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Abweichende Fakten in der Brucknerbiografie gefunden

Norbert St. Mottas, 23.05.2024 14:49

KRONSTORF. Der Regionalhistoriker Gerhard Riedl erforscht die Biografie Anton Bruckners und fand speziell in dessen Kronstorfer Zeit Fakten, die von den üblichen Biografien abweichen. Tips-Redakteur Norbert Mottas bat Gerhard Riedl zu einem Interview.

Gerhard Riedl fand neue Fakten für die Bruckner-Forschung (Foto: mott)
Gerhard Riedl fand neue Fakten für die Bruckner-Forschung (Foto: mott)

Tips: Wie entstand bei Ihnen der Impuls, die Kronstorfer Zeit Anton Bruckers zu erforschen?

Riedl: In einem Gespräch Anfang 2024 mit dem Bürgermeister wurden Widersprüche zu den bestehenden Bruckner Biografien in Bezug auf die Kronstorfer-Zeit augenfällig.

Tips:Welche Quellen haben Sie dafür verwendet?

Riedl: Um neue Kenntnisse zu gewinnen, wurden Quellen aus den Archiven der Diözese, dem Land und ein im Privatbesitz befindlicher Nachlass der Rede von Professor August Lehofer zur Gedenktafelweihe 1913 in Kronstorf verwendet.

Tips: In den Quellen, die Sie analysiert haben, fanden Sie Fakten, die im Widerspruch zur gängigen Lehrmeinung stehen. Können Sie diese bitte kurz zusammen fassen?

Riedl: Es gibt mehrere Widersprüche in der Brucknerforschung, der Größte für die Kronstorferzeit liegt in der Örtlichkeit des unterstützenden Großbauern Födermayr.

1913 hieß es nach damaligen Recherchen vom Enkel des Bruckner Vorgesetzten Schulleiter Lehofer, der Besitzer des Hartlgutes unterstützte Bruckner mit einem Klavichord. Diese Quelle wurden auch von der renommierten Bruckner Biografen Gräflinger, Göllerich und Auer verwendet.

1952 veröffentlichte der frühere Landwirtschaftsminister Florian Födermayr seine Lebenserinnerungen. Im Buch „Von der Landwirtschaft ins Parlament“ bringt er zum Ausdruck, dass Musik die Familie schon immer begeistert und sie durch, „[…“ die Freundschaft meines Großvaters [ist sie“ mit dem ‚Spielmann Gottes‘, wie Bruckner genannt wird, [...“ in der Bruckner-Literatur […“ eingegangen. Den ausgezeichneten Biographen Bruckners, Göllerich und Auer, sind aber einige Irrtümer unterlaufen, weil mein Großvater nicht Joseph, sondern Michael hieß, und weil er nicht Besitzer des „Hartl-Gutes“ in Kronstorf-Berg, sondern des ‚Groißmayr-Gutes‘ in der Ortschaft Stalbach war und auch keineswegs in Linz ‚privatisiert‘ hat, sondern zeitlebens auf dem Bauernhof geblieben ist“.

Tips:Wann haben sich diese Fehler in die Bruckner-Biographien eingeschlichen?

Riedl: Ab Beginn der 2. Republik wurde nur mehr vom Groismayrgut gesprochen.

Tips:Wie schwer ist es in der Bruckner-Forschung, Wahrheit und Anekdoten auseinander zu halten?

Riedl: Da Bruckner schlechthin als Werbeträger des Landes dient, wird mehr auf die Stimmungsmache geschaut. Dadurch häufen sich seit Jahrzehnten die Mythen. Manche Musikhistoriker legen auch wenig Wert auf eine Rezeptionsgeschichte, ihnen genügt meist der Nachweis, dass Bruckner in Kronstorf Kirchenkompositionen schrieb

Tips:Haben Bruckner-Forscher schon auf Ihre Erkenntnisse reagiert?

Riedl: In Gesprächen hört man immer wieder heraus, das vieles noch zu erforschen sei. Zum Beispiel warum kam Bruckner gerade nach Kronstorf und nicht nach Enns wo man mit dem Ableben des 87jährigen Schulleiters rechnen musste - als Ersatz kam wenige Monate später der Gehilfe Schopper von Kronstorf nach Enns.

Tips:Wie bewerten Sie das Bruckner-Museum in Kronstorf?

Riedl: Ich bin nicht zufrieden, denn die wahren Helfer, die zum Erfolg Bruckners beitrugen, scheinen nicht auf. Es ist keine Geschichte Kronstorfs.


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