Erdäpfelernte wird geringer ausfallen
MOSTVIERTEL. Aufgrund der klimatischen Unwirtlichkeiten fällt die Erdäpfelernte heuer geringer aus.

Die Landwirtschaftskammer schlägt Alarm: „Österreich gehen die Erdäpfel aus“, titelt sie in einer Presseaussendung.
Als ein Grund werden ungünstige klimatische Bedingungen angeführt: „Durch die kalte Witterung im Frühjahr konnten die Erdäpfel erst später gepflanzt werden, die kühlen Temperaturen bedingten weiters ein langsameres Wachstum. Die darauffolgende Hitze hat die Bestände zusätzlich gestresst. Bei Temperaturen über 25 °C verlangsamt sich das Knollenwachstum, ab 30 °C stellt die Erdäpfelpflanze das Wachstum ein.“
Markt leer geräumt
„Dies hat die neue Ernte stark verzögert, der Markt war leergeräumt und konnte in den letzten Wochen nur knapp versorgt werden. Durch die anhaltende Hitze und Trockenheit gibt es zum einen aktuell keine Zuwächse. Zum anderen ist die Erdäpfelernte aufgrund des harten Bodens nicht möglich.“ Daher empfiehlt die Landwirtschaftskammer eine verbesserte Bewässerungsinfrastruktur: „Die durch den Klimawandel stark veränderte Witterung ist einer der Hauptgründe für die prekäre Situation. Die Verschiebung der Vegetationsperioden sowie lange Trocken- und Hitzeperioden bei gleichzeitig fehlender Bewässerungsinfrastruktur setzen den Erdäpfeln spürbar zu.“
Tips befragte Erdäpfelproduzenten der Region.
„Schaut schlecht aus“
Johann Dornmayr, vulgo Wosa Hans, ist Biobauer in Rems. Er erklärt, dass es heuer schlecht aussehe. Erst im Juni habe er die Felder kontrolliert und weiß jetzt schon, dass die Erdäpfel heuer klein sein werden. Geerntet wird im September und man wird sehen, wie viel die Erdäpfel noch zulegen können. Die Erdäpfel des Wosa Hans gibt es unter anderem in seinem Hofladen in Rems zu kaufen.
Geringes Ertragsniveau
Jakob Alkin baut auf seinen Äckern in Erla Erdäpfel der Sorten Ditta, Birgit und Agria an. Er erklärt: „Wir produzieren auf einem niedrigen Ertragsniveau und werden heuer ungefähr so viel ernten wie voriges Jahr.“ Die Ernte wird Mitte September eingebracht. Die Sorte Ditta wird schon früher geerntet.
Alkins Erdäpfel gibt es unter anderem im Dorfladen St. Pantaleon.
Willi Müller aus Rubring produziert die bekannten Müllers Hofkartoffeln. Auch er verzeichnete in der ersten Ernte einen Ertragsrückgang.
Bewässerungsanlage
Müller verfügt über eine Bewässerungsanlage. „Wir haben die Erdäpfel in sechs bis sieben Durchgängen bewässert, daher erwarten wir auch für die zweite Ernte bessere Erträge.“ Wie in Erla ist in Rubring der Boden relativ sandig und daher ein schlechter Wasserspeicher. Für ein Kilogramm Erdäpfel braucht es 100 Liter Wasser.
Die Saatgutproduzenten experimentieren derzeit mit Sorten, die an die neuen Klimaverhältnisse angepasst sind. Aber wichtig bleibt der Geschmack. Müllers Hofkartoffeln sind vor allem wegen des Geschmacks so gefragt.
Als Beispiel für Sorten, die die Trockenheit gut aushalten, nennt Müller die Stärkekartoffel, die sich allerdings nicht als Speisekartoffel eignet und in der Industrie verwendet wird. Müllers Hofkartoffeln gibt es im Feinkostladen und in der Bäckerei Schneller und im Hofladen der Familie Müller. Infos: muellers-hofkartoffel


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