Auf den Spuren der Opfer des Todesmarsches von Mauthausen nach Gunskirchen

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Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 27.10.2020 09:40 Uhr

ENNS. Treffpunkt Bildung veranstaltete in Kooperation mit der ARGE Geh-Denk Spuren, dem Mauthausen Komitee Enns und der Initiative „Wider das Vergessen“ Ansfelden einen Gedenkmarsch für die Opfer der Todesmärsche von Mauthausen nach Gunskirchen vor 75 Jahren. Manfred Scheuer, Bischof der Diözese Linz, ging den Weg von der Basilika Enns-Lorch, wo sich von 1945 bis 1965 ein Massengrab befand, bis nach St. Florian mit.

Tips: Sie haben schon öfter an Gedenkveranstaltungen teilgenommen. Ist der Marsch heute etwas Besonderes?

Scheuer: Den Weg von Lorch nach St. Florian bin ich im Zusammenhang mit dem Heiligen Florian und den Märtyrern von Lorch, das eigentlich die Wiege der Diözese ist, schon öfter gegangen. Auf den Spuren des Todesmarsches von 1945 zu wandeln, hat andere Dimensionen. Es beinhaltet die Abgründigkeit, das Grauen und die Schande, die mit diesem Ort verbunden ist.

Tips: Wie wichtig ist es, den Opfern der damaligen Zeit zu gedenken?

Scheuer: Wir sind gerade im Vorfeld von Allerheiligen und Allerseelen. Das Gedächtnis hat eine ganz zentrale Bedeutung. Wenn wir nicht mehr der Verstorbenen gedenken, verlieren wir unsere Wurzeln. Wenn wir nicht mehr der Leidenden und der Opfer gedenken, werden wir gefühllos und stumpfen ab. Der Philosoph Adorno sagte, das Vergessen wäre der Marsch in die Unmenschlichkeit und in die Barbarei.

Tips: Die katholische Kirche musste auch Kritik einstecken, da manchen Nazis zur Flucht verholfen oder von Katholiken religiöser Antisemitismus verbreitet wurde. Wie arbeitet man die Zeit von damals auf?

Scheuer: In der Diözese Linz gab es während der NS-Zeit aus dem kirchlichen Bereich eine Reihe von Opfern. Über 100 Priester und Ordensleute waren inhaftiert. Mehrere sind ermordet worden. Es gab eine deutliche Abgrenzung der katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus. Johannes Maria Gföllner, der damalige Bischof der Diözese Linz, sagte, man kann nicht Katholik und Nationalsozialist sein. Nach dem Anschluss gab es den Versuch, eine Art Koexistenz zu erreichen. Das ging aber gehörig schief. In der österreichischen Gesellschaft, die teilweise katholisch geprägt war, hat es gerade im 19. Jahrhundert einen Antisemitismus gegeben, der unterschiedlich konnotiert war: teilweise wirtschaftlich, aber auch sozial. Es hat einen starken Antijudaismus gegeben. Einerseits ist es um die wirtschaftlichen Ausprägungen gegangen, andererseits um die religiösen Ausprägungen. Die Faktoren, die zum Holocaust geführt haben, sind aber vielfältiger.

Im März und April 1945 wurden 22.000 Juden vom KZ Mauthausen ins 55 Kilometer entfernte KZ Gunskirchen getrieben. Der Todesmarsch dauerte drei Tage. „Wir müssen uns schämen. Was haben diese Elenden verbrochen? Ihr Verbrechen war in den meisten Fällen nichts anderes als ihre Geburt von jüdischen Eltern. Dafür wurden sie zu einem langsamen Tod verurteilt“, berichtete Alois Nikolussi, Stiftspfarrer von St. Florian, im Jahr 1945. Es gab aber auch Akte der Menschlichkeit: Ignaz und Barbara Friedmann versteckten den Häftling David Hersch in ihrem Haus in Kristein bis zum Kriegsende. Sein Sohn Jack Hersch schreibt darüber im Buch „Flucht auf dem Todesmarsch“.

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