Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

„Namen und Schicksale" - Verlesung der Namen von Verfolgten am 15. November in Schloss Hartheim

Nora Heindl, 13.11.2018 09:05

ALKOVEN In den Filmen und Berichten zum Jahr 1938 ist eine Gruppe nicht zu sehen: Es sind die vielen, die nicht gewunken haben oder bereits eingesperrt waren. Sieben- bis achttausend Personen wurden zwischen 1934 und 1945 aus politischen Gründen verfolgt. Sie kamen aus allen Gemeinden des Landes, aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten. Die Haftgründe reichten von Rundfunkvergehen über unerlaubte Beziehungen zu Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeitern, Schwarzschlachten, von NS-kritischen Bemerkungen, rassischer Verfolgung, kommunistischer Betätigung bis zu Hochverrat.

  1 / 2   In Schloss Hartheim wird den Verfolgten und Ermordeten des Nazi-Regimes gedacht. Foto: Manfred Scheucher/www.ms-creative.com

Aus dem Bezirk Eferding waren mindestens 72 Personen betroffen. Zu ihnen kommen die in Hartheim ermordeten Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Sie alle sollen bei der Gedenkveranstaltung „Namen und Schicksale. Verlesung der Namen von Verfolgten aus dem Bezirk Eferding 1934-1945“, initiiert von Erna Putz, am Donnerstag, 15. November, um 18 Uhr im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim genannt werden.

Frau Putz, wie kamen Sie auf die Idee, die Namen der politisch Verfolgten aus ganz Oberösterreich zusammenzutragen?

Putz: Mich beeindrucken die vielen hundert jungen Italiener, die jedes Jahr zu den Befreiungsfeiern in die KZ – Gedenkstätte Ebensee kommen um ihrer Landsleute zu gedenken. Hunderte  Oberösterreicher kamen bald nach dem Anschluss in das KZ – Dachau. Wer von uns geht dorthin? Um deutlich zu machen, dass im März 1938 nicht alle gewunken haben, trug ich in diesem Frühjahr deren Namen zusammen und regte deren Verlesung in der  KZ – Gedenkstätte an. Es wurde eine bewegende Feier mit Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Gerold Lehner und Dr. Josef Pühringer. Unaufgefordert bekam ich dann eine Datei mit Namen von über 7.000 politisch Verfolgten aus O.Ö. übermittelt.

Wie geht man mit einer solchen Zahl um?

Putz: Ich habe die Namen auf die einzelnen Orte und Bezirke aufgeteilt und Partner vor Ort gesucht, die das Verlesen der Namen ermöglichen.

Wer trägt das Gedenken im Bezirk Eferding?

Putz: Sowohl Verfolgung wie Widerstand kumulieren in Hartheim und Alkoven. Den Leiter des Lern- und Gedenkortes Hartheim Mag. Florian Schwanninger kenne ich seit seiner Studienzeit. Er und Mag. Thomas Mair von der Pfarre Alkoven haben die Idee positiv aufgenommen und Lehrer und Schüler der NMS zum Mitgestalten angeregt. Eingeladen sind Interessierte und Angehörige der Verfolgten.

Wie viele Namen aus dem Bezirk werden verlesen?

Putz: Über 70 Personen aus dem Bezirk Eferding wurden politisch verfolgt, sie stammten aus allen Berufen und Schichten. Zu ihnen kommen die Menschen, die in Hartheim ermordet wurden.

Aus welchen Gemeinden kommen die Menschen?

Putz: Aus Alkoven mindestens 11, aus Aschach 10, aus Eferding 20, aus Hartkirchen 6, aus Haibach 2, aus Hartheim 2, aus Hinzenbach 5, aus Prambachkirchen 5, aus Pupping 4, aus Scharten 7.

Was wurde diesen Menschen vorgeworfen?

Putz: Ab 1934 wurden Sozialisten und Kommunisten verfolgt. Unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch wurden die politische Führung und die Spitzen von Exekutive und Verwaltung abgesetzt und vielfach inhaftiert. Kritische Äußerungen wurden als „staatsfeindlicher Einstellung“, „Heimtücke“ oder „Wehrkraftzersetzung“ geahndet. Geldsammeln für Inhaftierte war „Hochverrat“. Aus religiösen Gründen wurden Priester und Zeugen Jehovas verfolgt; bei Juden, Sinti und Roma führten rassische Gründe zur Vernichtung. Viele kamen wegen Hörens ausländischer Sender oder wegen Freundlichkeit zu Fremdarbeitern in Haft.

Wie wird dieses Gedenken ablaufen?

