Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Leserbrief: Das Geothermiekraftwerk Altheim – Ein Nachruf

Sabrina Kastenauer, 07.01.2026 12:55

ALTHEIM. Gerhard Pernecker, Träger des Ehrenringes der Stadtgemeinde Altheim und Ehrenmitglied des Vereins Geothermie Österreich, sendete Tips folgende Zeilen zum Aus des Geothermiekraftwerks in Altheim.

 (Foto: Tips)
(Foto: Tips)

Im Jahr 2000 ging das Geothermiekraftwerk erstmalig ans Netz. Errichtet wurde es im Rahmen des von der Europäischen Kommission 1996 geförderten Projektes „Ausbau der Geothermieanlage Altheim zur Mehrfachnutzung von Geothermie“. Hauptbestandteile des Projektes waren die Errichtung einer Reinjektionsbohrung, die Errichtung eines ORC-Kraftwerkes und der Ausbau der bestehenden Produktionsbohrung.

Das Projekt wurde mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert (Gesamtkosten rund 5 Millionen Euro). Das damalige BM für wirtschaftliche Angelegenheiten schrieb: „Der Erfolg des Projektes trägt zu internationalen Ansehen der österreichischen Wirtschaft und Wissenschaft bei.“ Und der Oberösterreichische Energiesparverband führte aus, dass „die in Altheim zum Einsatz kommende Technologie auch verschiedene neue wirtschaftliche Möglichkeiten, Abwärme in Zukunft noch besser zu nutzen… bietet“.

Dieses Projekt war das Vehikel zur Finanzierung der notwendigen Reinjektionsbohrung für das im Jahr 1989 ins Leben gerufene Vorhaben „Fernwärmeanlage Altheim-Energieversorgung mittels Thermalwasser“. Das Vorhaben wies nämlich einen gravierenden Mangel auf: Obwohl die Wasserrechtsbehörde schon im Jahr 1986 darauf hingewiesen hatte, dass eine Entnahme des Tiefenwassers nur unter gleichzeitiger Errichtung einer Reinjektionsbohrung, also der Rückführung des Tiefenwassers in den Entnahmehorizont zulässig ist, setzte die Gemeinde das Projekt um. Das genutzte Tiefenwasser sollte, so ist im Gemeinderatsbeschluss ausgeführt, nach Behandlung und Abkühlung in die Kanalisationsanlage abgeleitet werden. Letztendlich wurde das abgekühlte Thermalwasser jedoch in die Ache abgeleitet; bis zu 500.000 m3 waren es dann jährlich.

Warum war/ist die Rückführung des Thermalwassers erforderlich?

Die im Aquifer zirkulierende Wassermenge ist zum einen nicht unerschöpflich (im Gegensatz zur Wärme im Erdinneren), und zum anderen führte eine ständige (Netto)Entnahme zu einer Beeinträchtigung der Druckverhältnisse im Untergrund – das wäre es dann gewesen mit der artesischen Förderung.

Mit der Inbetriebnahme der Reinjektionsbohrung 1998 und der daraufhin erfolgten befristeten wasserrechtlichen Bewilligung wurde ein rechtskonformer Zustand hergestellt, der Betrieb der Wärmeversorgung gesichert. Die Anlage wird seither tatsächlich nachhaltig betrieben.

Das Geothermiekraftwerk Altheim war das erste Kraftwerk nördlich der Alpen, gelegen im Molassebecken.

Mitteleuropa galt wegen fehlender Dampflagerstätten bis dahin als eine Region, in der Erdwärmekraftwerken kaum Realisierungschancen eingeräumt wurden. Altheim wurde weltweit ein Synonym für diese Art der geothermischen Stromerzeugung; nannte sich zu Recht Geothermiehauptstadt Österreichs. Mit dem Stillstand der ORC-Anlage seit 2021 gilt das nicht mehr.

125 Besuchergruppen aus 23 Ländern kamen in der Folge (zwischen 2000 und 2008) zu uns. Altheim war zum Mekka der Geothermiefreunde geworden – so hatte es ein deutscher Wissenschaftler formuliert.

Von 2000 bis 2020 wurden rund 14,5 Millionen kWh Strom in das öffentliche Netz eingespeist. Ende 2020 kam es, nach dem schon seit 2013 die jährliche Stromeinspeisung immer geringer wurde (2020 wurden nur mehr rund 9.000 kWh eingespeist), zum Stillstand. Das Hauptproblem waren Korrosionsschäden und der damit verbundene Arbeitsmittelverlust. Das Arbeitsmittel ist ein Fluid mit einem Siedepunkt von rund 35°.

Im Zuge der Erstellung einer Vorstudie für den Verein Geothermie Österreich betreffend das geothermische Verstromungspotential in Österreich wurde im Juli 2020 ein Gespräch mit einem Experten der Gemeinde geführt. Dieser zeichnete ein grundsätzlich positives Bild der Anlage und führte insbesondere aus, dass die anfänglichen Probleme mit den Rohrbündelwärmetauschern dauerhaft gelöst werden konnten. Er erwähnte auch den Bereich Wärmeversorgung und berichtete, dass man derzeit ungefähr 800 Haushalte beliefere und weitere 100 Haushalte eingliederbar wären.

Im Jänner 2021 teilte der damalige Hersteller der ORC-Anlage mit, dass die tatsächlich doch vorhandenen Probleme (nach 20-jährigem Betrieb) durch Austausch der Wärmetauscher, des Kontrollsystems, und durch den Einsatz eines neuen Arbeitsmittels gelöst werden könnten, und eine Generatorleistung von rund 700 kW möglich wäre.

Was geschah dann?

Laut Stadtnachrichten vom Oktober 2022 wurden Überlegungen angestellt, in eine neue, dem heutigen Stand der Technik entsprechende Anlage zu investieren. Es liefen bereits Gespräche mit verschiedenen Herstellerfirmen. Gerade in Zeiten förmlich explodierender Energiepreise sei es höchst an der Zeit, wieder selbst „Grünen“ Strom zu erzeugen und dadurch nicht unerhebliche Einsparungen zu erzielen.

In der Braunauer Warte vom 9. Februar 2023 konnte man lesen: „Unsere ORC-Stromgewinnungsanlage ist nicht mehr betriebsbereit, hier brauchen wir eine neue. Zirka 1,4 Millionen Euro wird die Anlage kosten. Wenn wir ins öffentliche Netz einspeisen, amortisiert sie sich jedoch relativ schnell.“

Warum sich in der Sache angesichts der erheblichen jährlichen finanzwirtschaftlichen Überschüsse der Geothermieanlage (Laut Prüfungsbericht der Bezirkshauptmannschaft Braunau vom Mai 2019 beliefen sich diese in den letzten 3 Jahren auf durchschnittlich 900.000 Euro; dazu ergänzend: in den Jahren 2010 bis 2022 waren es kumuliert rund 9,2 Millionen Euro) nichts tat, ist bemerkenswert.

Das Krafthaus ist ausgeräumt – die Informationsschilder hängen noch, wie „Thermalwasser kocht Strom“.

Die ORC-Anlage, ein „geothermal lighthouse project in Europe“ wurde es genannt, hat sich einen unkommentierten Abgang nicht verdient.

Meinungen in Leserbriefen müssen sich nicht mit denen der Redaktion decken. Wir behalten uns vor, Briefe aus Platzgründen zu kürzen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden