Jörg Mußmann aus Stroheim wirbt für Gelassenheit an Schulen
STROHEIM/LINZ. Jörg Mußmann, Hochschulprofessor an der Pädagogischen Hochschule Linz und gebürtiger Stroheimer, plädiert in seinem neuen Buch für mehr Gelassenheit. Doch damit meint er keineswegs, Probleme einfach hinzunehmen.

Eine Lehrkraft bereitet ihren Unterricht sorgfältig vor. Trotzdem geraten zwei Schüler aneinander, eine besorgte Mutter wartet auf ein Gespräch und nebenbei muss noch eine Dokumentation fertig werden. Der Schulalltag verlangt oft, vieles gleichzeitig im Blick zu behalten. Wie Lehrkräfte unter solchen Bedingungen Verantwortung übernehmen können, ohne an den eigenen Ansprüchen zu scheitern, behandelt Jörg Mußmann aus Stroheim in seinem Buch „Gelassenheit als professionelle Haltung in der Pädagogik“.Seit 2014 lehrt er an der Pädagogischen Hochschule Linz.
Dabei hat er erlebt, wie beharrlich Institutionen sein können und wie rasch der eigene Gestaltungswille an Grenzen stößt. Gelassenheit sei für ihn deshalb keine Wellnessmethode, sondern eine Haltung: „Ein gelassener Mensch nimmt seine Verantwortung ernst, weiß aber auch, dass sich nicht alles herstellen, steuern oder erzwingen lässt.“
Verantwortung mit Gelassenheit
Lehrkräfte können gute Bedingungen fürs Lernen schaffen. Was bei einem jungen Menschen ankommt, lässt sich laut Mußmann aber nicht vollständig steuern. Gelassenheit bedeute dennoch nicht, Probleme hinzunehmen.
Das gelte besonders bei Gewalt: Werden Menschen gefährdet, müsse eingegriffen werden. Körperliches Eingreifen müsse verhältnismäßig sein und sich im rechtlichen Rahmen bewegen.
Nicht alles ist eine persönliche Aufgabe
Neben dem Unterricht sollen Lehrkräfte unter anderem individuell fördern, Konflikte lösen und Eltern beraten. Hinzu komme ein wachsender Verwaltungsaufwand.
Mußmann warnt davor, strukturelle Probleme zur Aufgabe einzelner Lehrkräfte zu machen. Bei zu großen Klassen, fehlendem Unterstützungspersonal oder übermäßiger Verwaltung brauche es strukturelle Lösungen. Gelassenheit könne helfen, im Alltag handlungsfähig zu bleiben, ersetze aber keine guten Arbeitsbedingungen.








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