Tag der Mediation: „Kinder verfügen über eine hohe Konfliktlösungskompetenz“

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Theresa Senzenberger Tips Redaktion Theresa Senzenberger, 15.06.2022 17:10 Uhr

BEZIRK BRAUNAU. Das Team des OÖ Berufsverbands für Mediation (ÖBM), Reinhard Paischer, Elfriede Seidl und Kerstin Pendelin, kommt aus dem Bezirk Braunau und gestaltet anlässlich des Tags der Mediation am 18. Juni eine Veranstaltungsreihe, die sich unter anderem mit dem Thema „Mediation bei Kindern und Jugendlichen“ befasst.

Die Folgen der Pandemie, die Sorgen wegen des Ukraine-Konflikts oder die drohende Klimakrise – es gibt vieles, das sich aktuell auf das Gemüt der Menschen auswirkt. Betroffen ist vor allem auch die junge Generation. Das zeigt sich auch am Bedarf an Mediation, der im Bezirk Braunau deutlich gestiegen ist, berichtet Kerstin Pendelin, die Landessprecherin des Bundesverbands für Mediation.

Nicht nur im familiären Bereich stiegen die Konflikte. Auch die fehlenden sozialen Kontakte führten zu emotionalen Schwierigkeiten, Verhaltensproblemen, Angststörungen und Beeinträchtigungen im Sozialverhalten, erzählt Pendelin.

Um dem entgegenzuwirken, arbeitet das Team aus dem Bezirk beständig daran, Bewusstsein zu schaffen, Konflikte frühzeitig zu klären und Infos zu geben. Dass es dazu regionale Angebote gibt, während gleichzeitig Schutz und Anonymität gewährleistet wird, ist den Mediatoren sehr wichtig.

Kompetenzen stärken

Bei einer Mediation bei Kindern und Jugendlichen sei das Wesentliche, dass sie der Altersgruppe entspricht, erklärt Pendelin. Auch dass sie dabei unterstützt werden, einen Konflikt selbst zu lösen, sei entscheidend. Eltern übernehmen oft die Position, unangenehme Situationen aus dem Weg zu räumen oder sprechen für ihre Kinder. „Dabei merken sie nicht, dass sie nicht nur Partei ergreifen, sondern dem Kind auch die Möglichkeit nehmen, Selbstwirksamkeit zu spüren und an der eigenen Konfliktklärung zu wachsen“, sagt die Mediatorin.

„Kinder verfügen an sich über eine hohe Konfliktlösungskompetenz, wenn sie richtig unterstützt werden. Zuhören, überlegen, was es braucht, um auf den anderen zugehen zu können, Grenzen wahrnehmen können sie schon im Kindergartenalter mit der passenden Anleitung anwenden“.

Gegenseitige Achtsamkeit, Verständnis, aktives Zuhören oder das Einnehmen von verschiedenen Perspektiven zu lernen, sei auch wichtig und sollte in den Erziehungsalltag eingebaut werden, ist Pendelin überzeugt. „Spätestens aber, wenn Kindern ein Konflikt „im Magen liegt“, es zu Ausweichstrategien oder psychosomatischen Symptomen kommt, muss eine konstruktive Konfliktklärung erfolgen.“

Schüler als Mediatoren

In der Schule kann eine Mediation etwa durch eine sogenannte „Peer-Mediation“ erfolgen. Die Konfliktlösung wird dabei von Jugendlichen oder gleichaltrigen ausgebildeten Peer Mediatoren unterstützt. Das werde von den Schülern erfahrungsgemäß besser angenommen als bei einem Eingreifen von Erwachsenen, berichtet Pendelin. Die jungen Mediatoren können aber durch „Peer Coaches“, das sind Lehrer, die für die „Peer-Mediation“ zuständig sind, Hilfe erhalten. Auch im Bezirk Braunau wird dieses Projekt an einigen Schulen angeboten.

Friedensstiftertreppe

Eine weitere Möglichkeit ist ein „Friedensstiftertraining“. Hier kommt in der Konfliktbewältigung eine „Friedensstiftertreppe“ zum Einsatz. An der Volksschule Ostermiething wird das bereits seit einigen Jahren praktiziert. In der Lehre ist der Einsatz von Mediation im Berufsausbildungsgesetz geregelt. Bei einer außerordentlichen Auflösung eines Lehrverhältnisses muss zuvor ein Mediationsverfahren versucht worden sein.

„Meiner Erfahrung nach ist der Zeitpunkt dafür aber meist zu spät. Es wäre erfolgversprechender, wenn Mediatoren schon früher hinzugezogen werden“, meint die Expertin. Beim Lehrlings- und Lehrbetriebscoaching, das von der Wirtschaftskammer finanziert wird, werden jedoch viele Konflikte abgefedert.

Gesund aus der Krise

Da es durch die Pandemie zu einem Anstieg an Konflikten, depressiven Symptomen, Ängsten, Schlafstörungen und wiederkehrenden Suizidgedanken kam, wurde österreichweit das Projekt „Gesund aus der Krise“ gestartet. Kinder und Jugendliche haben bis zum 22. Geburtstag die Möglichkeit, psychologische oder psychotherapeutische Behandlungseinheiten kostenfrei zu nutzen.

„Gerade in unserer Region ist es nicht so einfach, rasch Behandlungsplätze zu erhalten, so dass dieses Projekt eine Erleichterung bietet, dringend notwendige Unterstützung zu erhalten“, sagt Pendelin.

Tag der Mediation

Für den diesjährigen Tag der Mediation kooperierte das Mediatoren-Team mit Partnern, wie der Wirtschaftskammer, Hofkonflikt oder dem ÖBM Salzburg. Gemeinsam organisierten sie eine Veranstaltungsreihe im Oval des Europarks Salzburg. Am 17. und 18. Juni werden im Stundentakt Vorträge und Podiumsdiskussionen zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Kinder/Jugend, Wirtschaft, Nachbarschaft und Landwirtschaft angeboten. Weitere Infos gibt es unter www.tag-der-mediation.international

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