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Helga Frohn: „Die beste Werbung ist aus unserer Sicht eine authentische und ehrliche Politik“

Thomas Lettner, 30.05.2022 20:00

BEZIRK LINZ-LAND. Die Neos gingen bei der Gemeinderatswahl 2021 im Bezirk Linz-Land in Enns, Leonding und St. Marien ins Rennen. Bezirkskoordinatorin bei der Wahl war die Ennserin Helga Frohn, die in ihrer Heimatstadt auch in den Gemeinderat einzog.

Helga Frohn ist Gemeinderätin der NEOS in ihrer Heimatstadt Enns. (Foto: NEOS OÖ)
Helga Frohn ist Gemeinderätin der NEOS in ihrer Heimatstadt Enns. (Foto: NEOS OÖ)

Tips: Sie sind jetzt seit sechs Monaten Gemeinderätin in Enns. Wie haben Sie als Quereinsteigerin den Einstieg in die Politik erlebt?

Frohn: Ich habe mich entschieden in die Politik zu gehen, weil ich überzeugt bin, dass Enns und ganz Oberösterreich eine Politik brauchen, in der es nicht um Ideologie oder Parteifreunde geht, sondern um Transparenz und Einbindung der Menschen, eine ordentliche Bildung und eine Entlastung für die Menschen und unsere Unternehmen. Natürlich musste ich mich in den letzten Monaten zurechtfinden, habe dadurch aber auch viele Dinge entdeckt, die in unserer Gemeindepolitik besser laufen könnten. Als Quereinsteiger hat man wenn man so will einen unvoreingenommenen Blick auf die Politik und versteht damit auch noch besser, wo die Politik teilweise zu weit vom realen Leben der Menschen weg ist – das will ich ändern.

Tips: Sind Sie immer noch Bezirkskoordinatorin der NEOS im Bezirk Linz-Land?

Frohn: Die NEOS sind grundsätzlich anders aufgebaut als andere Parteien, dadurch haben aber auch die Mitglieder eine viel stärkere Möglichkeit, sich einzubringen. Bei uns gibt es dadurch aber aktuell keine „Bezirksparteiebene“. Die Gemeinden im Bezirk haben jedoch den besten Blick auf den Bezirk, jede aus einer anderen Richtung. Ich freue mich aber jederzeit gerne auch etwas zur Bezirkspolitik zu sagen.

Tips: Wie zufrieden sind Sie über das Abschneiden bei der Wahl 2021 der NEOS in Enns (1 Mandat), Leonding (1 Mandat) und St. Marien (4 Mandate)?

Frohn: NEOS feiern dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag und sind 2012 gegründet worden, weil die Politik in Österreich dringend frischen Wind gebraucht hat. Was sich in dieser vergleichsweise kurzen Zeit getan hat, ist unglaublich. Wir sind in Oberösterreich bei der Wahl 2021 nicht nur in den Landtag eingezogen, sondern stellen auch in 19 Gemeinden insgesamt 35 Gemeinderäte. Das ist grundsätzlich schon ein tolles Ergebnis, in Fortsetzung unseres Wahlergebnisses von 2015. Dass es auch in drei Gemeinden im Bezirk Linz-Land gereicht hat, freut mich ganz besonders, ist aber gewiss nicht das Ende unseres Wachstums im Bezirk. Es werden weitere Gemeinden folgen. Ich hätte mich natürlich über ein zweites Mandat in Enns gefreut, dafür werden wir aber in den nächsten sechs Jahren hart arbeiten. Das Ergebnis der Wahl 2021 bildet aber eine gute Basis für die nächsten Wahlen 2027.

Tips: Gibt es Interessenten für weitere NEOS-Fraktionen in anderen Gemeinden des Bezirks Linz-Land?

Frohn: Wir sind eine stetig wachsende Organisation. Allein der Sprung zu über 25 Gemeindeteams in Oberösterreich zur Wahl 2021 hat gezeigt, dass NEOS auch in Oberösterreich immer größer werden. Auch im Bezirk Linz-Land haben wir seit der Wahl einen Zustrom von neuen Mitgliedern erlebt und werden Ortsgruppen gründen. Ich lade jeden politikinteressierten Oberösterreicher ein, sich uns bereits jetzt anzuschließen, und bin auch persönlich laufend im Gespräch mit interessierten Menschen. Die beste Werbung ist aus unserer Sicht eine authentische und ehrliche Politik, und damit hoffe ich auch in Zukunft weiteres Interesse zu wecken.

Tips: Welche Ziele verfolgt die Bezirkspartei in Zukunft?

