Filme als lebendige Zeitdokumente
ST. VALENTIN. Die Filmemacherin Martina Hechenberger arbeitet als Kamerafrau, Produzentin und künstlerische Fotografin. In ihren Dokumentarfilmen macht sie Geschichte lebendig.

Hechenberger studierte Medientechnik und -design an der Fachhochschule Hagenberg sowie Zeitbasierte Medien an der Kunstuniversität Linz. Nach dem Studium 2008 leitete sie das Ars Electronica Archiv. Ursprünglich wollte sie Kamerafrau werden. Eine Anstellung als Kamerafrau zu finden, war für sie in der männlich dominierten Branche schwierig. Kamerafrauen sind bei den Fernsehanstalten und Produktionsfirmen nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung.
Eigene Filmproduktion
Nach dem Studium entschloss sie sich daher, in der Filmbranche selbstständig tätig zu werden und gründete 2013 ihre eigene Produktionsfirma mit dem Namen MINAPictures. Neben Musikvideos und Auftragsarbeiten für Firmen legt Hechenberger ihren Fokus auf Dokumentarfilme. Bereits 2013 entstand eine Dokumentation über den österreichischen Fotografen Erich Lessing, der unter anderem 1955 das berühmte Foto von der Unterzeichnung des Staatsvertrags aufgenommen hatte. In den Jahren 2015 bis 2017 entstanden weitere Filmportraits über die Fotografin und Künstlerin Lisl Steiner und den Kameramann und Fotografen Wolf Suschitzky. Die Dokumentarfilme dauern ungefähr 50 Minuten und wurden auf ORF III ausgestrahlt. „Filmportraits erfordern Auseinandersetzung mit der Person, deren Geschichte und deren Arbeit“, erklärt Hechenberger. Man hat es hier nicht mit Schauspielern zu tun, die in eine Rolle schlüpfen, sondern mit realen Persönlichkeiten mit interessanten Lebensgeschichten.
Filme zur Zeitgeschichte
Dokumentarfilme erzählen Geschichten aus dem Leben, erfordern aber eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik. Zusammen mit Thomas Hackl produzierte Hechenberger einige Filme, die sich mit dem Thema Zeitgeschichte befassen. Der Film „In Linz begann's“ widmet sich dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938. Die zweiteilige Dokumentation „Österreich am Eisernen Vorhang“ zeigt das Leben an und mit der Grenze von der Nachkriegszeit bis zum Jahr 1989. Neben historischen Themen sind es auch Themen, die die aktuelle kulturelle Vielfalt Österreichs beleuchten.
Brauchtum und Handwerk
Bei ihren Dokumentationen über Hinterstoder, das Hintergebirge und Bad Goisern kommen Förster, Jäger, Bauern, Fischer und Handwerker zu Wort. Die Dokumentarfilme über Land und Leute, Handwerk und Brauchtum sind Zeitdokumente, die eine Lebensweise darstellen, die in einigen Jahrzehnten der Vergangenheit angehören wird.
Planung ist wichtig
Derartige Produktionen müssen genauestens geplant werden. Die Finanzierung kann über Förderungen oder Sponsoren erfolgen, ein detaillierter Finanzplan ist hier unumgänglich. Auch wenn ein Drehbuch und gewisse Abläufe vorgeplant sind, so ist hohe Flexibilität bei der Arbeit nötig. Bei Außenaufnahmen ist man auf das Wetter angewiesen, die Darsteller in den Filmen sind keine professionellen Schauspieler, sondern. oftmals Menschen, die in ihrem Leben noch nie vor einer Kamera standen. Der Umgang mit solchen Situationen erfordert viel Einfühlungsvermögen und Improvisationstalent. Den Abschluss der Arbeit bildet der Filmschnitt, den Hechenberger in ihrem Studio durchführt.
Die Spielwarenfabrik
Aktuell arbeitet Hechenberger, an einer Dokumentation über das Nibelungenwerk in St.Valentin. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Werksgelände, auf dem sich heute die Firmen CNH und MAGNA befinden, nahezu 5000 Panzer produziert. Als Tarnname für Panzerproduktion wurde damals der Name „Spielwarenfabrik“ von den Nazis ausgewählt.


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