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Bäckermeister Karl Schneller beim Gai-Fahren: „Ich bin ein Teil der Landschaft“

Norbert Mottas, 25.07.2023 15:23

ST. VALENTIN. Das Gai-Fahren hat in der Bäckerei Schneller eine lange Tradition und es ist eine Leidenschaft des Bäckermeisters Karl Schneller.

Karl Schneller fährt täglich ins Gai (Foto: mott)
Karl Schneller fährt täglich ins Gai (Foto: mott)

Das Haus in Altenhofen, in dem die Bäckerei Schneller die Bevölkerung mit Brot, Gebäck und Lebensmitteln versorgt, hat den Hausnamem „Kleinhaus Edtmayr“. Seit über 150 Jahren wird in diesem Haus Brot gebacken und auch ausgeliefert.

In früherer Zeit wurden die Backwaren mit Pferdefuhrwerk oder Buckelkorb ausgeführt. Heute fährt Karl Schneller mit seinem Kleinbus ins Gai und legt pro Tag circa 100 Kilometer zurück – an manchen Tagen von 5 Uhr in der Früh bis um 5 Uhr am Abend.

Privathäuser und Firmen

Er beliefert nicht nur Privathäuser sondern er bringt 20 Firmen der Region die Jause. Hier ist es wichtig, dass er genau auf das Timing Acht gibt. Wenn die Mitarbeiter einer Firma ihn etwa um 9 Uhr erwarten, muss er pünktlich sein, damit den Firmen keine unnötigen Wartezeiten entstehen. Mit seiner langjährigen Erfahrung hat das Karl Schneller sehr gut im Griff.

Auch für die Mitarbeiter in der Backstube ist das Jausevorbereiten eine große Aufgabe. Da werden Schnitzelsemmerl oder Mozzarella-Salzstangerl oder was die Kunden sonst gern essen zubereitet. Auch gekühlte Getraänke werden in den Kleinbus geschlichtet. Vor dem Wegfahren kontrolliert Karl Schneller, ob alles in Ordnung ist, und dann geht die Fahrt los.

Qualitätsanspruch

Ganz wichtig ist die Qualität. „Die Kunden erwarten von mit beste Qualität und würden es sofort merken, wenn ihnen jemand altes Brot ins Sackerl geben würde.“

Dieser Qualitätsanspruch ist auch der Grund, warum es der Bäckerei Schneller trotz „Bäckersterbens“ und Diskontmärkten gut geht. „Wir sind eine der wenigen Bäckereien, die echte Butter und Milch in den Semmeln verwendet“, erklärt Schneller. Auch eine lange Teigführung gibt den Semmeln die ideale Konsistenz und den vollen Geschmack.

Teil der Landschaft

Wenn man an einem Samstag Nachmittag in Altenhofen oder Endholz spazieren geht, kann man sicher sein, dass man den Kleinbus des Karl Schneller wo fahren sieht. „Mir haben schon Leute gesagt, dass ich ein Teil der Landschaft bin.“

Beim Gai-Fahren erlebt Karl Schneller viel. Immerhin ist er bei jedem Wetter, ob Regen ob Schnee oder Glatteis unterwegs.

Der stärkste Tag des Jahres ist der 24. Dezember. Und just an so einem 24. Dezember entdeckte er einen Patschen vor dem Wegfahren.

Teil der Hausgemeinschaft

Während Karl Schneller am Vormittag die Firmen beliefert, beliefert er am Nachmittag die Privatkunden. Da wird er ein Teil der Hausgemeinschaften und nimmt an deren Leben Anteil. Er weiß, wann geheiratet wird oder wann eine Taufe oder wann eine Scheidung ansteht. Und wenn es ein Begräbnis gibt, dann kommt Karl Schneller zum Nachtwachten. Einmal war ein wichtiges Schirennen während der Tour. Bei jedem Haus erfuhr er wie es gerade stand oder wurde eingeladen, im Fernsehen die Fahrt des Österrreichers mitzuverfolgen.

Viele Erlebnisse

Mit manchen Erlebnissen könnte er Bücher füllen. So kam er einmal zu einer betagten Kundin, die er am Fußboden liegend vorfand. Sie war gestürzt und konnte sich alleine nicht aufrichten. Zu Karl Schneller sagte sie nur: „Bäcker, heute brauche ich nichts.“ Schneller half ihr natürlich auf die Sitzbank, was ihn einige Mühe kostete.

Auch einen Schlaganfall eines Kunden bekam Schneller mit und konnte sofort einen Notruf absetzen. Einmal konnte er gerade noch einen Kunden auffangen, der eine Kreislaufschwäche hatte.

„Eines fehlt noch“, erklärt Karl Schneller im Tips-Gespräch: „Zu einer Geburt bin ich noch nicht zurecht gekommen.“


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