Umfassende Infos zum geplanten Bau des Rohstoffparks im Industriegebiet Ennshafen
ENNS. Bereits seit 2004 werden von Firma Bernegger im Ennshafen Anlagen zur Rohstoffverarbeitung und Abfallbehandlung betrieben. Nun sollen noch fünf weitere dazukommen und der Rohstoffpark ausgebaut werden. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist am Laufen.

Diese insgesamt sieben Anlagen haben den Zweck der Maximierung rückgewinnbarer Wertstoffe, die Gewinnung von Energie und die Minimierung der zu deponierenden Materialien, so die Stadtgemeinde Enns in einer Presseaussendung. Bei der bereits betriebenen Shredderrückstandsaufbereitungsanlage (SRA) werden aus Sperrmüll mechanisch Metalle und Kunststoffe in feinen Partikeln herausgeholt. Hier ist eine Anpassung an den Stand der Technik durch den Einbau eines Aktivkohlefilters geplant. Metall, das noch in Rückständen enthalten und mechanisch nicht weiter herauslösbar ist, wird in der Thermischen Metallgewinnungsanlage (TMG) durch ein pyrometallurgisches Verfahren gewonnen. Als Nebenprodukt dieses Prozesses wird Energie gewonnen.
Geschlossener Kreislauf
Die bereits bestehende Recyclinganlage dient der mechanischen Aufbereitung von Aushubmaterial und Baurestmassen für eine Verwertung als Recyclingbaustoff. Sie erfüllt den Zweck der Zwischenlagerung, Umschlag und Behandlung von Abfällen mittels mobilen Anlagen im Dauerbetrieb. In der Bodenwaschanlage werden mineralische Rohstoffe aus Aushubmaterialien rückgewonnen. Diese Stoffe werden in dieser Nasstrennanlage getrennt, die Rückstände gepresst, Wasser wird entzogen, das dann im Kreislauf weiter verwendet und immer wieder gereinigt wird.
Abluft kann öffentlich eingesehen werden
Bei der Kunststoffaufbereitungsanlage (KSA) verwendet die Firma Bernegger Materialien aus dem Gelben Sack. Der Kunststoff wird mittels Sensor vorsortiert und zerkleinert. Die Konditionierungsanlage (KA) dient der Konditionierung von Rückständen primär aus den Anlagen des Standorts. In der Thermischen Verwertungsanlage (TVA) wird thermische Energie in Form von Strom und Dampf aus am Standort anfallenden und sonstigen nicht verwertbaren Abfällen rückgewonnen. Es werden keine Restmüllabfälle verwendet und es erfolgt keine Ablagerung der Stoffe im Freien. Die gewonnene Abwärme kann zur Verfügung gestellt und ins Netz eingespeist werden. Die gefilterte Abluft, die dabei entsteht, wird ständig gemessen und über die Homepage öffentlich geschaltet. Jeder kann also Tag und Nacht einsehen, was an Abluft entsteht. Alle Stoffe, die in der Abfallverbrennungsverordnung angeführt sind, werden hier aufgelistet. Der Schlot wurde möglichst schlank gehalten, es entsteht keine Abluftfahne.
Züge statt LKW
Dauergeräusche, die von den geplanten Anlagen ausgehen werden, liegen unterhalb des derzeit vorherrschenden Basispegel und sind für Anrainer nicht wahrnehmbar. Verkehrstechnisch ist keine Zunahme von LKW-Fahrten pro Tag bzw. pro Stunde zu erwarten. Als Alternative zu den LKWs sind eine Anschlussbahn und drei Züge bereits genehmigt, die den Transport übernehmen werden.
Weltweite Premiere
Für Firma Bernegger ist es wichtig, auf Fragen und Befürchtungen aus der Bevölkerung eingehen zu können und bietet daher Sprechstunden an. Nach vorheriger Anmeldung steht der Betrieb gerne für ein klärendes Gespräch zur Verfügung. Kurt Bernegger ist stolz auf dieses Projekt und erklärt, es ist „ein Quantensprung für das Recycling, so etwas gibt es weltweit noch nicht.“ Die verschiedenen Anlagen werden bereits an so manchen Orten betrieben, neu ist jedoch dieser Prozess als Ganzes.
Statements aus der Gemeinde
Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ)
Zurzeit liegt am Land Oberösterreich ein Behördenverfahren auf, bei dem die Bewilligungsfähigkeit des Projekts durch eine Vielzahl an unabhängigen Experten (Sachverständigen) geprüft wird und bei dem auch die Umweltanwaltschaft eingebunden ist. Die Stadtgemeinde Enns hat in diesem Verfahren Parteienstellung und wird diese auch wahrnehmen. Bürgermeister Franz Stefan Karlinger betont dazu: „Die Wohn- und Lebensqualität der Ennser Bürger darf nicht beeinträchtigt werden, die Umweltverträglichkeit muss gewährleistet werden und Geruchsbelästigungen dürfen nicht entstehen. Für mich ist es von großer Bedeutung, wie die Umweltanwaltschaft zu diesem Projekt steht, eine erste Stellungnahme wird erwartet.“
Vizebürgermeister Markus Scherzinger (SPÖ)
„Für die SPÖ Enns ist es unbedingt notwendig, dass bei diesem Recycling-Projekt auf die Wohn- und Lebensqualität der Ennser besondere Rücksicht genommen wird. Dies ist durch das Einleiten des UVP-Verfahrens, das nach den höchsten technischen Sicherheitsstandards erfolgt, und durch die Auflagen der Umweltanwaltschaft sichergestellt. Unter diesen Rahmenbedingungen befürworten wir die Errichtung des Rohstoffparks als wichtigen Schritt einer modernen Umwelt- und Recyclingwirtschaft.“
Vizebürgermeister Manfred Voglsam (ÖVP)
„Hier handelt es sich um ein sehr umfangreiches Projekt, das auch ohne der UVP-Prüfung abgewickelt hätte werden können. Die Firma Bernegger hat sich dabei für das strengste österreichische Prüfverfahren entschieden.“
Vizebürgermeister Christian Dirnberger (FPÖ)
„Aus meiner Sicht handelt es sich um den Ausbau einer hochmodernen Industrieanlage, die mittels thermischer Prozesse wertvolle Edelmetalle rückgewinnt und unvermeidbare Reststoffe weiter entgiftet und reduziert. Wer Recycling vor der eigenen Tür ablehnt ist mitverantwortlich, dass Elektronikschrott in der Dritten Welt und Plastik in den Weltmeeren landet.“
Stadtrat Michael Reichhardt (Die Grünen Enns)
„Mit modernster Technik Wertstoffe zurückzugewinnen macht grundsätzlich Sinn. Dennoch gehört geklärt, für welche Anlagenteile des Rohstoffparks tatsächlich Bedarf besteht. Ob dann der Standort im Ennshafen geeignet ist, soll die Umweltverträglichkeitsprüfung zeigen. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang die Gründung einer Bürgerinitiative. Es gilt alle kritischen Punkte genau unter die Lupe zu nehmen, um mögliche negative Auswirkungen gering zu halten.“
Gemeinderat Harald Lackner (NEOS)
„Das Projekt steuert mit seinen bestehenden Anlagen, sowie den geplanten Erweiterungen einen innovativen und wichtigen Anteil zu der künftigen Recyclingwirtschaft bei. Durch das freiwillige, kostenintensive Umweltverträglichkeitsprüfverfahren sehen wir hier die notwendige Transparenz, sowie Einhaltung geforderter Kriterien bezüglich Wohn- und Lebensqualität, sehr gut erfüllt.“


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