehungsweise ein geordneter Wohnungswechsel nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Betroffene finden während der oft monatelangen Verfahren selbst eine andere Lösung und brechen die Beratung ab. Bei rund fünf Prozent scheitert die weitere Zusammenarbeit an mangelnder Kooperation. Etwa drei Prozent wechseln beispielsweise aufgrund psychischer Probleme in eine betreute Wohnform. Tatsächlich wohnungslos werden rund 0,9 Prozent der betreuten Personen.
Nachfrage deutlich gestiegen
Die wirtschaftlichen Krisen haben den Unterstützungsbedarf spürbar erhöht. Während 2019 innviertelweit 184 Haushalte betreut wurden, waren es 2023 bereits 413. Im Jahr 2024 suchten 343 Haushalte Unterstützung.
Eine zunehmende Herausforderung bleibt der Mangel an leistbarem Wohnraum. Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach günstigen und barrierefreien Wohnungen. Im ländlichen Raum kommt hinzu, dass günstigere Wohnungen ohne eigenes Auto oft kaum erreichbar sind. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen können zusätzliche Fahrtkosten eine vermeintlich leistbare Wohnung schnell wieder unerschwinglich machen.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden