Christian Deleja-Hotko: „Ennser sollen das Gefühl haben, dass sich bei uns wirklich was tut“
ENNS. Vor 100 Tagen hat Christian Deleja-Hotko das Bürgermeisteramt von seinem Vorgänger Franz Stefan Karlinger übernommen. Im Tips-Talk verrät der neue SPÖ-Stadtchef mehr über aktuelle Projekte und die Herausforderungen seines neuen Jobs.

Wäre Christian Deleja-Hotko in einer anderen Zeit Stadtchef geworden, hätte auf seine Ernennung wohl ein echter Termin-Marathon gefolgt. Mit Vereinsversammlungen, Firmenbesuchen und unzähligen Weihnachtsfeiern. Nicht in Zeiten von Corona. „Ich bin eigentlich mehr der, der gerne draußen bei den Leuten ist, so habe ich sehr viel Zeit am Stadtamt verbracht und mich da eingearbeitet“, erzählt der neue Bürgermeister. All die persönlichen Begegnungen, die noch nicht möglich waren, sollen aber nachgeholt werden: „Mir ist es schon wichtig, dass die Leute meine Wertschätzung spüren.“
Kunsteislaufbahn soll im nächsten Winter stehen
Nach zwei Jahren als Vizebürgermeister war Deleja-Hotko in viele Themen bereits länger eingebunden. Ein besonderes Augenmerk möchte der 55-Jährige auf die Belebung der Innenstadt legen: „Die Leute sollen einfach wieder das Gefühl haben, dass sich bei uns wirklich was tut.“ Neben der Umgestaltung des Hauptplatzes soll im kommenden Winter etwa ein Kunsteislaufplatz als Besuchermagnet kommen. „Wir haben früher für vier bis fünf Wochen rund 30.000 Euro ausgegeben, davon ein großer Teil für den Strom. Momentan laufen die Gespräche für den Ankauf der Kunsteisbahn. Das hätten wir dann alleine in einigen Jahren refinanziert und es ist einfach nachhaltiger.“
Bunter Mix als Lösung für die Innenstadt
Für die Belebung der Innenstadt laufen im Hintergrund viele Prozesse. Dazu zählt etwa der intensive Austausch mit den Immobilienbesitzern. Gemeinsam mit ihnen und Städteplanungsexperten soll die bestmögliche Nutzung für die leeren Objekte ermittelt werden. „Nicht in jedem Haus muss ein Geschäft sein, aber wir brauchen schon Frequenzbringer. Wohnungen können auch helfen, um die Nachfrage nach Geschäften für den täglichen Bedarf zu erhöhen. Es braucht da einfach einen guten Mix“, ist Deleja-Hotko überzeugt. Ein weiteres Herzensprojekt ist das neue Stadtgeschichte-Museum. Dafür laufen derzeit die Konzeptarbeiten auf Hochtouren. Am 22. April 2023 zum 811. Geburtstag der Stadtrechtsurkunde soll es eröffnet werden. „Mir ist da auch wichtig, dass wir die Bürger einbinden. Die jüngere Geschichte sollte auch einen wichtigen Platz bekommen. Ich bin sicher, dass sich da die Ennser gerne einbringen. Freilich ist dieses Projekt auch kostspielig, aber als älteste Stadt sollten wir so etwas schon haben.“ Wer gerne mitarbeiten möchte, kann sich am Stadtamt melden. In Sachen Infrastruktur denkt Deleja-Hotko nach dem aktuell laufenden Schulumbau bereits die nächste Baustelle an. Die Mittelschule Maria Anger, die er auch selbst besucht hat, soll erneuert werden. „Da sind wir aber noch am Anfang. Es braucht zuerst einmal ein Projekt, aber alleine der Turnsaal ist schon so in die Jahre gekommen, das müssen wir angehen.“
Enns ist Vorreiter mit Klimakoordinatorin
Besonders erfreut ist der Stadtchef, dass es ab 1. April eine eigene Klimakoordinationsstelle in Enns geben wird – die personelle Entscheidung ist vergangene Woche gefallen. „Wir wollen 2035 klimaneutral sein, da gibt es viel zu tun und mit diesem Schritt sind wir wieder einmal Vorreiter.“ Christian Deleja-Hotko ist zwar seit 1991 im Gemeinderat und sozusagen ein „alter Hase“ in der Kommunalpolitik, „aber ich fühle mich wie ein Frischling. Für mich gibt es eigentlich keinen schöneren Job, als Bürgermeister in der Stadt zu sein, in der ich geboren bin“.


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