Wirtschaftsstandort Linz-Land: Höhere Arbeitslosigkeit, aber auch mehr Unternehmensgründungen 2020
BEZIRK LINZ-LAND. Die Corona-Situation stellt bereits seit neun Monaten die Betriebe im Bezirk Linz-Land vor große Herausforderungen. Die Bezirksstelle Linz-Land der Wirtschaftskammer Oberösterreich zieht Bilanz über das vergangene krisengebeutelte Jahr.

Wie es aussieht, wird es viele Verlierer geben. Allen voran die offensichtlichen Branchen, welche von den harten Lockdown-Maßnahmen besonders gebeutelt wurden wie der Tourismus, aber auch Gaststätten oder Cafés und deren Zulieferer. Linz-Land ist keine klassische Tourismusregion, sondern lebt vom Geschäftstourismus. Es gab in allen Monaten seit März 2020 enorme Nächtigungsrückgänge. Der stärkste Rückgang war im April mit über 80 Prozent zu verzeichnen.
Export ging zurück
Linz-Land ist ein starker Industriestandort mit vielen produzierenden Unternehmen und hat deshalb einen hohen Exportanteil. Da Corona die ganze Welt betrifft, wird die weltweite Nachfrage nach österreichischen Gütern enorm eingeschränkt, was den Bezirk hart trifft. In den ersten neun Monaten des heurigen Jahres ist der Export „made in Österreich“ um neun Prozent gesunken. In weiterer Folge sind auch die Zulieferfirmen von Auftragsrückgängen betroffen.
Kurzarbeit hielt qualifiziertes Fachpersonal in Unternehmen
Trotz der höheren Arbeitslosigkeit stehen die Betriebe im Bezirk weiter vor der Herausforderung, Fachkräfte und Lehrlinge zu finden. Ein Grund für den nach wie vor herrschenden Fachkräftemangel liegt in der großen Inanspruchnahme der Kurzarbeit. Die Kurzarbeit wurde in Oberösterreich in der Phase 1 von März bis Mai von rund 17.000 Betrieben und in der Phase 2 mit der Verlängerung bis September immer noch von rund 5.500 Betrieben in Anspruch genommen. Insgesamt waren rund 300.000 Beschäftigte betroffen. Durch diese Unterstützungsleistung konnte qualifiziertes Fachpersonal in den Unternehmen gehalten werden. Freigesetzt wurden in erster Linie Personen ohne entsprechende Ausbildung, welche nun wieder verstärkt von Arbeitslosigkeit betroffen sind.
Erneuter Anstieg der Arbeitslosigkeit befürchtet
Die Arbeitslosigkeit generell ist im Bezirk Linz-Land wieder etwas zurückgegangen. Während im April 2020 noch 8,8 Prozent Arbeitslosigkeit herrschte, ist sie im November nach vorläufigen Schätzungen bei 6,4 Prozent angelangt. Das sind immer noch 1,4 Prozentpunkte über dem Vergleichswert des Vorjahres und 0,5 Prozent über dem Oberösterreich-Durchschnitt mit 5,9 Prozent. Es ist zu befürchten, dass sich die Entwicklung wieder umkehren und die Arbeitslosenzahlen wieder nach oben gehen werden.
Stundungen werden bald fällig
Auch wenn Linz-Land derzeit nicht von großen Betriebsschließungen wie jene von MAN in Steyr bedroht ist, so wird es dennoch im Frühjahr 2021 spannend, wenn die den Betrieben gewährten Stundungen für fällige Abgaben wie jene der ÖGK, des Finanzamtes oder der Sozialversicherung oder auch die gewährten Überbrückungskredite schlagend werden.
Mehr Insolvenzen befürchtet
Die derzeitige Insolvenzstatistik zeigt deutlich geringere Zahlen als in der Vergangenheit. Von Jänner bis einschließlich September 2020 gab es in Linz-Land um rund 40 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen als im Vergleichszeitraum der beiden vorhergehenden Jahre. Dieser positive Schein trügt jedoch. Die niedrigen Zahlen zeigen die Wirkung der vielen Corona-Hilfsmaßnahmen, bedeuten aber für das eine oder andere Unternehmen nur einen Aufschub der Insolvenz. Die WKO befürchtet einen größeren Anstieg für das erste halbe Jahr 2021. Nämlich dann, wenn einerseits Hilfsmaßnahmen enden und andererseits Stundungen für fällige Abgaben auslaufen.
Mehr Gründungen als 2019
Trotz der Pandemie ist die Anzahl an Unternehmensneugründungen im Bezirk weiterhin leicht ansteigend. Während in den ersten drei Quartalen 2019 444 Unternehmen neu gegründet wurden, waren es im Vergleichszeitraum 2020 458. Der Trend zur Selbständigkeit ist also ungebrochen.
Krise brachte Trend zur Digitalisierung
Der Spuk wird also auch 2021 noch nicht so schnell vorbei sein. Wenn man der Krisensituation etwas Positives abgewinnen will, so ist es eine steile Lernkurve der Betriebe und Organisationen. Die Notwendigkeit von Homeoffice und die starke Nachfrage im Onlinehandel brachten ein Umdenken in den Organisationsstrukturen und einen Digitalisierungsschwung mit sich. Viele Unternehmen haben die Zeit genutzt, die dafür notwendigen Strukturen auch auf Dauer einzurichten oder haben mit innovativen Ideen neue Geschäftsfelder eröffnet. Nicht zuletzt wurden Ressourcen in den Aufbau oder die Ausweitung des digitalen Auftritts investiert oder um digitale Prozesse zu optimieren.
Beratungen der WKOÖ
Um den Digitalisierungsprozess weiter voranzutreiben, bietet die WKOÖ kostenlose Digitalisierungsberatungen an. Diese wurden allein im ersten Halbjahr 2020 schon von über 2.100 Unternehmen in Anspruch genommen. Die Beratungen werden auch im Jahr 2021 fortgesetzt. Aber auch im Bereich Kooperationen bietet die WKOÖ eine Unterstützungsleistung an. Unter dem Motto „Gemeinsam geht mehr“ können KMU und EPU mit Sitz in Oberösterreich bis zu 5.000 Euro für die Entwicklung und Umsetzung ihres gemeinsamen Kooperationsvorhabens abholen.


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