Frohn: Wie gesagt werden wir dieses Jahr zehn Jahre alt. NEOS sind deshalb auch nicht wie die anderen „Alt-Parteien“ aufgebaut. Daher gibt es bei uns aktuell auch keine „Bezirksparteiebene“. Aus unserer Ennser Sicht ist das Ziel sicherlich, NEOS noch breiter in unserer Gemeinde zu verankern und vor allem mit vielen ins Gespräch zu kommen. Wir wollen, dass die Politikverdrossenheit der Menschen abnimmt, dazu müssen wir aber alle unseren Beitrag leisten. NEOS Enns wollen das mit konstruktiver, aber auch kritischer Politik in alle Richtungen machen. Wenn wir in sechs Jahren sagen können, dass es in Enns deutlich weniger darum geht, wen man kennt, sondern jeder und jede sich gleich fair behandelt fühlt und die Politik in der Gemeinde transparenter ist, dann ist auf jeden Fall ein Ziel erreicht.

Tips: Sind Veranstaltungen der NEOS im Bezirk geplant, um euer 9 1/2-Punkte-Programm stärker unter die Menschen zu bringen?

Frohn: Es ist auf jeden Fall schön, dass es endlich wieder Feiern, Veranstaltungen und ein Zusammenkommen gibt. Und ja, es wird in den kommenden Jahren Veranstaltungen in Enns und im gesamten Bezirk geben, wo wir uns NEOS vorstellen, unsere Ideen und Werte übermitteln und zur Diskussion einladen werden. Wir haben im Februar mit unserer „Dankeschön - Krapfenaktion“ für alle Blaulicht-Organisationen und Pflegepersonal in Enns begonnen (Tips berichtete), und weitere werden dieses Jahr noch folgen. Unser Team ist motiviert, und wir haben schon im Wahlkampf gezeigt, dass man mit uns gut diskutieren und gut lachen kann. Alle unserer Veranstaltungen findet man übrigens auf unseren Social Media-Seiten und in der NEOS-2-Go App.

Tips: Am 1. Juni fällt die Maskenpflicht. Wie sehen Sie diese von Experten empfohlene Entscheidung?

Frohn: Wir haben in den letzten Jahren der Pandemie immer gesagt, dass Corona nicht politisch werden darf. Es ist daher gut, dass hier auf Experten gehört wird. Ich glaube aber auch, dass sich die Regierungen unseres Landes auf den Herbst vorbereiten müssen und den Sommer nicht wieder verschlafen dürfen. Der Wahlkampf im letzten Jahr hat für einen Chaosherbst gesorgt, den wir nicht wieder erleben wollen.

Tips: Was ist Ihre Meinung zu einem Amazon-Verteilzentrum in Kronstorf? Sollte der Fokus bei Betriebsansiedelungen eher auf österreichischen Unternehmen liegen?

Frohn: Es gibt noch viele Fragen rund um Kronstorf. Wir dürfen uns nicht grundsätzlich vor international agierenden Unternehmen verschließen. Oberösterreich hat sich in den letzten Jahren internationaler aufgestellt, und das ist auch gut so. Gleichzeitig sind österreichische Unternehmen enorm wichtig und gehören gefördert, wo wir können – gerade im Bereich der KMUs gibt es da in Österreich noch viel Aufholbedarf, etwa wenn es um die Entlastung geht – Stichwort kalte Progression und Lohnnebenkosten. Wichtig ist, dass dort, wo sich internationale Unternehmen ansiedeln, auch Arbeitsplätze für die Region entstehen und die Abgabe von Steuern gerecht für alle Unternehmen ausgestaltet ist.

Tips: Wird in den Gemeinden des Bezirks Linz-Land Flüchtlingen aus der Ukraine genug geholfen oder sehen Sie Verbesserungspotential?

Frohn: Wenn es darum geht, unseren Mitmenschen, welche unverschuldet in Not geraten sind, zu helfen, haben wir immer Luft nach oben, um unsere menschliche Großzügigkeit, Güte und Verständnis zu zeigen. In meiner Funktion als Obfrau des Elternvereins der Mittelschulen Enns konnte ich dafür Sorge tragen, dass Kinder der ukrainischen Gastfamilien mit einem soliden Grundpaket an Schulsachen ausgestattet wurden sowie mithelfen, dass ein Netzwerktreffen unserer Gastfamilien mit einer Jause versorgt wurde. Ich möchte mich bei den vielen Ennsern bedanken, die Wohnungen, Sachgüter und ihre Zeit zur Verfügung stellen, um unseren ukrainischen Gastfamilien zur Seite zu stehen. Politisch würde ich mir manchmal weniger schöne Bilder von Politikern und Hilfsgütern in Zeitungen wünschen und stattdessen mehr unkomplizierte Entscheidungen für rasche Hilfe.

 


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