Die Gegner des Verteilzentrums erklärten ihre Beweggründe
ST. VALENTIN. Nach einer verlängerten Fragestunde im Gemeinderat zum Thema Amazon-Verteilzentrum und einer Info-Veranstaltung der Firmen Fraktal und Amazon luden nun die Gegner des geplanten Verteilzentrums zu einer Info-Veranstaltung.

Zur Info-Veranstaltung der Gegner des Verteilzentrums kamen deutlich mehr Interessierte als zur Info-Veranstaltung der Firma Fraktal-Development.
Die Gründerin der Bürgerinitiative „Nein zum geplanten Amazon-Verteilzentrum St. Valentin“ Susanne Webersdorfer erinnerte am Beginn ihrer Ausführungen an die Abstimmung im Gemeinderat, der sich mit 18 zu 13 Stimmen für eine Weiterführung der Verhandlungen mit der Firma Fraktal Development über das geplante Verteilzentrum aussprach. Fraktal Development plant, ein Verteilzentrum zu errichten und dieses an Amazon zu vermieten.
Webersdorfer erinnerte auch an die Resolutionen gegen das Projekt, die der Gemeinderat Amstetten und der Gemeinderat Ennsdorf verabschiedeten.
Vier Besitzer
Das betreffende Grundstück hat derzeit vier Besitzer, einer davon ist die Gemeinde St. Valentin. Und Webersdorfer erklärte, dass bereits 1.400 Menschen aus allen Bundesländern eine Petition gegen das Verteilzentrum unterschrieben hätten.
Geplant seien Abstellplätze für 362 Lieferwagen und 105 Parkplätze für Mitarbeiter. Die 105 Arbeitsplätze der Lagerarbeiter würden laut der Prognose Webersdorfers laufend weniger, wenn die Sortierarbeit von künstlicher Intelligenz und Robotern automatisiert werde. Damit würden auch die Kommunalsteuer-Einnahmen der Gemeinde schrumpfen.
Erwartete Verkehrsprobleme
Ein großes Problem sehen die Projektgegner in der Verkehrssituation. In der Nähe des geplanten Verteilzentrums gibt es ein Auslieferungslager einer großen Firma – mit entsprechend großem LKW-Verkehrsaufkommen. Ein Nadelöhr ist die Unterführung unter die Westbahn, die nicht von zwei LKWs gleichzeitig passiert werden könne. Auch die Einmündung in die „Panzerstraße“, die in ferner Zukunft einmal einen Kreisverkehr bekommen würde, würde, wenn die Auslieferer ausschwärmen, zu täglichen Verkehrsstaus führen.
Auch die Bürger von Ennsdorf befürchten eine massive Steigerung des bereits großen Verkehrsaufkommens. Das berichtete Herbert Pühringer von der Bürgerplattform Pro Ennsdorf-Windpassing. Er appellierte an die anwesenden Gemeinderäte St. Valentins: „Überlegt euch, was ihr den Anrainern antut!“
Der Ennsdorfer Vizebürgermeister Walter Forstenlechner (SPÖ) warnte vor einem Verkehrsproblem an der Stöcklerkreuzung in Ennsdorf. Von dieser Kreuzung führen Wege Richtung Langenhart – aus dieser Richtung würden die Lieferautos kommen –, in Richtung Enns/Linz, in Richtung Mauthausen/Perg und Richtung Rems über die B1. Forstenlechner geht davon aus, dass das Projekt alleine schon aufgrund der ungelösten Verkehrsproblematik zum Scheitern verurteilt sei.
Sorgen der Anrainer
Ein Anrainer des betreffenden Grundstücks berichtet, dass er eine große Lichtverschmutzung befürchte, wenn zusätzlich zum Licht von der Eisenbahn auch noch das Licht des die ganze Nacht beleuchteten Verteilzentrums käme. Dazu fürchtet er noch mehr Lärm, zum Beispiel durch die Rückfahr-Piepser der LKWs, die während der Nacht zum Anliefern kämen.
Eine Anrainerin berichtete, dass sie ihr Elternhaus umgebaut habe und nicht in einem Industriegebiet wohnen möchte. Derzeit sehe sie Rehe auf dem Acker, später würde sie das Verteilzentrum sehen.
Das Grundstück, auf dem das Verteilzentrum geplant ist, wurde im Jahr 2006 zu einem „emissionsarmen Betriebsgebiet“ umgewidmet. Der damalige Bürgermeister Manfred Mießner war auch bei der Veranstaltung. Er betonte, dass ein Betriebsgebiet kein Industriegebiet sei. Auch wenn sich dort statt des Verteilzentrums kleine Betriebe ansiedeln würden, würden die Rehe keinen Platz finden.
Weiter kritische Stellungnahmen aus dem Publikum betrafen die Arbeitsbedingungen der Lagerarbeiter bei Amazon sowie der Auslieferer, die meist als Selbstständige als Subfirmen von Subfirmen organisiert seien.
Thomas Wintersberger, ein Sprecher der Bürgerinitiative „Nein zum geplanten Amazon-Verteilzentrum St. Valentin“, wagte zum Abschluss der Veranstaltung den Blick in eine mögliche Zukunft, in der pro Tag 4000 Amazon-Auslieferungsdrohnen über St. Valentin schwirren würden.


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