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Engelhartszell. Allerheiligen und Allerseelen sind die zwei Tage im Jahr, an denen man seiner geliebten Toten gedenkt. Passend zu diesen Tagen lädt die Gesunde Gemeinde Engelhartszell am 30. Oktober um 19 Uhr zum Vortrag „An der Seite der Toten“ von Martin Prein ins Aktivzentrum Stadl. Im Tips-Interview erklärt Prein, worum es beim Vortrag geht, warum es besonders wichtig ist, sich mit dem Leichnam auseinanderzusetzen und wie man Trauer am besten bewältigen kann.

Martin Prein wagt in Vorträgen einen unverstellten, konkreten Blick auf den Tod. Foto: Eva Giritzer/sprachbilder

Tips: Was können Besucher bei Ihrem Vortrag in Stadl erwarten?

Martin Prein: Ich möchte an diesem Abend die Besucher einladen mit mir einen unverstellten, ganz konkreten Blick auf den Tod zu wagen. Nämlich den Blick auf den Leichnam sowie den Schmerz von hinterbliebenen Angehörigen. Mit dem Titel „An der Seite der Toten“ möchte ich auch klären, dass es in meiner Arbeit nicht im klassischen Sinne um Sterbe- oder Trauerbegleitung geht. Sondern um genau den Ausschnitt dazwischen: die Zeit vom Eintritt des Todes bis zur Bestattung. Also um diese ersten Stunden und Tage, wenn durch den Tod ein geliebter Mensch aus unserem Leben gerissen wird.

Tips: Bei Ihren Vorträgen liegt der Schwerpunkt auf der Beschäftigung mit dem Leichnam: Warum?

Prein: Weil ich in meiner Arbeit als Bestatter sehr intensiv erleben durfte, wie hilfreich es für den weiteren Trauerprozess der Hinterbliebenen sein kann, sich sozusagen auch leiblich von ihrem geliebten Verstorbenen zu verabschieden. Den Hinterbliebenen wird nämlich ein solches „Begreifen“ des Todes oft nicht ermöglicht oder gar verwehrt. Der Grund für dieses Verwehren ist auch in der, wie ich es nenne, „Strahlkraft“ des Leichnams zu finden. Darum die intensive Auseinandersetzung mit dem Leichnam, um vor allem Mythen und Ängste, die sich um den toten Körper ranken, abzubauen. Aber auch um die Betroffenen im Trauerfall zu mehr Selbstbestimmung zu ermutigen.

Tips: Gibt es verschiedene Stadien der Trauer und wie kann man diese Phasen am besten bewältigen?

Prein: Die Trauerforschung hat in den letzten Jahrzehnten viele Phasen und Modelle der Trauer beschrieben. Doch es schadet nicht, solchen Phasenbeschreibungen auch mit kritischer Distanz gegenüberzustehen. Derartige Modelle können sehr rasch eine „therapeutische Machbarkeit“ des Trauergeschehens vermitteln. Hingegen ist es mir sehr wichtig zu sagen, dass es keine Regeln für richtiges Trauern gibt. Um einen Trauerprozess durchleben zu können, ist es für uns in erster Linie von Bedeutung einfühlsame Mitmenschen an unserer Seite zu haben. Mitmenschen, die in unserem Schmerz, unserer Ohnmacht, der inneren Zerrissenheit, der Wut, den Schuldgefühlen und den Tränen an unserer Seite sind. Ohne zu werten, zu verurteilen oder zu fordern. Mit meinem Vortrag möchte ich die Besucher auch darin bestärken: Mitmenschen in den schwersten Stunden ihres Lebens beizustehen.

Vortrag:

Freitag, 30. Oktober, 19 Uhr

Vortrag „An der Seite der Toten“ von Martin Prein

Ort: Aktivzentrum Stadl

Eintritt frei


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