Die neuesten Einwohner Frankenmarkts haben viel zu erzählen
Frankenmarkt. Für in Österreich Geborene schwer vorstellbare Geschichten sind es, die hinter jedem der im ehemaligen Altersheim lebenden Flüchtlinge stecken. So wie die des erst 26-jährigen Haidars.

Der im Irak geborene Haidar war in seiner ehemaligen Heimat Soldat und musste täglich erleben, wie immer mehr Kameraden vom „Islamischen Staat“ getötet wurden. Als es auch seinen besten Freund traf, wusste er, dass es für ihn keine Zukunft mehr in diesem Land gibt. Schnell packte er wenige Dinge ein und brach Richtung Europa auf. Er erzählt von der Überfahrt auf einem klapprigen Boot von Bodrum in der Türkei auf das griechische Kos. Haidar erinnert sich noch an die ängstlichen Augen der Mütter und Kinder auf dem Boot. 1000 Euro wurden ihm allein für die gefährliche Überfahrt von 45 Minuten abgenommen. Weiter ging es in Lastwägen, wo die Flüchtenden eingeengt zwölf Stunden lang schweigen mussten. Darauf folgten 30-Stunden-Märsche, teilweise auf Gleisen, über Serbien bis nach Österreich. Sechs Wochen dauerte die „Reise“ ins Ungewisse und kostete ihn an die 5500 Euro. Für Haidar war es ein emotional sehr belastender Weg, er hat dabei viel riskiert. Deswegen, erklärt er, trauen sich auch viele nicht ihre Frauen und Kinder mitzubringen. Viele können sich das auch gar nicht leisten. Endlich in Österreich angekommen, trifft er schließlich nach einigen Zwischenquartieren (auch er musste in den Zelten in Linz frieren) auf Franz Ott, den dienstführenden Ortsstellenleiter des Roten Kreuzes in Frankenmarkt. Dieser nimmt ihn schließlich mit nach Frankenmarkt, wo er und seine Mitarbeiter beauftragt wurden, eine „Grundversorgungsstelle“ zu betreuen.
Die neue Unterkunft
Das ehemalige Altenheim wurde vom Roten Kreuz auf Tauglichkeit geprüft und schließlich für ein Jahr gemietet. Mit Hilfe von Asylwerbern wurde das in die Jahre gekommene Gebäude von lokalen Firmen renoviert. Im Erdgeschoß wurden Aufenthalts- und Lernräume eingerichtet. In den oberen Geschoßen befinden sich die Zimmer der Bewohner.Die Gemeinde zahlt WLAN für das Haus, denn man kann sich nur sicher fühlen, wenn man Kontakt zur Familie halten kann. Deshalb sei für viele Asylwerber auch das Handy so wichtig, erklärt Haidar und lacht wohl wissend über die österreichische Debatte darüber, ob „echte“ Flüchtlinge nun auch Smartphones haben dürfen oder nicht. Aber vor einem Krieg muss man leider auch flüchten, wenn man ein Handy besitzt. Die Unterkunft ist für 50 Personen zugelassen. 48 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Irak sind da. Unter ihnen befinden sich ehemalige Elektriker, Studenten, Lehrer, Mechaniker, Tischler und Friseure.
Aufgenommen werden
Haidar steht Ott zur Seite, wo er kann: Er übersetzt, hilft bei der Planung des Einkaufs und sorgt für Ordnung. Vor seiner Ankunft verband er mit Österreich vor allem die Möglichkeit studieren zu können und Toleranz, auch gegenüber Muslime. Damit trifft er bei Ott auf offene Ohren, denn für diesen sei „Menschlichkeit“ der wichtigste der sieben Grundsätze des Roten Kreuzes. Ott steht mit viel Einsatz und Herz hinter dem Projekt, auch wenn es sehr viel Arbeit für ihn bedeutet. Es sei auch nötig, viel Energie in die „Meinungsbildung“ im Ort zu stecken. Dazu wollten die Flüchtlinge auch selbst beitragen und verteilten Rosen an die Frankenmarkter. Auf die Blumen hängten sie Kärtchen, auf welchen sie sich bedanken, hier sein zu dürfen. Für die Schutzsuchenden wird es sehr wichtig sein, Menschen kennzulernen und die deutsche Sprache zu erlernen. Deshalb haben sich in Frankenmarkt schon zahlreiche Freiwillige gemeldet, die in Kleingruppen wöchentliche Deutschkurse anbieten.


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