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BEZIRK FREISTADT. Auch das Mühlviertel sah im Jänner 1945 das Grauen, als die SS „Evakuierungstransporte“ aus dem Konzentrationslager Auschwitz zum KZ Mauthausen schickte. Zeitzeugen aus der Region Freistadt erinnern sich an schreckliche Bilder entlang der Summerauer Bahn.

Gedenkstein für 27 namenlose KZ-Opfer nahe der Kirche von St. Peter bei Freistadt Foto: Steinmaßl

Der Internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee 1945. Um den Befreiern möglichst wenige Häftlinge zu überlassen, schickte die SS viele Internierte in „Evakuierungstransporten“ in andere Konzentrationslagern darunter auch zum KZ Mauthausen.

Unvorstellbare Bedingungen

Der Transport erfolgte unter unvorstellbaren Bedingungen über die Summerauer Bahn. Was deren Anwohner erleben mussten, hat der Grünbacher Franz Steinmaßl für sein 512 Seiten starkes Buch „Von Nazis, Amerikanern, Russen und den Leuten. Das Mühlviertel im Jahr 1945“ anschaulich zusammengetragen.

„Lebende Skelette“

So zitiert Steinmaßl aus der Chronik der Wenzelskirche: „(...) brachte ein Lastenzug auf offenen Waggons aus Böhmen bei Minus 20 Grad Kälte KZler aus Buchenwald und Auschwitz. Die Menschen in den Waggons waren nur notdürftig bekleidet. Erfrorene wurden entlang der Strecke, nachdem man ihnen die Kleider abgenommen hatte, auf den Bahnkörper geworfen. Lebende sprangen aus dem Zug, so auch entlang der Strecke Oberhaid-Freistadt. Tote und Lebende wurden vom Arbeitsdienst gesammelt und nach Rainbach gebracht. Sie alle waren zum Skelett abgemagert. Die Toten wurden in ein Massengrab am Friedhof geworfen, die noch lebenden Skelette im Pferdestall des Gasthofes Greul ,gelagert“. Es war strengstens untersagt, diesen Menschen irgendwelche Labung zukommen zu lassen. Das Massengrab wurde ab 1945 von den Bewohnern gepflegt.“

Couragierte Wirtin

Von Zivilcourage zeugt der Bericht von Leopold Pötscher aus dem Archiv der Gemeinde Rainbach. Ein Gendarm hatte einen vom Transport Geflüchteten aufgegriffen, man sperrte ihn in den oben genannten Pferdestall, mit dem Befehl an den Bewacher, niemand dürfe ihm zu essen geben. Steinmaßl zitiert in seinem Buch: „Anderer Ansicht war die alte Frau Wirtin Greul. Sie richtete eine Schüssel „eingebrockter“ Suppe und trug sie an dem Bewacher vorbei zu dem Gefangenen. Als der junge Gendarm sie daran hindern wollte, gab sie ihm zu bedenken: Wos willst denn, Büberl, wos redtst denn, spür erst selbst einmal den Hunger!“

Bahndämme waren voll von erforenen KZ-Häftlingen

Aus den Lebenserinnerungen von Johann Blöchl zitiert Steinmaßl: „In der Nacht, in der es grimmig kalt war, fuhr ein langer Güterzug durch mit Häftlingen, die ins KZ Mauthausen überstellt wurden. Viele dieser halbverhungerten Gestalten sind am Transport erfroren. Man warf die Leichen einfach zur Tür hinaus. So waren die Bahndämme von Freistadt bis Pregarten übersät mit diesen Jammergestalten ...“ 

„Sie schrieen vor Hunger, während die Mannschaft im Gasthaus aß und trank“

In der Chronik der Wenzelskirche hat der Verleger folgende Zeilen zum Transport auf der Summerauer Bahn gefunden: „Internierte vom schlesischen Lager Auschwitz sollten nach Mauthausen gebracht werden. Dieses KZ war angeblich schon überfüllt, daher hielt man den Zug vorläufig in Pregarten zurück. Die Leute waren teilweise in offenen Lastwagen zusammengepfercht, sodass manche ohnmächtig zusammenfielen. Es sollen auch einzelne erdrückt worden sein, auch aus Erschöpfung gestorben sein. Die Mithäftlinge haben hier am Bahnhof 5 Tote herausgeworfen, die dann am Friedhof begraben wurden. Manche schrieen vor Hunger, während die Mannschaft im Gasthaus Hofer saß, aß und trank und anwesenden Zivilisten Wurstwaren anbot.“


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