Putz: In Hartheim wird Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Pühringer Worte des Gedenkens sprechen, Irene Zauner-Leitner bringt einen historischen Beitrag zur Hartheimer Widerstandsgruppe um Ignaz Schuhmann und Leopold Hilgarth und Wolfgang Schuhmann widmet sich in einem persönlichen Beitrag den Erfahrungen seiner Familie in der Zeit der Verfolgung. Die Familie Schuhmann lebte in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses Hartheim. Wolfgang Schuhmann ist der Sohn von Karl Schuhmann, dem Fotografen des Bildes mit dem aufsteigenden Rauch aus dem Hartheimer Krematorium. Sein Vater wurde verhaftet, sein Onkel Ignaz Schuhmann Anfang 1945 hingerichtet. Schüler/innen der NMS Alkoven verlesen bei der Gedenkveranstaltung die Namen der Verfolgten und Ermordeten aus dem Bezirk Eferding. Prof. Schnee vom Musikgymnasium der Diözese Linz spielt mit seinen Schülerinnen und Schülern eigene Kompositionen für Bläser.

In mehreren Bezirken haben bereits solche Gedenkfeiern stattgefunden wie waren die Reaktionen?

Putz: In jedem  Bezirk kam jemand und fragte, ob eine bestimmte Person auf der Liste sei. Ich bekam Dokumente, z. B. aus Steinbach am Ziehberg den Brief einer Frau an den Führer, in dem sie die Freilassung des in Dachau internierten Pfarrers forderte; sie erhielt Antwort und P. Kassian kam frei. Besonders bewegend ist, wenn für die in Hartheim Verstorbenen Musik erklingt. Die hatten nicht einmal ein Begräbnis; und auf diese Weise bekommen sie spürbar einen Platz in den Herzen – in meinem auf jeden Fall! Jüngere Menschen entdecken, dass in ihren Familien die Erinnerung an Ermordete verschüttet war, wie etwa an einen als Zeuge Jehovas ermordeten Großonkel oder an eine nach Hartheim verbrachte Tante.

Welche Folgerung ziehen Sie aus der Beschäftigung mit diesen Schicksalen?

Putz: Der Umsturz 1938 war von innen und außen sehr gut vorbereitet. In wenigen Stunden waren mögliche Gegner ausgeschaltet. Vergleichsweise starken Widerstand gegen das NS – System gab es um Mauthausen und Hartheim und in den Bezirken Braunau und Gmunden. Wenn man auf Menschen schaut,  die sich den  Blick nicht haben vernebeln lassen, treten Schrecken und Gewalt zurück. Ein wenig bin ich verwundert, die Erinnerung macht nicht in erster Linie traurig, sondern ermutigt und stärkt das Vertrauen in die Menschen und auch in den Schöpfer.

Donnerstag, 15. November 2018

18 Uhr

Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim, Alkoven,


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Konzert und Lesung: „Sur la vie“ kommt nach Eferding und Bad Schallerbach

Konzert und Lesung: „Sur la vie“ kommt nach Eferding und Bad Schallerbach

EFERDING/BAD SCHALLERBACH. Das Konzert- und Lesungsprojekt „sur la vie ... über das Leben ... in Sprache und Musik ...“ findet am Freitag, ...

Tips - total regionalHelmuth Wimmer
Aschach wird Hauptort des Festivals der Regionen

Aschach wird Hauptort des Festivals der Regionen

ASCHACH AN DER DONAU. Aschach wird zum Hauptort des Festivals der Regionen, das von Freitag, 11. bis Sonntag, 20. Juni 2027 stattfindet. Einen ...

Tips - total regionalPichler Elisa
30 Stationen in Eferding und Grieskirchen bei den Tagen der offenen Ateliers

30 Stationen in Eferding und Grieskirchen bei den Tagen der offenen Ateliers

BEZIRK EFERDING/GRIESKIRCHEN.  Rund 30 Ateliers und Galerien öffnen im Bezirk Eferding/Grieskirchen für Kunstliebhaber und Neugierige ...

Tips - total regionalMichaela Aichinger
Pippi Langstrumpf kommt nach Aschach

Pippi Langstrumpf kommt nach Aschach

ASCHACH AN DER DONAU. Das stärkste Mädchen der Welt kommt am Sonntag, 18. Oktober nach Aschach.  Um 15 Uhr bringt das theater tabor „Pippi ...

Tips - total regionalPichler Elisa
30 Jahre Kunstschaffen im Atelier Hartheim

30 Jahre Kunstschaffen im Atelier Hartheim

ALKOVEN. Seit 30 Jahren bietet das Atelier des Instituts Hartheim in Alkoven Menschen mit Beeinträchtigung Raum für künstlerischen Ausdruck ...

Tips - total regionalPichler Elisa
Swing mit modernem Sound in Aschach

Swing mit modernem Sound in Aschach

ASCHACH. Die Wiener Band Marina & The Kats gastiert am Samstag, 3. Oktober, 20 Uhr in der Tischlerei am Schopperplatz. Mit „Friendly Fire“ ...

Tips - total regionalPichler Elisa
Weitere Beiträge