St. Valentiner sammelt tausende Fotos aus vergangenen Zeiten
ST. VALENTIN. Wenn Hans Lischka seine Fotoalben öffnet, begibt man sich auf eine Zeitreise. Sein Archiv ist mittlerweile auf 13.000 Bilder angewachsen – alles Aufnahmen aus seiner Heimatgemeinde.

Bedächtig öffnet Hans Lischka eines seiner Alben: „Das Auto vom Hofer Elektriker war das letzte, das über die Übersetz gefahren ist.“ Auf dem Schwarzweißfoto ist ein Renault 4 zu sehen, an den sich einige St. Valentiner noch gut erinnern können. Die Elektriker hatten es immer eilig und nicht selten kam es vor, dass der kleine Kastenwagen mit quietschenden Reifen um die „Marchandkurve“ flitzte. Auch wenn das Modehaus Marchand längst von der Firma Kutsam übernommen wurde, ist die „Marchandkurve“ noch immer in den Köpfen der St. Valentiner präsent. Bis in die 70er Jahre war dort ein Bahnübergang. Auf der „Übersetz“ war der Schranken mehr zu als offen und die Autos stauten sich oft bis weit in den Ort hinein. Abhilfe schaffte der Bau der Westbahnunterführung, die nunmehr die Ortsteile St. Valentin und Langenhart verbindet. Kurz nach der Eröffnung der Unterführung kam es gleich zu einem Unfall, als der Fahrer eines amerikanischen Straßenkreuzers die Einfahrt zur Unterführung etwas zu schwungvoll nahm und an der Betonwand entlang schlitterte.
Aufschwung durch Eisenbahn
Die Eisenbahn spielt eine zentrale Rolle in Lischkas Archiv. 2014 erschien sein Buch mit dem Titel „St. Valentin, Eisenbahn – gestern bis heute“. Vom Bau der Kaiserin Elisabeth-Bahn bis zur Errichtung der Hochgeschwindigkeitsstrecke hat Lischka mehr als 150 Jahre Eisenbahngeschichte in St. Valentin zusammengefasst. Viele historische Aufnahmen belegen den Einfluss der Bahn auf das Ortsbild und die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde. Auch das schwerste Eisenbahnunglück ist in diesem Buch dokumentiert. 1939 entgleiste im Bahnhof ein D-Zug, der von Köln nach Wien unterwegs war. 17 Reisende starben bei diesem Unglück, unter ihnen auch der berühmte Wiener Chirurg Anton Eiselsberg.
Ortsgeschichte in Bildern
Bereits zu seiner Zeit als Vizebürgermeister begann Lischka, sich für die Geschichte seiner Heimatgemeinde zu interessieren. Nachdem er 2005 in den Ruhestand gegangen war, begann er intensiv damit, alte Ansichten aus St. Valentin zu sammeln. Innerhalb kurzer Zeit wuchs sein privates Archiv auf mehrere tausend Bilder an, die 50 Jahre und älter sind. Viele Bilder wurden ihm von Freunden und Bekannten zugetragen, denn mit der Zeit wusste man, dass die Bilder bei ihm gut aufgehoben waren. Lischka begab sich aber auch selbst auf die Suche, stöberte im Internet und kaufte Bilder auf diversen Auktionsplattformen und Flohmärkten. Sein teuerstes Bild erwarb er um 40 Euro, es zeigt eine alte Ansicht der Haagerstraße. Hauptsächlich sind es Schwarzweiß-Fotos, einige davon wurden auch händisch nachkoloriert. Farbaufnahmen kamen erst viel später, denn Farbfilme waren teuer und wurden ausschließlich in der Werbefotografie eingesetzt.
Dokumentar- und Pressefotos waren bis in die 70er Jahre ausschließlich schwarz-weiß.
Der Öffentlichkeit zugänglich
Hans Lischka ist kein Geheimniskrämer. Seine Bilderwelt macht er für die Öffentlichkeit zugänglich. Zu seinen Vorträgen, die sich dem Thema „St. Valentiner Gewerbe anno dazumal“ und den Jahren 1938 bis 1955 widmeten, kamen mehr als 1.000 Besucher. Mittlerweile ist auch ein Großteil der Bilder digitalisiert und im Format 10x15 cm ausgedruckt. Einen Teil der Bilder präsentiert Hans Lischka auch in sozialen Netzwerken.


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