Augustiner-Chorherren und Florianer Sängerknaben blicken auf eine bewegte Vergangenheit zurück
ST. FLORIAN. Sowohl die Augustiner-Chorherren als auch die St. Florianer Sängerknaben feiern heuer ihr 950-Jahr-Jubiläum.

„Geburtstag“ der Augustiner-Chorherren in St. Florian ist der 25. Juni 1071. St. Florian war seit dem 9. Jahrhundert Ausgangspunkt für mehrere Heerzüge gegen die Ungarn. Damals stellte Bischof Altmann von Passau das von den Ungarn zerstörte Kloster wieder her und ersetzte die Chorherren durch die Augustiner-Chorherren. Diese leben nach der Regel des heiligen Augustinus von Hippo, die unter anderem einen Verzicht auf Privateigentum und einen seelsorglichen Dienst am Volk außerhalb der Klöster vorsieht. Die heute im Stift St. Florian ausgestellte „Geburtsurkunde“ ist allerdings eine Fälschung. Sie entstand ungefähr 100 Jahre später und wurde verfasst, um sich dem Einfluss der Passauer Bischöfe zu entziehen.
Vertreibung zur NS-Zeit
1235 wurde die frühgotische Stiftskirche, die damals eine bedeutende Wallfahrtsstätte war, ein Raub der Flammen. Mehr als 40 Jahre lang mussten die Brüder ohne Gotteshaus auskommen. Römische Bruchziegel deuten darauf hin, dass die Stiftskirche eine bis in die Antike reichende zusammenhängende Baugeschichte hatte. 1686 begann der barocke Neubau der Stiftsgebäude. Ein wahres Juwel ist der Hauptsaal der Stiftsbibliothek, die 150.000 Bände umfasst. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die Augustiner-Chorherren aus dem Stift vertrieben, kamen jedoch nach dem Krieg zurück. Heute leben noch 27 Chorherren im Orden.
Anton Bruckner war Sängerknabe
Der Knabenchor im Stift St. Florian lässt sich bis auf die Anfänge der Augustiner-Chorherren zurückführen. 1071 wurde eine Klosterschule eingerichtet, mit der die Florianer Sängerknaben ihren Ursprung verbinden. Zur Barockzeit gab es ein barockes Theatergebäude. Von 1770 bis 1774 wurde von Franz X. Krismann die große Orgel, seit 1930 „Brucknerorgel“ genannt, errichtet. Komponist Anton Bruckner war von 1837 bis 1840 Sängerknabe und von 1850 bis 1855 „provisorischer Stiftsorganist“. Bis 1996 wurden die St. Florianer Sängerknaben vom Stift direkt verwaltet. Seit 1997 steht der Chor organisatorisch und finanziell in Form des Trägervereins „Freunde der St. Florianer Sängerknaben“ auf eigenen Beinen.
Weltweit unterwegs
Die St. Florianer Sängerknaben konzertieren heute in der ganzen Welt. Der Chor hat bei bedeutenden Musikfestspielen (unter anderem Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen, Festival d’Aix en Provence) mitgewirkt und arbeitet immer wieder mit den berühmtesten Orchestern wie den Wiener Philharmonikern oder dem Cleveland Orchestra und Dirigenten zusammen. Franz Welser-Möst, ehemaliger Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, ist Ehrenpräsident des Vereins „Freunde der St. Florianer Sängerknaben“. Solisten der St. Florianer Sängerknaben singen häufig die für Knaben vorgesehenen Rollen.


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