Wissen hilft weiter: Anlaufstellen für Betroffene von Alzheimer/Demenz und ihre Angehörigen
EFERDING/GRIESKIRCHEN. „Meine Frau hat oft über ihre Vergesslichkeit geklagt. Ich habe es zu Beginn nicht ernst genommen. An ihrem 70. Geburtstag, das war 2002, hat sie dann einer Nichte von der Diagnose erzählt,“ blickt Herr G. zurück. Als seine Frau anfing, in kurzen Abständen immer wieder dieselben Dinge zu erzählen, begann auch er sich intensiv mit der Erkrankung zu beschäftigen. 2014 starb Frau G. „Sie hatte keine Sprache mehr zur Verfügung. Ich bin neben ihr im Rollstuhl gesessen und sie hat immer nach meiner Hand gesucht. Sie wollte etwas sagen, was ich nicht verstehen konnte. Das hat weh getan, aber wenn sie gelächelt hat, war es gut“, erinnert sich Herr G. an die letzte Zeit mit seiner Frau.

In Österreich leiden 130.000 Menschen an Demenz. Trotzdem ist man von einem offenen Umgang weit entfernt. Ziel der MAS Alzheimerhilfe mit der Demenzservicestelle Ried, zuständig für den Bezirk Grieskirchen, und der Demenzservicestelle Ottensheim, zuständig für den Bezirk Eferding, ist es, das Schreckgespenst Demenz zu enttabuisieren. „Schweigen schadet“, weiß Nicole Moser, Leiterin der Demenzservicestelle Ried und erläutert: „Betroffene schämen sich oft und gehen zu spät zum Arzt. Viele Angehörige wiederum ziehen sich zurück. Letztendlich macht dieser Rückzug das Leben aller noch schwerer.“ „Angehörige fühlen sich oft allein gelassen, sind überfordert und haben kaum Zeit für sich selbst“, ergänzt Karin Laschalt, Leiterin der Demenzservicestelle Ottensheim: „Aufgrund permanenter Überforderung und Anspannung erkranken sie oft selbst.“
Der heute 83-jährige Herr G. fand in den letzten Jahren im Angebot der Demenzservicestelle Ottensheim Unterstützung: „Der Gedankenaustausch bei den Angehörigentreffen war für mich immens wichtig. Auch wenn es mich anfangs erschreckt hat, was noch auf mich zukommt. Sehr hilfreich war, dass ich meine Frau zu den Treffen mitnehmen konnte. Sie wurde währenddessen betreut.“ „Hr. G. war für die Angehörigen ein Vorbild, weil er sich mit Kraft, Willen und Wissen der Demenz gestellt hat“, schildert Laschalt: „Er hat erlebt, wie die Krankheit das Wesen der Betroffenen verändern kann und wie man auch mit Verlust und Schmerz umgeht. Außerdem sind es oft kleine Tipps, wie etwa, dass es besser ist jemanden unter dem Arm zu halten, als sich einzuhängen, die den Unterschied machen können.“
Ein besonderes Augenmerk wird auf die Früherkennung gelegt. Die Demenzservicestellen bieten diesbezüglich eine psychologische Abklärung an. Experten helfen altersadäquate Gedächtnisprobleme oder auch andere Ursachen (Stress, Depression,…) von einer beginnenden Demenz abzugrenzen.
Steht die Diagnose fest, ist eine schnelle Behandlung von Vorteil. „Ein früher Trainingsbeginn ist optimal, denn dadurch werden Selbstständigkeit und kognitive Fähigkeiten länger erhalten. Noch ist Alzheimer nicht heilbar. Aber durch eine möglichst frühzeitige medizinische Diagnose und psychosoziale Betreuung sowie stadiengerechtes Training gelingt es, die Krankheit zu verzögern und Betroffene möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung belassen zu können“, erklärt Moser.
Mit der Erkrankung eines Menschen an Demenz gehen grundlegende Veränderungen der Bedürfnisse einher. Diesen Herausforderungen müssen sich die betroffenen Familien aber nicht alleine stellen. Die Demenzservicestellen Ried und Ottensheim sind Ansprechpartner in allen Fragen zu Demenz. Angeboten werden Beratung für Betroffene und Angehörige, psychologische Abklärung, Früherkennung, Angehörigentreffen, Vortragsreihen sowie stundenweise Entlastung von Angehörigen mit gleichzeitigem Training der Betroffenen.
Angebote in Eferding und GrieskirchenGruppentrainings finden derzeit in Aschach, Eferding und Grieskirchen statt. Für eine Teilnahme ist eine psychologische Abklärung notwendig. Diese ist kostenlos. Bei ausreichender Nachfrage können auch neue Gruppen in Gemeinden gestartet werden.
In Grieskirchen finden etwa alle sechs Wochen Sprechtage in den Räumlichkeiten der Sozialberatungsstelle des SHV statt. Bei diesen ist auch eine psychologische Abklärung möglich. Die nächsten Sprechtage in diesem Jahr sind für 3. September, 15. Oktober und 26. November fixiert. Eine Terminvereinbarung ist notwendig. In Kooperation mit dem Roten Kreuz Grieskirchen findet am 4. November, um 19 Uhr ein Vortrag zum Thema „Vergesslichkeit im Alter“ in der Rotkreuzstelle statt.
Eine kostenlose Vortragsreihe für Angehörige wird ab Ende September jeweils donnerstags von 17 bis 19 Uhr in Aschach angeboten. Los geht“s am 24. September mit „(Alzheimer) Demenz – eine Krankheit verstehen“. 1. Oktober „Kommunikation und der Umgang mit Herausforderungen“; 8. Oktober: „Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten (Mobile Hilfen, Pflegegeld, Sachwalterschaft...)“; 15. Oktober: „101 Möglichkeiten der Beschäftigung (zu Hause, in Gruppen...“. Anmeldung erwünscht. Während der Vorträge wird eine Betreuung angeboten. Unkostenbeitrag für die Betreuung: 5 Euro pro Person/Vortrag.Kontakte der Demenzservicestellen- Bezirk EferdingDie Zuständigkeit für den Bezirk Eferding liegt bei der Demenzservicestelle Ottensheim. Kostenlose Information und Terminvereinbarung: Marktplatz 17, 4100 Ottensheim, 0664/8546699 - Bezirk GrieskirchenDie Zuständigkeit für den Bezirk Grieskirchen liegt bei der Demenzservicestelle Ried. Kostenlose Information und Terminvereinbargung: Bahnhofstr. 38/1, 4910 Ried, 0664/8546692


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