Gerald Wirth: „Musik ist für mich die Sprache der Emotionen, die uns alle verbindet.“

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Leserartikel Julia Karner, 17.11.2020 18:00 Uhr

ENNSDORF/WIEN. Seit 19 Jahren ist der in Ennsdorf aufgewachsene Gerald Wirth (55 Jahre) künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben. Im Tips Interview erzählt er über seine Leidenschaft Musik, die Arbeit mit den Kindern und über die Herausforderungen mit der Pandemie.

Tips: War ihre Kindheit schon immer begleitet von Musik?

Wirth: Ich habe immer gern gesungen. Unsere Eltern waren sehr Musik begeistert und haben uns Kinder sehr unterstützt und bestärkt, ein Instrument zu lernen; habe mit Flöte begonnen und dann ab der 2. Klasse Volksschule Klavier gelernt; von meiner Volksschule wurde ich vorgeschlagen und nach Wien zum Vorsingen bei den Wiener Sängerknaben geschickt.

Tips: Wann haben Sie gewusst, dass sie diesen Weg einschlagen möchten?

Wirth: Als Vorschulkind wollte ich Opernsänger werden. Dass Musik mein Weg sein könnte, war für mich sehr früh klar, sicher auch, weil ich bei den Wiener Sängerknaben so viele prägende Erfahrungen machen konnte, Konzerte mit Karl Böhm, große Tourneen überall auf der Welt – bei jedem Konzert war da dieser Kontakt mit dem Publikum, der Funke, der überspringt. Man merkt als Kind, dass man mit seiner Stimme, seinem Singen die Menschen erreicht: Man kann ihnen Freude bereiten - egal, ob in Österreich oder Japan, in Südamerika oder Australien. Musik ist für mich die Sprache der Emotionen, die uns alle verbindet.

Tips: Was ist es, dass sie an der Arbeit als künstlerischer Leiter so fasziniert?

Wirth: Die Arbeit mit den Kindern – Stimme und Persönlichkeit gehören zusammen. Die Kinder lernen bei den Wiener Sängerknaben nicht nur, wie man richtig und schön singt, sie lernen sich in Musik ausdrücken, sie lernen, auf andere und aufeinander zu hören, gemeinsam Musik zu machen. Gleichzeitig werden sie im besten Sinn selbstbewusster, sie wachsen. Musik und vor allem Singen lassen die Persönlichkeit eines Kindes richtiggehend aufblühen. Es ist ein absolutes Privileg, diese Entwicklung der Stimme und Persönlichkeit der Kinder mitzuerleben. Eine schöne Knabenstimme, der Klang eines guten Knabenchores fasziniert mich nach wie vor.

Tips: Was können Sie jungen Musikern mit auf den Weg geben, die ebenfalls den klassischen Weg einschlagen wollen?

Wirth: Für diesen Beruf muss man brennen. Man muss das Gefühl haben, dass es nichts anderes gibt, das man machen sollte. Die kontinuierliche, lebenslange Arbeit in allen Bereichen des Musizierens an sich selbst ist immens wichtig. Man muss flexibel sein, offen für Neues und auch manchmal für schmerzvolle Kritik. Das eigene Tun immer wieder hinterfragen. Ich lerne ständig etwas Neues – von Kollegen, Studenten und auch von den Kindern.

Tips: Bleibt bei dieser Arbeit auch Zeit für andere Hobbys?

Wirth: Ich bin im Hauptberuf offiziell Landwirt. Wir haben zu Hause eine kleine Landwirtschaft mit Schafen; in der Natur körperlich zu arbeiten ist für mich ein sehr wichtiger Ausgleich und eine großartige Ergänzung.

Tips: Corona ist ja momentan das alles beherrschende Thema. Wie gehen die Wiener Sängerknaben damit um? Wie leicht lassen sich derzeit Proben und Auftritte gestalten?

Wirth: Auftritte sind im Moment im Lockdown gar nicht möglich, sogar die Messen in der Hofburgkapelle sind gestrichen - und das ist eine 522-jährige Tradition. Proben sind ebenfalls schwierig. Wir dürfen überhaupt nur mit einer Sondergenehmigung proben, weil wir eben ein professioneller Chor sind. Die Wiener Sängerknaben sind Berufsmusiker. Und wir müssen proben, um das Niveau halten zu können. Wir haben eine ganze Reihe Hygienemaßnahmen implementiert: Händewaschen und desinfizieren, Maskenpflicht im ganzen Haus, Geräte zur Luftreinigung. Wir proben in den größten Räumen, die wir haben – im Schwimmbad, im Turnsaal, in der Hauskapelle, im großen szenischen Proberaum - mit Maske und natürlich mit Abstand. Oberflächen werden häufig desinfiziert und jeder singt nur aus den eigenen Noten in der eigenen Mappe. Außerdem werden die Kinder regelmäßig getestet. Das hilft, aber es ist ein echter Hindernislauf. Allerdings fehlen den Kindern die Konzerte und der Kontakt mit dem Publikum. Die Kinder brauchen das Singen, es tut ihnen gut. Corona ist für uns sehr, sehr schwierig. Wir sind seit 1924 ein privater, gemeinnütziger Verein – das Vereinsziel ist die exzellente musikalische Ausbildung von Kindern, Buben und Mädchen. Wir mussten uns bislang selbst erhalten, und das ging nur mit den Auftritten. Die Institution braucht etwa 3,2 bis 3,5 Millionen Euro pro Jahr für den laufenden Betrieb, und etwa 75 Prozent davon konnten wir erwirtschaften. Dieses Geld fehlt jetzt; daher haben wir eine Spendenseite eingerichtet. Spenden an die Wiener Sängerknaben können in Österreich von der Steuer abgesetzt werden und wir freuen uns über jeden Betrag. Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, uns mit einem geringen Betrag – 5 oder 10 Euro - monatlich zu unterstützen, ein Spenden-Abonnement einzurichten.

Mehr Informationen gibt es auf www.wsk.at und auf philanthropie.wsk.at

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