Mariane Bachl liebt das Handwerk und die Leute
EBERSTALZELL. Ein kaputter Absatz am Schuh, ein abgerissener Riemen oder eine zu weite Lederhose – für Mariane Brunmayr-Bachl kein Problem. In ihrer Werkstatt mitten in Eberstalzell werden solche Sachen repariert.

Das Geschäft der Familie Bachl hat im Ort eine lange Tradition. Es wurde bereits 1907 vom Großvater von Mariane Bachl, einem Schuhmacher, gegründet. Nachdem der Vater das Geschäft betrieben hat, führt Mariane Bachl es nun seit 1973. Früher war es ein Schuh- und Taschengeschäft und eine Reparaturwerkstätte. Ganze Generationen von Eberstalzellern haben im Geschäft der Bachls ihre Schultasche bekommen oder ihre Schuhe gekauft. Heute gibt es keine Schuhe mehr zu kaufen, Frau Bachl macht aber noch Reparaturen von Schuhen, Taschen, Lederhosen, Reitstiefeln oder Satteln. „Die Leute kommen mit allen möglichen und unmöglichen Sachen zu mir“, erzählt sie. Sogar eine Segelboot-Abdeckung hat sie schon repariert. Ihre rasche und unkomplizierte Hilfe bei allerlei Schäden hat ihr schon den Vorchdorfer Faschingsorden eingebracht.
Schon Pensionistin
Dabei ist Frau Bachl ja eigentlich schon in Pension gegangen, zwei Mal sogar. Zum ersten Mal mit 60 Jahren. Aber das hat sie nur drei Monate ausgehalten. „Mir haben einfach die Leute gefehlt“, sagt die Eberstalzellerin. Zum zweiten Mal ist sie zu ihrem 70er in Pension gegangen, sie hat aber gleich gewusst, dass sie mit ihrer Reparaturwerkstätte doch noch weitermachen wird und hat wieder ein Gewerbe angemeldet. Das Schuhgeschäft hat Frau Bachl heute nicht mehr, auch wenn ihr das Schuhe verkaufen auch noch Spaß machen würde.
Zu Mariane Bachl kommen Kunden aus dem ganzen Umkreis und in der Gemeinde kennt sie sowieso jeder – schon alleine deswegen, weil sie die Besitzerin des sogenannten Gemeindehundes ist. Die Hündin hat sie zu ihrem 60er von den Gemeindevertretern bekommen. Dreimal täglich machen Frauerl und Hund ihre Runde im Ort, einen Kontrollgang, wie Frau Bachl es nennt. Und wenn ihr etwas auffällt, das zum Beispiel kaputtgegangen ist, dann wird das am Gemeindeamt gemeldet.
Selten gewordenes Handwerk
Ihren Beruf gibt es heute nur mehr ganz selten, aber „man wird gebraucht“, weiß Mariane Bachl aus Erfahrung, das mag sie so sehr und das ist auch der Grund, warum sie selbst mit 73 Jahren ihre Werkstatt vier Tage in der Woche offen hat. „Ich liebe die Leute und das schöne Handwerk.“ Trotzdem war die Werkstatt des Vaters nicht ihre erste berufliche Station. Sie hat eine kaufmännische Lehre in Wels absolviert und ist nach dem Tod der Mutter Anfang der 70er Jahre in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt. Das Handwerk hat sie vom Vater gelernt, durch jahreslanges Zuschauen (sie war ja schon als Kind jeden Tag in der Werkstatt mit dabei) und beim gemeinsamen Arbeiten mit dem Vater.
Sie hilft wo sie kann
Bis heute macht ihr die Arbeit viel Freude, auch wenn sie zugibt, dass sie wirklich mehr als genug Arbeit hat. „Ich würde so gerne mehr Taschen machen, aber dafür fehlt mir einfach die Zeit“, erzählt die waschechte Eberstalzellerin, die ihren Heimatort so sehr liebt. Früher war sie auch politisch aktiv, heute ist sie Mitglied der Goldhaubengruppe und überhaupt hilft sie immer dort, wo sie gebraucht wird, zum Beispiel wenn ein Verein für ein Fest eine Mehlspeise braucht. „Ich schätze den Zusammenhalt vor allem hier im Ortszentrum sehr, man hilft sich gegenseitig“.


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