Revolutionäres Re-Using-System der Bauhütte Leitl-Werke: Ziegel sind unbegrenzt wiederverwendbar

Olivia Lentschig Tips Redaktion Olivia Lentschig, 24.11.2022 15:36 Uhr

EFERDING. Die Bauhütte Leitl-Werke haben mit dem Leitl Re-Use-Brick ein Patent angemeldet, mit dem Ziegel im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zerstörungsfrei rückgebaut und wiederverwendet werden können. Das schont die Umwelt und das Klima. Bauherren und Investoren profitieren durch Einsparungspotenziale sowie eine Wertsteigerung der Objekte.

Innovationskraft und ökologisches Handeln bestimmen die Erfolgsgeschichte der Bauhütte Leitl-Werke. Lösungsansätze zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung stehen beim in Eferding ansässigen Familienunternehmen bei laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojekten ganz oben auf der Agenda. Für die entsprechende Weiterentwicklung der Produkte und Prozesse wird laufend mit österreichischen Forschungseinrichtungen und Partnern aus der Branche zusammengearbeitet. Einen wesentlichen Aspekt der Firmenphilosophie stellt das Thema „nachhaltige Baustoffe mit regionaler Verantwortung“ dar und die Produkte der Leitl-Gruppe zeichnen sich durch hohe Lebensdauer und damit Kreislaufwirtschaftsfähigkeit aus, womit ein wichtiger Beitrag zur Ökologisierung der Baubranche erbracht wird.

Patentrechtlich geschütztes Mauerwerk

2021 wurde die zerlegbare, massive Vital-Ziegel-Holzbalkendecke mit dem Energy Globe ausgezeichnet. Diese Deckenelemente werden ohne Beton verbaut und können daher bei einem Umbau wiederverwendet werden. Mauerwerk konnte bisher aufgrund der intensiven Verbindung der Ziegel über Mörtel oder Klebstoff aber nur als Bauschutt recycelt werden. Die Bauhütte Leitl-Werke haben über dieses Recycling hinaus nach Möglichkeiten geforscht, die im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft auch die Wiederverwendung (Re-Use) von Ziegel erlauben.

In einer Reihe von Versuchen wurde ein zum Patent angemeldetes System für ein zerstörungsfrei rückbaubares Mauerwerk entwickelt. Bei diesem werden einzelne Ziegel in einer neuartigen Kombination von Kleber und Trennschicht verbunden sowie mit einem – von der Fa. Claytec als Forschungspartner bereitgestellten – abwaschbaren Putzaufbau versehen. Dieses trennbare Verbundsystem ermöglicht am Ende eines Hauslebens, dass die Ziegel in einem zukünftigen Haus wieder verbaut werden können.

Entwickelt wurde die Innovation unter der Führung von Geschäftsführer Stefan Leitl und den beiden Beratern des Unternehmens Martin und Christoph Leitl.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz durch Wiederverwendung

In Österreich werden etwa eine Million Tonnen Mauer-Ziegel im Wert von ca. 100 Mio. Euro pro Jahr produziert. Ziegelbauten haben im österreichischen Wohnbau einen Marktanteil von über 60%. Jährlich fallen über 10 Mio. Tonnen Bauschutt an, der Verunreinigungen wie z.B. Putz-, Mörtel- oder Kleberreste enthält. Um Deponierung zu vermeiden, ist eine aufwändige Sortierung und Vorbehandlung des Bauschutts erforderlich, bzw. erfolgt die Weiterverwendung meist in Form von Down-Cycling. Wiederverwendbare Ziegel sparen ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft in Zukunft Kosten für diese Entsorgung und Abfall für die Umwelt, können also einen großen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten und tragen ihren Teil zum Klimaschutz bei. Energieverbrauch und CO2-Emissionen dieser Produktion werden damit in der Ökobilanz auf sehr lange Zeiträume verteilt bzw. bei zukünftigen Neubauten sogar zur Gänze vermieden.

Zielsetzung des Projekts Re-Use-Brick ist die Entwicklung von Mauerwerk bestehend aus wiederverwendbaren Ziegeln mit trennbaren Putz- oder Verkleidungssystemen. Die Neuheit besteht darin, die Verbindung der Ziegel untereinander mit einem nur punktuell aufgebrachten Kleber so zu verringern, dass die Ziegel nachträglich, einfach und ohne Beschädigung wieder voneinander trennbar sind. Die Gebrauchstauglichkeit des Mauerwerks soll durch diese neuartige minimale Verbindung der Ziegel sowie mittels einer Gewebeeinlage in Form eines speziellen Vlieses zwischen den Ziegeln und in Zusammen-wirkung mit einer entsprechender Auflast auf das Mauerwerk erreicht werden.

Die Idee dahinter ist, dass keramische Ziegel eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer haben. Diese Tatsache soll bei einem Erfolg des Projekts mit wiederverwendbaren Ziegeln ausgeschöpft werden. 

Am Ende der Nutzungsdauer eines Gebäudes werden sich beim Abbau des Mauerwerks die vermauerten Ziegel unbeschädigt voneinander und von Putz- oder Verkleidungsschichten trennen lassen und somit wieder verwendbar sein. 

Mehrwert für Produzenten, Bauträger und Immobilienwirtschaft

Der Mehrwert besteht in dieser Möglichkeit die Ziegel beim Abbruch des Gebäudes bei einem Neubau erneut einzusetzen oder zu verkaufen. Bauherrn oder Investoren profitieren unmittelbar von Kosteneinsparungen durch den reduzierten Einsatz von Verbindungsmitteln zwischen den Ziegeln und einer Wertsteigerung der Gebäude. 

Zielgruppen sind Baustofferzeuger – auch andere Ziegelproduzenten – Bauträger bzw. die Immobilienwirtschaft, die nachhaltige Gebäude errichten und vermarkten wollen bzw. zukünftig - in verstärktem Maße durch die Vorgaben und Anforderungen der Europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie – auch müssen. Bei der Zertifizierung nachhaltiger Gebäude kommt dem Nachweis dieser Anforderungen eine immer größere Bedeutung zu.

Derzeit ist noch kein Mauerwerkssystem mit wiederverwendbaren Ziegeln am Markt. Ziegel, die am Ende der Nutzungsdauer eines Gebäudes wieder verwendet werden können, haben daher ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und eröffnen dem Familienunternehmen aus Oberösterreich die Chance zum weltweiten Technologieführer in diesem Bereich zu werden.

Pilot-Versuch Anfang November 2022 erfolgreich verlaufen

Die Erreichung dieser Ziele wurde nun an einem Pilot-Mauerwerk demonstriert. Und das mit vollem Erfolg. Die Ziegel werden durch den sehr einfach möglichen Rückbau nicht beschädigt und können einzeln sortiert und wiederverwendet werden. In Zusammenarbeit mit dem Bautechnischen Institut (BTI) als langjährigem Forschungspartner, werden nun die Themen Tragfähigkeit und Sicherheit in einem von der FFG geförderten Forschungsprojekt weiter vorangetrieben. Ebenso sind weitere Tests an ganzen Raum- bzw. Gebäudemodulen, mit eingebauten Fenstern, Türen etc. geplant. Das fertige „Leitl Re-Use-Brick“-System soll im Idealfall ab 2023 am Markt verfügbar sein. 

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